Archive for the ‘ Aktuelles ’ Category

Newsletter 2018/1

Neues von der Geschichtsmanufaktur – nach langer Zeit melden wir uns mit unserem Newsletter zurück. Und einiges hat sich getan:

Neuer Mitarbeiter
Im Oktober begrüßten wir Stephan Pietsch (Kunsthistoriker) in unserem Team. Er unterstützt uns an zwei Tagen in der Woche als wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Werne up’n Patt
Im Juli 2017 haben wir die Leitung eines zweijährigen Projektes im Stadtmuseum Werne übernommen. Wir beschäftigen uns mit dem Thema Mobilität und Mobilitätswandel früher, heute und morgen. Dabei entwickeln wir spannende neue Formate, um mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen.
Seit Februar läuft im Rahmen des Projekts eine von uns kuratierte Schaufensterausstellung in fünf leerstehenden Schaufenstern der Werneraner Innenstadt. Ausstellungstitel: „Mit rasender Geschwindigkeit. Wie steuert Werne in die Zukunft?“ Unterstützung bei der Umsetzung hatten wir vom Szenografiebüro PRINZTRÄGER aus Bochum und von konter – Studio für Gestaltung aus Dortmund. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 20.5.2018. Keine Zeit zum Besuch vor Ort? Dann gibt’s hier schöne Bildchen: http://geschichtsmanufaktur.com/schaufensterausstellung-mit-rasender-geschwindigkeit-wie-steuert-werne-in-die-zukunft/

Vielfalt verortet in Unna
Seit Oktober ist unser digitaler Stadtplan zum Thema Migration nach Unna nach 1945 online. Über 80 Stationen sind im Plan enthalten. Sie erzählen von den Schicksalen der Migranten genauso wie von den Orten, die für die Migrationsgeschichte Unnas wichtig waren und noch sind. Das Besondere: Den Plan haben wir in fünf Sprachen erstellt: Deutsch, Englisch, Türkisch, Russisch und Arabisch. Zu sehen ist er unter vielfalt-verortet-in-unna.de
Die technische Umsetzung erfolgte durch zehn23 – studio für gestaltung und godesign.

Goldene Zeiten?
Schon länger betreuen wir die Restaurierung des Werdener Kruzifixes (11.Jh.). Seit vergangenem Sommer informiert nun die Ausstellung „Goldene Zeiten?“ in der Schatzkammer St. Ludgerus in Essen-Werden über die Restaurierung und die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen. Im Sommer erscheint der Begleitband zur Restaurierung.

Konzeptionsarbeiten
Für das Städtische Museum Medebach haben wir die Neukonzeption der bestehenden Dauerausstellung übernommen.
Für das neue Museum im Bahnhof Grevenbrück (Lennestadt) entwickeln wir ebenfalls die Dauerausstellung.
Und für das Besucherzentrum an den Bruchhauser Steinen gibt’s auch eine neue Dauerausstellung von uns. Wir freuen uns, nun auch im Bereich Geologie unterwegs zu sein.

Wir bei Instagram
Man kann uns nicht mehr nur bei Facebook (facebook.com/geschichtsmanufaktur) folgen, sondern nun auch bei Instagram. Besuchen Sie uns auf instagram.com/geschichtsmanufaktur. Es gibt viel Einblicke in unsere Arbeiten.

