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Newsletter 2015 – 1


Newsletter 1/2015

Vorbereitung auf die Realität? – Der Master-Studiengang „Public History“
Die Zeiten, in denen man als Historiker, Archäologe, Anthropologe oder, ganz allgemein gesprochen, Person mit kulturwissenschaftlichem Studienabschluss seine berufliche Zukunft als Angestellter in einem Museum, einer Gedenkstätte oder auf einer Ausgrabung vor sich sah, sind vorbei – und das erst nicht seit gestern. Der Arbeitsmarkt, auf den Studierende dieser Fächer heute strömen, ist breiter und komplexer geworden. Neben dem klassischen Berufsfeld „Lehrer“ besteht die Möglichkeit in vielen Bereichen der freien Wirtschaft einzusteigen oder den Weg in die Selbständigkeit zu nehmen.

Die Schwierigkeiten, die den Studierenden auf dem Arbeitsmarkt begegnen, waren bis vor wenigen Jahre an den Lehrstühlen der Universitäten nicht eben präsent. Die Frage: „Wie geht es weiter für die Leute, die wir ausbilden?“ stellten sich, bis auf wenige Ausnahmen, weder Professoren noch Mitarbeiter. Das ändert sich momentan! Viele Universitäten führen den Master-Studiengang „Public History“ ein, der sehr praxisnah auf den Arbeitsalltag vorbereiten soll. Die Freie Universität Berlin wirbt damit, die Studenten so besser auf ein Arbeitsleben in Museen, Gedenkstätten, Verlagen, Medien, Stiftungen und Unternehmen vorzubereiten. Das klingt gut und ist ein schöner Ansatz. Nur darf ernsthaft bezweifelt werden, dass die bis dato gestrichenen Stellen in zahlreichen der genannten Branchenfür die Absolventen plötzlich wieder vorhanden sind.

Eine Möglichkeit, diefür viele Kulturwissenschaftler immer wichtiger wird, die fachnah arbeiten möchten, lässt auch der Master „Public History“ hartnäckig außer Acht: Es ist der Schritt in die Selbständigkeit.

DieserWeg ist in vielen Köpfen als ernsthafte Möglichkeit, sich als Kulturwissenschaftler etwas aufzubauen, gar nicht vorhanden. Und das ist schade, ist doch gerade dieser Bereich einer der wenigen im kulturellen Sektor, der kontinuierlich wächst. Gerade weil dietraditionellenArbeitgeber im kulturellen Bereich immer mehr Stellen abbauen, die zu bewältigende Arbeit aber die Gleiche bleibt, hätten zukünftige Absolventen hier die Chance, sich dauerhaft eine Existenz aufzubauen.

Doch um diese Chance als solche wahrzunehmen ist vermutlich ein Mentalitätswechsel nötig. Sowohl bei Studierenden, als auch an den Universitäten und in den Institutionen, die die potenziell Selbstständigen später beauftragen: Für die Studierenden und Wissenschaftler heißt das, Selbständigkeit nicht als unseriös abzutun oder nur als Übergangslösung bis zur festen Anstellung. Für den Kultursektor und alle, die die Dienstleistungen von freiberuflichen Historikern, Archäologen, Kunsthistorikern und anderen Kulturwissenschaftlern in Anspruch nehmen, bedeutet dies aber auch, sie fair zu bezahlen. Immer wieder sorgen Honorare, die angesetzt werden müssen um von ihnen den Lebensunterhalt mit allen Nebenkosten bestreiten zu können, für großes Erstaunen, weil die Stundenlöhne eines Angestellten als Vergleich herangezogen werden. Dabei muss die Honorierung selbständiger Arbeit im Kultursektor sich vielmehr an der von Handwerkern, Juristen oder freiberuflichen Ingenieuren orientieren.

Wenn dies der Fall wäre, dann träte eine Win-Win-Situation für beide Seiten ein: Institutionen wie Museen müssen keine langfristigen Stellen schaffen, die sie sich nicht leisten können (auch wenn vielen Museen und anderen kulturellen Einrichtungen mehr fest Angestellte durchaus gut tun würden, aber das ist eine andere Diskussion). Und für die zahlreichen Universitätsabsolventen böte sich ein attraktives Betätigungsfeld mit zahlreichen Perspektiven.

Und sonst?
Unser Newsletter im Januar ist ausgefallen und das nicht ohne Grund. Denn wir sind umgezogen! Seit Anfang des Jahres befindet sich das Büro der Geschichtsmanufaktur im ehemaligen Dortmunder Straßenbahndepot (www.depotdortmund.de) an der Immermannstraße 29 in 44147 Dortmund. Telefon: 0231/17754356.