Newsletter 2016 – 4

Wie wir wissen, wissen wir nichts! – Das Thema Scheinselbstständigkeit ist und bleibt akut und schwer greifbar.
Bereits im Frühjahr haben wir an dieser Stelle über ein Thema berichtet, dass viele Museen und ihre freien Mitarbeiter beschäftigt: Die Scheinselbstständigkeit.
Zahlreiche Museen stehen momentan auf der Prüfliste der Deutschen Rentenversicherung. Im Blick sind vor allem die freiberuflichen Museumspädagogen, doch das könnte sich in Zukunft ändern. Denn nach Auffassung der DRV ist das Museum eine Einrichtung, in der sich jedwede freiberufliche Arbeit generell verbietet.
Was dies sowohl für die Museen als auch für die dienstleistenden Unternehmen für Folgen hätte, lässt sich ungefähr erahnen…
Doch bis heute ist jede Prüfung auf Scheinselbstständigkeit eine Einzelprüfung mit ungewissem Ausgang. So wurde das Technoseum Mannheim vom Sozialgericht dazu verurteilt, seine 87 freiberuflichen Museumspädagogen einzustellen und ihre Sozialversicherungsbeiträge nach zu zahlen. Dieses Urteil wurde jedoch in einigen Fällen vom Landessozialgericht Stuttgart in einem zweiten Prozess wieder aufgehoben. So wird von Museum zu Museum, von Gericht zu Gericht unterschiedlich entschieden und dies in Prozessen, die oft erst nach langen Jahren ein Ende finden.
Würden durch die Prüfverfahren an den Museen tatsächlich vollwertige Stellen geschaffen und besonders die nicht selten unter prekären Bedingungen arbeitenden Museumspädagogen dauerhaft angestellt, so wäre das eine positive Entwicklung. Doch die anhaltenden massiven Kürzungen im Kulturetat der Städte und Kommunen verhindern dies. Stattdessen schaffen einige Museen in der Not 10% oder 15%-Stellen, die allenfalls Leute besetzen können, die den Beruf des Museumspädagogen nicht als Beruf, sondern als Hobby ausüben.
Um eine für beide Seiten fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Museen und Freiberuflern auf Dauer zu ermöglichen, versuchen der Deutsche Museumsbund, der Bund freiberuflicher Kulturwissenschaftler und der Bundesverband der Museumspädagogen nun Verträge zu erarbeiten, die bei Auftragsvergabe zwischen Museum und Dienstleister geschlossen werden können und die eine rechtliche Absicherung beider Seiten ermöglicht. Doch so lange müssen Museen und ihre Dienstleister mit der Gewissheit klarkommen, dass auch sie in rechtlichen Grauzonen arbeiten.

Und sonst?

Im Oktober endete die von der Geschichtsmanufaktur durchgeführte „Qualifikation zum Museumsmoderator“ im Kreis Olpe. Insgesamt 13 hoch motivierte Männer und Frauen werden zukünftig die Museen des Kreises unterstützen. Bemerkenswert war das junge Alter einiger Teilnehmer: So nahmen mit großem Erfolg 14- und 15-Jährige an der Qualifikation teil.

Im November präsentiert die Geschichtsmanufaktur ihr Konzept der Museumsführerqualifikation vor der Strukturkommission der Bezirksregierung Arnsberg.

Ab November entwickelt die Geschichtsmanufaktur gemeinsam mit dem Unternehmen zehn23 eine App zum Thema „Migration in Unna seit 1945“. Außerdem soll ein Museumskoffer zum Thema „Die Stadtgeschichte Unnas“ entstehen, der sich speziell an Flüchtlinge richtet. Die Arbeiten sind Teil eines vom Fonds „Stadtgefährten“ der Kulturstiftung des Bundes unterstützen Projektes, dass u.a. auch eine Ausstellung beinhaltet.

Folgende Projekte betreut die Geschichtsmanufaktur momentan außerdem:

–          Kuratierung einer Ausstellung zum 750.jährigen Jubiläum des Stiftes Beckum
–          Projektkoordination der Restaurierung des Werdener Kruzifixes (11.Jhrd.)
–          Projektmanagement eines Audioguides und der Museumspädagogik für das entstehende „Kulturzentrum Westmünsterland“ in Vreden
–          Transkription eines Nekrologs

Wir wünschen allen unseren Lesern eine ruhige und besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Rutsch in 2017!

Newsletter 2016-2

Gesetz gegen den „Missbrauch von Werkverträgen und Leiharbeit“ kann für viele Museen und ihre freien Mitarbeiter zum Problem werden
Schon länger ist es Gesprächsthema in vielen Museen: Das geplante Gesetz gegen den „Missbrauch von Werkverträgen und Leiharbeit“, das Anfang 2017 in Kraft treten soll.
Das Gesetz richtet sich nicht in erster Linie an Kultureinrichtungen oder ihre Auftragnehmer, vielmehr stehen Firmen der Automobil- oder Baubranche im Focus, bei denen Leiharbeit Gang und Gebe ist. Doch auch für kommunale Einrichtungen oder Firmen, die mit Freiberuflern arbeiten, kann sich das Gesetz als Stolperfalle entpuppen. Dies hängt mit den Kriterien scheinselbstständiger Arbeit zusammen, die das Gesetz definiert. Demnach befindet sich derjenige in einem scheinselbstständigen Arbeitsverhältnis, der:

  • seine Arbeitszeit und seine geschuldete Leistung nicht frei gestalten kann
  • seine Leitungen überwiegend in den Räumen eines anderen erbringt
  • zur Leistungserbringung regelmäßig die Mittel eines anderen nutzt
  • eine Leistung in Zusammenarbeit mit Personen erbringt, die von einem anderen eingesetzt oder beauftragt sind
  • keine eigene betriebliche Organisation unterhält
  • ausschließlich oder überwiegend für einen anderen tätig ist
  • Leistungen erbringt, die nicht auf die Herstellung oder Erreichung eines bestimmten Arbeitsergebnisses oder -erfolgs gerichtet sind
  • keine Gewähr für seine Tätigkeit leistet. (Quelle: VGSD)

Die meisten dieser Kriterien treffen auf Freiberufler jeder Branche zu, in Museen ist allerdings ein Tätigkeitfeld besonders betroffen: Es sind die freiberuflich tätigen Museumspädagogen, die nahezu jedes der o.g. Merkmale erfüllen. Man darf also davon ausgehen, dass es, sollte das Gesetz in naher Zukunft tatsächlich in Kraft treten, zu einigen Änderungen in der museumspädagogischen Landschaft der Bundesrepublik kommen wird.

Veranstaltung zur Scheinselbstständigkeit:

Der Bund freiberuflicher Kulturwissenschaftler (BfK) organisiert zum Thema Scheinselbstständigkeit im Kultursektor eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel „kulturWIRTSCHAFTLICHE Fragen“.
Am 2. Mai zwischen 17 und 20 Uhr findet im Theater im Depot in Dortmund die Auftaktveranstaltung der „kulturWIRTSCHAFTLICHEN Fragen“ statt. Der Focus liegt an diesem Abend besonders auf den Museumspädagogen und der Scheinselbstständigkeit. Eine Vertreterin von Verdi und ein Vorstandsmitglied des Landesverbandes der Museumspädagogen NRW beleuchten Chancen und Risiken des Gesetzentwurfs.
Mehr Informationen sowie die Anmeldemodalitäten dazu finden Sie auf www.b-f-k.de. Anmeldung bis zum 22. April unter anmeldung@b-f-k.de .

Und sonst?

Noch bis Mitte Mai zeigt das Emschertal-Museum in Herne die von der Geschichtsmanufaktur kuratierte Ausstellung „Ausgepackt – Die Glas- und Keramiksammlung des Emschertal-Museums“.

Für die Realschule an der Windmühle in Ennigerloh hat die Geschichtsmanufaktur ein Webprojekt konzipiert, bei dem sich Schüler der Jahrgangsstufe 10 mit verschiedenen Opfergruppen der NS-Zeit auseinandersetzen. Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt. Erste Ergebnisse werden ab Ende April im Netz zu sehen sein.

Voraussichtlich ab Anfang Juli bildet die Geschichtsmanufaktur Museumsmoderatoren für den Kreis Olpe aus. Schwerpunkt bei dieser Ausbildung liegt auf der Anwerbung junger Moderatoren ab 16 Jahren.

Newsletter 2016 – 1

Geschichtsmanufaktur – Newsletter 1/2016

Wir wünschen all unseren Lesern ein erfolgreiches, erfreuliches und gesundes Jahr 2016!