Neues aus der Forschung“
36.000 Jahre alte Kunst aus Beton und Kunstharz kann man ab dem 25. April in Frankreich besichtigen. Für 55 Mio. Euro hat man in Südfrankreich die Chauvet-Grotten nachgebaut, die zahlreiche altsteinzeitliche Höhlenmalereien beherbergen. Aus konservatorischen Gründen konnten diese der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemachtwerden. So fand man eine elegante Lösung, die Kunst der Steinzeit in der Gegenwart sichtbar zu machen.

Oberbürgermeister Sierau und Rabbiner Apel weihen die QR-Code-Stelen von vergangenes verorten ein

Gestern, am 19.3.2015 fand auf dem Dortmunder Ostfriedhof mit einer kleinen Feier die Einweihung von fünf neuen QR-Code-Stelen statt. Den Inhalt hinter den Codes haben wir gemeinsam mit zwanzig Jugendlichen der Ricarda-Huch-Realschule erstellt. Die Stelen stehen auf dem jüdischen Gräberfeld des Ostfriedhofs und informieren den interessierten Smartphone-Nutzer über das Leben von vier jüdischen Dortmundern, die am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts hier lebten sowie auch über die Geschichte des Mahnmals für die Opfer des Holocaust.

Wir freuen uns sehr, dass zu unserer Einweihungsfeier Oberbürgermeister Ullrich Sierau erschien, sowie auch Rabbiner Avichai Apel, der Geschäftsführer der Jüdischen Kultusgemeinde Groß-Dortmund Leonid Chraga, die stellvertretende Schulleiterin der Ricarda-Huch-Schule Frau Ute Höltke gemeinsam mit Ralf Symior, einem Lehrer der genannten Schule, der uns in unserem Vorhaben ebenfalls immer unterstützte, der Ehrenvorsitzende der Werbegemeinschaft Kaiserstraße Arnold Vogt und natürlich der Geschäftsführer der Dortmunder Friedhöfe Uli Heynen. Ganz besonders schön war es, dass auch viele der Jugendlichen erschienen, die die Inhalte der QR-Codes so schön erstellt haben.

Auch die Presse war zugegen, so freuen wir uns über einen Beitrag in der WDR-Lokalzeit, der nun für einige Tage in der WDR-Mediathek zu sehen ist. Außerdem waren Ruhrnachrichten und Stadtanzeiger zugegen, sowie die Pressestelle der Stadt Dortmund.

QR-Code am Schüchtermann-Denkmal

Wir freuen uns sehr, dass wir mit vergangenes verorten eine weitere QR-Code-Stele in Dortmund plazieren konnten. Diesmal am Denkmal des Dortmunder Industriellen Heinrich Schüchtermann.

Neue QR-Code-Stele auf dem Ostfriedhof!

Heute wurde die QR-Code-Stele an der Gruft der Familie Schüchtermann installiert. Die Stele informiert über das wohltätige Wirken des Industriellen Heinrich Schüchtermann und seiner Frau Antoinette Schiller-Schüchtermann.

Im Januar wird außerdem am Denkmal Schüchtermanns ein Code angebracht, der über das berufliche Werk Schüchtermanns informiert.

Modellprojekt der Landesregierung

Im Sommer 2014 hat die Geschichtsmanufaktur am Modellprojekt der „Kulturentwicklungsplanung im ländlichen Raum“ mitgearbeitet. Für die Städte Bad Berleburg und Schmallenberg haben wir insgesamt elf Museen genauer unter die Lupe genommen und ein Konzept entwickelt, mit dem im kommenden Jahr für einige der Museen vor Ort neue Museumsführer ausgebildet werden können.

Hier gibts weiter Informationen zu dem Projekt und zu unserer Arbeit.

Die Geschichtsmanufaktur in Schmallenberg und Bad Berleburg

 

Orgainisation des Jahrestagung des BfK

Gemeinsam mit einigen anderen Firmen der Region Rhein-Ruhr organisiert die Geschichtsmanufaktur die Jahrestagung des Bundes freiberuflicher Kulturwissenschaftler am 17. und 18. April 2015 auf Zeche Zollverein in Essen.