Neuigkeiten aus der Geschichtsmanufaktur
Wir freuen uns, dass die von uns kuratierte Ausstellung „Ausgepackt –  Die Glas- und Keramiksammlung des Emschertal-Museums“ verlängert wurde. Eigentlich sollte die Ausstellung am 17. Januar enden, nun wird sie voraussichtlich bis Mai 2016 im Emschertal-Museum im Schloss Strünkede in Herne zu sehen sein.
Seit dem Jahresbeginn arbeiten wir an einer neuen und spannenden Aufgabe: Wir haben die Projektleitung der Restaurierung des Werdener Kruzifixes übernommen.
Das Werdener Kruzifix, auch „Helmstedter Kreuz“ genannt, gehört zu den bedeutenden Bronzeplastiken des 11.Jahrhunderts. Bei einem Brand in der Schatzkammer in Essen-Werden im Jahr 2008 wurde das Kruzifix beschädigt. Nun soll es unter Einbeziehung namhafter Kunsthistoriker und Restauratoren metallurgisch untersucht und restauriert werden.
Zum Abschluss gekommen ist am 16. Januar nun endgültig die von uns durchgeführte Schulung von Museumsmoderatoren im Ländlichen Raum, genauer in den Städten Bad Berleburg und Schmallenberg. Den Abschluss bildete ein Seminar zu den Themen Sprechen und Körperhaltung. Unter Anleitung einer Kölner Diplom-Sängerin trainierten die Seminarteilnehmer ihre Stimme und übten sich in sicherem Auftreten.
Im Jahr 2017 feiert das Beckumer Kollegiatstift SS. Stephani et Sebastiani seine Gründung vor 750 Jahren. Zu diesem Anlass zeigt Stadtmuseum Beckum eine Ausstellung zur Stiftsgeschichte, die von der Geschichtsmanufaktur gemeinsam mit der Beckumer Museumsleitung entwickelt und kuratiert wird.
Die noch bis Ende Februar im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte in Dortmund gezeigte Ausstellung „Westfalen 200 Jahre. Jetzt!“ wird ab Mai 2016 in verschiedenen westfälischen Museen als Wanderausstellung zu sehen sein. Wie schon für die Ausstellung in Dortmund konzipieren wir die museumspädagogischen Begleitprogramme für die Wanderausstellung.
Weitere Neuigkeiten
Mit großer Wahrscheinlichkeit tritt zum 1.1.2017 ein neues Gesetz „zur Verhinderung des  Missbrauchs von Werkverträgen“ in Kraft. Dieses neue Gesetz könnte sich massiv auf die Arbeit der Museen oder andere Kultureinrichtungen mit Freiberuflern und Selbstständigen auswirken.
Zu diesem Gesetz plant der Bund freiberuflicher Kulturwissenschaftler (BfK) im März eine Informationsveranstaltung. Ein sachkundiger Mitarbeiter der Deutschen Rentenversicherung wird die Anwesenden über die Chancen und Risiken des Gesetzes in Kenntnis setzen. Teilnehmen können sowohl Museums- und Verwaltungsmitarbeiter als auch Freiberufler und Selbstständige.
Sollten Sie Informationen zu dieser Veranstaltung wünschen, schreiben Sie bitte eine Mail an post@geschichtsmanufaktur.com. Wir informieren Sie dann zeitnah über Veranstaltungsort und -datum.

Newsletter 2015 – 3

Geschichtsmanufaktur – Newsletter 3/2015

Partizipation im Museum – der Besucher als Teil der Ausstellung

„Bitte nicht berühren!“ – diese Satz ist bis heute Teil eines jeden Museums. Ob als Schild vor einem Objekt, als mahnend gesprochener Satz während eine Führung oder als erschreckter Ausruf des Aufsichtspersonals, wenn ein Gast einem Objekt zu nahe rückt. Situationen gibt es viele, in denen diese Aufforderung zum Einsatz kommt.

Doch wie steht es mit folgendem Satzes: „Bitte berühren LASSEN!“ – von der Ausstellung, einzelnen Exponaten, der Geschichte dahinter. Ist es möglich, in einer Ausstellung, in einem Museum mehr als einen Ort der Sammlung und der Information zu sehen?

In den älteren klassischen Sammlungen mag dies schwierig sein, doch werden heute neue Ausstellungen kuratiert oder Besucher in einer Führung durch das Museum begleitet, sollte diese „Berührung“, ein „an sich heran lassen“ möglich sein. Aber wie kann das gelingen?

Die meisten Museen, Kunstmuseen einmal ausgenommen, zeigen Objekte, die aus ihrem ursprünglichen Gebrauchs- oder Fundkontext heraus gelöst worden sind. Um mehr als eine Sammlung schöner Dinge zu schaffen, ist es notwendig, ihnen einen neuen Kontext zu geben. Einen Kontext, der nahe an ihrer alten Bestimmung ist und gleichzeitig auch so nah am Besucher und seiner Lebenswirklichkeit, dass er sich aktiv mit dem Gesehenen auseinander setzen kann. Dem Besucher wird keine universal geltende Bedeutung für etwas vorgeschrieben, stattdessen wird der Besucher zum aktiven Part in der Ausstellung, in dem er die Objekte mittels seines Wissens, seiner Erfahrungen interpretiert.

Verstärkt werden können diese Erlebnisse in der Ausstellung noch durch die Teilnahme an einer Führung. Vorausgesetzt, die Führung ermöglicht die Partizipation des Besuchers. Bereits seit Jahren in aller Munde ist das Schlagwort „dialogisches Führen“ – doch was heißt das eigentlich genau? Zunächst einmal beinhaltet es die Einbeziehung des Besuchers in einen Dialog, einen Austausch, der während der Führung stattfindet. Doch eine gute dialogische Führung ist mehr als ein Frage-Antwort-Spiel, eine gute Führung macht den Museumspädagogen, Führer oder Guide zum Moderator.

Moderierte Führungen gehen davon aus, dass der Besucher etwas ins Museum mitbringt: seine Erfahrungen, seine Sichtweise, seine Wirklichkeit. All dies wird zum Teil der Führung, ermöglicht spannende, neue und manchmal auch provokative Sichtweise auf die Ausstellungsstücke. Dem Moderator der Führung obliegt es nun mittels Leitfragen und Impulsen dafür zu sorgen, dass die Besucher ihre Erfahrungen abrufen, Gesehenes interpretieren, ins Gespräch kommen, sich austauschen. Dabei gibt er Gesprächsanreize, greift lenkend ein, vertieft Gesagtes, schafft Überleitungen und stellt Zusammenhänge her. Gleichzeitig wirkt er ausgleichend und entspannend in potenziellen Konfliktsituationen, ermöglicht kritische Auseinandersetzungen und schafft Platz für neue Gedankengänge.

Gelingt all dies, wird der Besucher zum aktiven Part einer Ausstellung und die Ausstellung verlässt die reine Ebene des Sammeln und Präsentierens. Die Ausstellung und die gezeigten Objekte werden ihrerseits zu einem aktiven Part im Erfahrungsschatz des Besuchers.

Und sonst?

Im Oktober und November dieses Jahres bildet die Geschichtsmanufaktur in den Städten Schmallenberg und Bad Berleburg Museumsmoderatoren für die vor Ort ansässigen Heimatmuseen aus. Finanziert wird das Projekt vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW.

Newsletter 2015 – 2

Neue Chancen für Museen – Indoorlokalisation wird einfacher

Museen, die in der Vergangenheit bereits mit Apps gearbeitet und sich an der Lokalisation des Appnutzers in der Ausstellung versucht haben, gaben bis dato nicht selten frustriert auf: Die genaue Standortbestimmung einer Person in einem Raum war und ist oft hardware- und kostenintensiv. Deshalb griffen viele Museen auf bewährte und einfachere Methode zurück: Der Besucher tippt selbstständig die an einer Vitrine befestigte Zahlenkombination in seine App ein und erhält die Informationen zum jeweiligen Exponat.