Die Tagung richtet sich an alle selbstständig arbeitenden Kulturwissenschaftler. In ingesamt vier Workshops am Freitag und Samstag erarbeiten die Teilnehmer mit qualifizierten Coaches Strategien zur erfolgreichen Akquise, zum Fundraising und Netzwerken und klären Fragen zur beruflichen wie privaten Vorsorge.  Zwei Workshops (Akquise & Versicherung) richten sich an die Neulinge im Sektor der Selbstständigkeit, zwei Workshops (Fundraising & Netzwerken) sind für die „Alten Hasen“ im Geschäft bestimmt.

Nähere Informationen folgen in Kürze

Stolpersteine in der App der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache

Im vergangenen Jahr haben wir für die Mahn- und Gedenkstätte Steinwache Dortmund eine App konzipiert, die sowohl Informationen zur Steinwache bietet als auch den Nutzer via GPS zu den 15 wichtigsten Orten Dortmunds in der NS-Zeit leitet.

Wir freuen uns, diese App nun weiter ausbauen zu können. In Text und Bild werden wir ab Januar 2015 über die Schicksale von 100 Personen und Familien berichten, an die auf dem Dortmunder Stadtgebiet mit einem Stolperstein erinnert wird.

Der App-Nutzer kann sich direkt via GPS zu den einzelnen Stolpersteinen leiten lassen oder sich spontan per App über das Schicksal der Person informieren, an deren Stolperstein er gerade zufällig vorbei kommt.

Die App der Steinwache steht hier zum Download bereit:

iOS (Apple)

Android

Konzeptionen für die Ausstellung „200 Jahre Westfalen. Jetzt!“

Die Geschichtsmanufaktur übernimmt Konzeption und Aufbau des gesamten museumspädagogischen Umfelds der im August 2015 im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) startenden Ausstellung „200 Jahre Westfalen“.

Zu unseren Aufgaben gehören folgende Teilbereiche:

  • Konzeption drei museumspädagogischer Programme (Erwachsene/Sek.II, Sekundarstufe I und Primarstufe). Alle Programme für Schulklassen orientieren sich eng am Colloquium der jeweiligen Jahrgänge.
  • Konzeption eines „Entdeckerhefts“ für Familien. Das Heft wird gemeinsam mit einem Jugendbeirat entwickelt, der eigens für die Ausstellung eingerichtet wird. Die Leitung des Beirates obliegt Frau Christine Piepiorka (Leiterin des Kinder- & Jugendbeirats des Adlerturms) und Katharina Hülscher (Geschäftsführerin der Geschichtsmanufaktur).
  • Entwicklung eines unterhaltsamen Begleitprogramms für Exkursionen zu bedeutenden Orten Westfalens.
  • Mitgestaltung und -durchführung eines „Runden Tisches“ für Lehrer.

Newsletter 2014-4

Newsletter 4/2014

Spaten raus und graben! – Hobbygräber als Schrecken der Archäologie?

Dieser Tage ist es überall in der Presse zu lesen: Ein Hobbyforscher aus Schottland hat einen riesigen Wikingerhort entdeckt. Wunderschöne, kostbare Stücke aus dem 9. und 10. Jahrhundert entdeckte er, als er mit einem Metalldetektor unterwegs war. Es war nicht der erste Fund des Schotten, bereits im vergangenen Jahr hatte er eine große Anzahl mittelalterlicher Münzen aufgespürt – ebenfalls mit dem Metalldetektor. Beim aktuellen Fund war der Rentner nicht auf gut Glück unterwegs gewesen. Experten hatten die Fundstelle bereits vorher als für die Archäologie interessanten Ort ausgemacht. Bei diesem Fund scheint sofort das National Museum of Scotland eingeschaltet worden zu sein, zumindest konnte der Hort von diesem Museum begutachtet werden.

Leider ist dies nicht immer der Fall. Viel zu oft machen sich Schatzsucher mit Metalldetektoren auf die Suche nach archäologischen Artefakten. Ohne Sicherung des Fundortes werden die Gegenstände aus der Erde geholt, der Fundzusammenhang wird vollkommen zerstört, die Geschichte des Stücks ist unwiederbringlich verloren. Die Motivation dieser Raubgräber ist ganz unterschiedlich: Bei einen ist es die reine Unwissenheit, die sie Fundstellen zerstören lässt, bei anderen sind es kriminelle Machenschaften oder die Faszination an Militaria vor allem aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Ergebnis ist jedoch das Gleiche: Potenzielles Wissen über die Vergangenheit wird zerstört.

Aber ist das wirklich immer so? Bei jedem Hobbyarchäologen? Ganz sicher nicht. Tatsache ist, dass es in der Archäologie ohne Hobbyforscher, die mit viel Idealismus und durchaus nach wissenschaftlichen Standards graben, so manchen Fund nicht gegeben hätte. Viele Männer und Frauen opfern ihre Freizeit, um nach möglichen Fundstellen Ausschau zu halten. Sie graben nicht unkoordiniert drauf los, sondern arbeiten Hand in Hand mit den Archäologen, Historikern und Restauratoren vor Ort – und wissen meist mehr über die Funde und Fundstätten ihrer Heimat als so mancher Profi. Viele Bodendenkmalämter arbeiten offiziell mit Ehrenamtlichen zusammen und können so trotz nahezu leerer Kassen mehr als nur Notgrabungen leisten. Werden alle wissenschaftlichen und rechtlichen Richtlinien befolgt, stellen Hobbyforscher für alle Fachbereiche der Geschichtswissenschaften eine unschätzbare Bereicherung dar!

Und sonst?

Auf den Spuren der Geschichte kann man natürlich nicht nur unter der Erdoberfläche wandern, sondern auch darauf, zu Fuß. Was man dort mancherorts sehen kann, wenn man den Blick nach unten richtet, sind kleine goldene Quadrate – eingelassen in das Gehwegpflaster. Diese kleinen Unterbrechungen des grau-in-grau des Untergrunds sind „Stolpersteine“. Sie werden vor Wohnhäusern verlegt, deren Bewohner Opfer des NS-Regimes geworden sind. Namen auf den Steinen machen es möglich, die Ermordeten genau zu benennen. In Dortmund gibt es inzwischen weit über 200 dieser Stolpersteine. Die Geschichtsmanufaktur fügt nun die GPS-Daten von 100 dieser Steine und die jeweils zugehörigen Kurzbiographien der Opfer in die App der „Mahn- und Gedenkstätte Steinwache Dortmund“ ein. Abgeschlossen sein wird dieses Projekt Anfang 2015.

Neues aus der Forschung“ weicht heute einem Glückwunsch

Der Glückwunsch geht an Thor Heyerdahl zu seinem 100. Geburtstag! Am 6. Oktober erinnerte der WDR mit einem „Zeitzeichen“ an den engagierten und wagemutigen Forscher. Zu hören und zum Download bereit ist er momentan noch auf der Webseite des WDR „Zeitzeichen“. http://www1.wdr.de/radio/podcasts/wdr3/zeitzeichen244_pcp-2.html

Dies ist der letzte Newsletter im Jahr 2014. Wir wünschen allen unseren Lesern eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch in 2015.

Newsletter 2014-3

Die neuen Absolventen: Jünger, schneller – besser?

Bereits seit Anfang des Jahrtausends bemüht man sich in Deutschland mit den neu eingeführten Bachelor- und Masterstudiengänge das Universitätsstudium zu verkürzen. Wo es früher möglich war, neben seinen eigentlichen Studienfächern auch mal den Blick nach links und rechts zu wagen, sich in ganz anderen Fachbereichen umzutun, wurde nun das Prinzip eingeführt, ein Studium möglichst ohne Halt in wenigen Semestern zu absolvieren. Im Idealfall, so die Vorstellung, sollten die Studenten die Universität bereits nach dem Bachelor verlassen. Im NRW verschärfte sich im vergangenen Jahr die Situation noch durch die Einführung des G8-Abiturs: Die nun an die Unis strömenden Studenten sind zwischen 17 und 18 Jahren alt und beenden ihr Studium, wenn sie nach dem Bachelor die Uni verlassen, mit etwa 22 Jahren. Was hat man nun von diesen doch sehr jungen Leuten zu erwarten?

Im Bereich der Geisteswissenschaften könnte der Schluss naheliegen, dass es doch eigentlich nicht ausschlaggebend sei, ob nun jemand mit Anfang oder Ende 20 in das Arbeitsleben einsteigt. Schaut man jedoch auf die Betätigungsfelder, in denen sich die jungen Leute eine Arbeitsstelle suchen, tun sich ganz neue Probleme und Fragestellungen auf, denn neben den immer jünger werdenden Absolventen wird auch das Studium an sich grundlegend verändert: Museen und andere Kulturbetriebe stehen auf einmal vor der Frage, wie genau sie nun einen Absolventen beschäftigen sollen, der während seines Studiums kaum Zeit hatte, sein Handwerk richtig zu erlernen. Dieser an die Museumstüren klopfende Absolvent ist heute noch meist Historiker, Kunsthistoriker oder Archäologe. In wenigen Jahren wird er durch den nicht so recht greifbaren „Kulturwissenschaftler“ abgelöst werden. Neben Kultureinrichtungen sind Geisteswissenschaftler in vielen Bereichen der freien Wirtschaft wegen ihrer „soft skills“ sehr beliebt. Komplexe Zusammenhänge können erkannt und auf den Punkt gebracht werden, das „Um-die-Ecke-Denken“ ist eine der großen Stärken der Geisteswissenschaftler. Doch mit Anfang 20 sind diese Fähigkeiten bei den meisten noch nicht wirklich ausgeprägt, an der Uni können sie schließlich auch aus Zeitmangel kaum noch vermittelt werden.