Eine Lösung scheint nun gefunden zu sein, denn seit einiger Zeit ist eine neue Technologie auf dem Markt, die die Lokalisation des Besuchers im Raum sehr viel einfacher macht: Es handelt sich um sogenannte Bluetooth-Beacons oder iBeacons (von Beacon [engl.] = Leuchtfeuer). Diese Beacons sind kleine Sender, die unauffällig an verschiedenen Positionen im Raum angebracht werden können. Sie senden in regelmäßigen Zeitabständen Signale aus. Kommt der Museumsbesucher mit seinem Smartphone in die Nähe des Senders, fängt dieses die Signale des Beacons auf. Vier kleine Beacons reichen, um die Position des Besuchers im Raum zu bestimmen. Kommt der Besucher nun in die unmittelbare Nähe eines in der App gelisteten Exponats, erhält er automatisch weiterführende Informationen auf sein Handy bzw. kann gezielt durch die Ausstellung geführt werden.

Die Datenübertragung geschieht via Bluetooth und ist somit mit jedem Smartphone kompatibel. Die Energiemenge, die für die Senderleistung benötigt wird ist extrem gering. Eingebaute Batterien halten also sehr lange.

Auch für Freilichtmuseen oder Häuser mit Außenanlagen ist die Technologie von Interesse. Selbstverständlich funktionieren die Beacons auch aushäusig und es gibt bereits die ersten mit Solarmodulen ausgestatteten Sender.

Und sonst?

Momentan findet im Schloss Strünkede in Herne die Ausstellung „Ausgepackt – die Glas- und Keramiksammlung des Emschertal-Museums“ statt. Sie zeigt die beeindruckende Geschichte der beiden Werkstoffe, die so viel mehr waren und sind als nur zwei Materialien zur Herstellung von Gebrauchsgegenständen. Kuratiert wurde die Ausstellung von der Geschichtsmanufaktur. Zu sehen ist sie noch bis zum 17.1.2016.

Geschichtsmanufaktur kuratiert die Ausstellung „Ausgepackt – Die Glas- und Keramiksammlung des Emschertal-Museums“

Vom 21.6.2015 bis zum 17.1.2016 zeigt das Emschertal-Museum in Herne die von der Geschichtsmanufaktur kuratierte Sonderausstellung „Ausgepackt – Die Glas- und Keramiksammlung des Emschertal-Museums“.

Gezeigt werden die Hightlights des Museumssammlung: Von der Jungsteinzeit bis in die jüngste Vergangenheit lässte sich die spannende und abwechslungsreiche Geschichte der Werkstoffe Glas und Keramik verfolgen.

  • Einblick in die Ausstellung

 

Newsletter 2015 – 1


Newsletter 1/2015

Vorbereitung auf die Realität? – Der Master-Studiengang „Public History“
Die Zeiten, in denen man als Historiker, Archäologe, Anthropologe oder, ganz allgemein gesprochen, Person mit kulturwissenschaftlichem Studienabschluss seine berufliche Zukunft als Angestellter in einem Museum, einer Gedenkstätte oder auf einer Ausgrabung vor sich sah, sind vorbei – und das erst nicht seit gestern. Der Arbeitsmarkt, auf den Studierende dieser Fächer heute strömen, ist breiter und komplexer geworden. Neben dem klassischen Berufsfeld „Lehrer“ besteht die Möglichkeit in vielen Bereichen der freien Wirtschaft einzusteigen oder den Weg in die Selbständigkeit zu nehmen.

Die Schwierigkeiten, die den Studierenden auf dem Arbeitsmarkt begegnen, waren bis vor wenigen Jahre an den Lehrstühlen der Universitäten nicht eben präsent. Die Frage: „Wie geht es weiter für die Leute, die wir ausbilden?“ stellten sich, bis auf wenige Ausnahmen, weder Professoren noch Mitarbeiter. Das ändert sich momentan! Viele Universitäten führen den Master-Studiengang „Public History“ ein, der sehr praxisnah auf den Arbeitsalltag vorbereiten soll. Die Freie Universität Berlin wirbt damit, die Studenten so besser auf ein Arbeitsleben in Museen, Gedenkstätten, Verlagen, Medien, Stiftungen und Unternehmen vorzubereiten. Das klingt gut und ist ein schöner Ansatz. Nur darf ernsthaft bezweifelt werden, dass die bis dato gestrichenen Stellen in zahlreichen der genannten Branchenfür die Absolventen plötzlich wieder vorhanden sind.

Eine Möglichkeit, diefür viele Kulturwissenschaftler immer wichtiger wird, die fachnah arbeiten möchten, lässt auch der Master „Public History“ hartnäckig außer Acht: Es ist der Schritt in die Selbständigkeit.

DieserWeg ist in vielen Köpfen als ernsthafte Möglichkeit, sich als Kulturwissenschaftler etwas aufzubauen, gar nicht vorhanden. Und das ist schade, ist doch gerade dieser Bereich einer der wenigen im kulturellen Sektor, der kontinuierlich wächst. Gerade weil dietraditionellenArbeitgeber im kulturellen Bereich immer mehr Stellen abbauen, die zu bewältigende Arbeit aber die Gleiche bleibt, hätten zukünftige Absolventen hier die Chance, sich dauerhaft eine Existenz aufzubauen.

Doch um diese Chance als solche wahrzunehmen ist vermutlich ein Mentalitätswechsel nötig. Sowohl bei Studierenden, als auch an den Universitäten und in den Institutionen, die die potenziell Selbstständigen später beauftragen: Für die Studierenden und Wissenschaftler heißt das, Selbständigkeit nicht als unseriös abzutun oder nur als Übergangslösung bis zur festen Anstellung. Für den Kultursektor und alle, die die Dienstleistungen von freiberuflichen Historikern, Archäologen, Kunsthistorikern und anderen Kulturwissenschaftlern in Anspruch nehmen, bedeutet dies aber auch, sie fair zu bezahlen. Immer wieder sorgen Honorare, die angesetzt werden müssen um von ihnen den Lebensunterhalt mit allen Nebenkosten bestreiten zu können, für großes Erstaunen, weil die Stundenlöhne eines Angestellten als Vergleich herangezogen werden. Dabei muss die Honorierung selbständiger Arbeit im Kultursektor sich vielmehr an der von Handwerkern, Juristen oder freiberuflichen Ingenieuren orientieren.

Wenn dies der Fall wäre, dann träte eine Win-Win-Situation für beide Seiten ein: Institutionen wie Museen müssen keine langfristigen Stellen schaffen, die sie sich nicht leisten können (auch wenn vielen Museen und anderen kulturellen Einrichtungen mehr fest Angestellte durchaus gut tun würden, aber das ist eine andere Diskussion). Und für die zahlreichen Universitätsabsolventen böte sich ein attraktives Betätigungsfeld mit zahlreichen Perspektiven.

Und sonst?
Unser Newsletter im Januar ist ausgefallen und das nicht ohne Grund. Denn wir sind umgezogen! Seit Anfang des Jahres befindet sich das Büro der Geschichtsmanufaktur im ehemaligen Dortmunder Straßenbahndepot (www.depotdortmund.de) an der Immermannstraße 29 in 44147 Dortmund. Telefon: 0231/17754356.

Neues aus der Forschung“
36.000 Jahre alte Kunst aus Beton und Kunstharz kann man ab dem 25. April in Frankreich besichtigen. Für 55 Mio. Euro hat man in Südfrankreich die Chauvet-Grotten nachgebaut, die zahlreiche altsteinzeitliche Höhlenmalereien beherbergen. Aus konservatorischen Gründen konnten diese der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemachtwerden. So fand man eine elegante Lösung, die Kunst der Steinzeit in der Gegenwart sichtbar zu machen.

Neue QR-Code-Stele auf dem Ostfriedhof!

Heute wurde die QR-Code-Stele an der Gruft der Familie Schüchtermann installiert. Die Stele informiert über das wohltätige Wirken des Industriellen Heinrich Schüchtermann und seiner Frau Antoinette Schiller-Schüchtermann.

Im Januar wird außerdem am Denkmal Schüchtermanns ein Code angebracht, der über das berufliche Werk Schüchtermanns informiert.

Newsletter 2014-4

Newsletter 4/2014

Spaten raus und graben! – Hobbygräber als Schrecken der Archäologie?