Was soll mit den zahlreichen jungen Absolventen also geschehen, die die Universitäten in immer mehr Fällen nach dem Bachelor, also quasi nach dem ehemaligen Grundstudium verlassen? Das wird eine der Fragen sein, mit denen sich Kultur, Wirtschaft und Politik in den kommenden Jahren verstärkt auseinandersetzen müssen. Denn sonst stehen immer mehr junge Leute ohne Job und immer mehr Kulturbetriebe und Unternehmen ohne qualifizierte Arbeitnehmer da. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die neuen generalisierenden Studiengänge wie Kulturwissenschaften oder Medienwissenschaften tatsächlich ein Fortschritt sind, oder ob eine Spezialisierung auf ein Fach nicht sinnvoller ist.

Und sonst?

Die Kulturbüros in den Städten Schmallenberg (Hochsauerlandkreis) und Bad Berleburg (Kreis Siegen-Wittgenstein) haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt: für zahlreiche Heimatmuseen vor Ort möchte man neue Museumsführer ausbilden. Wie viele Heimatvereine leiden auch die Vereine im Sauerland an starker Überalterung und es ist abzusehen, dass in den kommenden Jahrzehnten der Führungsbetrieb mit den bestehenden Mitgliedern nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Im Idealfall sollen jüngere Menschen unter 60 nachrücken, die die Führungsaufgaben übernehmen. Diese neuen Museumsführer werden von der Geschichtsmanufaktur ausgebildet. Die Ausbildung setzt auf einen umfassenden theoretischen Teil, der die Teilnehmer in Führungsaufbau und -konzeption schult, sowie auf einen großen praktischen Anteil. Hier erfahren die angehenden Museumsführer, was eine Führung eigentlich für alle Beteiligten spannend und lehrreich macht. Start der Ausbildung ist vermutlich im Frühjahr 2015. In einem ersten Schritt wurde zunächst für alle teilnehmenden Museen ausgelotet, welche museumspädagogischen Formate sich für die jeweiligen Häuser anbieten.

Neues aus der Forschung

Da man bekanntlich im Sommer auf genügend Flüssigkeitszufuhr achten soll, dreht sich der heutige Beitrag zur Forschung im das Thema Trinken. Es geht jedoch wie so oft in der Geschichte nicht um Wasser, sondern um Alkohol. Bereits Anfang des Jahres fanden US-Forscher heraus, was man in Kreisen der Nordmänner gern zu sich nahm. Es handelte sich nicht etwa um schnödes Bier, sondern um einen Cocktail aus Beeren, Honig, Kräutern und Getreide. Wenn erhältlich, mischte man ihn auch gern mit Weinen aus dem Mittelmeerraum – und das bereits um 1100 v.Chr. Getrunken wurde dieses Gebräu nicht nur aus Genuss, sondern auch aus medizinischen Gründen. Gern nahm man es aus großen und schön gestalteten Gefäßen zu sich. Wer möchte nicht prachtvolles Glas besitzen, denkt man sich bis heute und so dachte man auch in der Renaissance. Aus dieser Zeit stammen die so genannten „Passgläser“, von denen eines u.a. bei Ausgrabungen im ostwestfälischen Spenge gefunden wurde. Diese Passgläser nutze man zu Trinkspielen: In das Glas mit einem Fassungsvermögen von 0,8 Litern waren vier Ringe eingelassen. Bis zu einem der Ringe musste man es leeren. Geschah dies nicht auf den Millimeter genau, musste man das Glas in einem Zuge leeren. Das Ende eine solchen Spielchens kann man sich unschwer vorstellen.

Quellen:
http://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Raue_Gesellen_mit_feiner_Zunge__Was_war_drin_im_Grog_der_Wikinger_1771015589468.html http://www.ruhrnachrichten.de/leben-und-erleben/kultur-muensterland/Archaeologen-tagen-in-Muenster-Schon-unsere-Ahnen-tranken-viel-und-wuest;art2551,2315089