Dieser Tage ist es überall in der Presse zu lesen: Ein Hobbyforscher aus Schottland hat einen riesigen Wikingerhort entdeckt. Wunderschöne, kostbare Stücke aus dem 9. und 10. Jahrhundert entdeckte er, als er mit einem Metalldetektor unterwegs war. Es war nicht der erste Fund des Schotten, bereits im vergangenen Jahr hatte er eine große Anzahl mittelalterlicher Münzen aufgespürt – ebenfalls mit dem Metalldetektor. Beim aktuellen Fund war der Rentner nicht auf gut Glück unterwegs gewesen. Experten hatten die Fundstelle bereits vorher als für die Archäologie interessanten Ort ausgemacht. Bei diesem Fund scheint sofort das National Museum of Scotland eingeschaltet worden zu sein, zumindest konnte der Hort von diesem Museum begutachtet werden.

Leider ist dies nicht immer der Fall. Viel zu oft machen sich Schatzsucher mit Metalldetektoren auf die Suche nach archäologischen Artefakten. Ohne Sicherung des Fundortes werden die Gegenstände aus der Erde geholt, der Fundzusammenhang wird vollkommen zerstört, die Geschichte des Stücks ist unwiederbringlich verloren. Die Motivation dieser Raubgräber ist ganz unterschiedlich: Bei einen ist es die reine Unwissenheit, die sie Fundstellen zerstören lässt, bei anderen sind es kriminelle Machenschaften oder die Faszination an Militaria vor allem aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Ergebnis ist jedoch das Gleiche: Potenzielles Wissen über die Vergangenheit wird zerstört.

Aber ist das wirklich immer so? Bei jedem Hobbyarchäologen? Ganz sicher nicht. Tatsache ist, dass es in der Archäologie ohne Hobbyforscher, die mit viel Idealismus und durchaus nach wissenschaftlichen Standards graben, so manchen Fund nicht gegeben hätte. Viele Männer und Frauen opfern ihre Freizeit, um nach möglichen Fundstellen Ausschau zu halten. Sie graben nicht unkoordiniert drauf los, sondern arbeiten Hand in Hand mit den Archäologen, Historikern und Restauratoren vor Ort – und wissen meist mehr über die Funde und Fundstätten ihrer Heimat als so mancher Profi. Viele Bodendenkmalämter arbeiten offiziell mit Ehrenamtlichen zusammen und können so trotz nahezu leerer Kassen mehr als nur Notgrabungen leisten. Werden alle wissenschaftlichen und rechtlichen Richtlinien befolgt, stellen Hobbyforscher für alle Fachbereiche der Geschichtswissenschaften eine unschätzbare Bereicherung dar!

Und sonst?

Auf den Spuren der Geschichte kann man natürlich nicht nur unter der Erdoberfläche wandern, sondern auch darauf, zu Fuß. Was man dort mancherorts sehen kann, wenn man den Blick nach unten richtet, sind kleine goldene Quadrate – eingelassen in das Gehwegpflaster. Diese kleinen Unterbrechungen des grau-in-grau des Untergrunds sind „Stolpersteine“. Sie werden vor Wohnhäusern verlegt, deren Bewohner Opfer des NS-Regimes geworden sind. Namen auf den Steinen machen es möglich, die Ermordeten genau zu benennen. In Dortmund gibt es inzwischen weit über 200 dieser Stolpersteine. Die Geschichtsmanufaktur fügt nun die GPS-Daten von 100 dieser Steine und die jeweils zugehörigen Kurzbiographien der Opfer in die App der „Mahn- und Gedenkstätte Steinwache Dortmund“ ein. Abgeschlossen sein wird dieses Projekt Anfang 2015.

Neues aus der Forschung“ weicht heute einem Glückwunsch

Der Glückwunsch geht an Thor Heyerdahl zu seinem 100. Geburtstag! Am 6. Oktober erinnerte der WDR mit einem „Zeitzeichen“ an den engagierten und wagemutigen Forscher. Zu hören und zum Download bereit ist er momentan noch auf der Webseite des WDR „Zeitzeichen“. http://www1.wdr.de/radio/podcasts/wdr3/zeitzeichen244_pcp-2.html

Dies ist der letzte Newsletter im Jahr 2014. Wir wünschen allen unseren Lesern eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch in 2015.