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Mai-Tagung 23./24.Mai 2013

Die Mai-Tagung 23./24.Mai 2013

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik in Bonn: 2 Tage rund um das Thema „Museum and the Internet“, organisiert vom LVR, Fachbereich Kultur.

Besonders gespannt war ich auf den Länderschwerpunkt. Aus den Niederlanden wurden mehrere Projekte vorgestellt, die in Deutschland so wohl kaum realisierbar wären. Spannend vor allem die Frage: Was tun, wenn ein Museum für mehrere Jahre schließen muss? Die Antworten waren vielfältig – auch wenn nicht jede Idee den Praxistest bestanden hat.
Noch spannender die Frage nach „open data“: Welche Inhalte sollen ins Netz – nur zum Anschauen oder auch zur freien Nutzung? Das Rijksmuseum hat mit der Bereitstellung von Bildern zur freien Nutzung positive Erfahrungen gemacht und profitiert u.a. von einem stärker frequentierten Bilderservice sowie mehreren Apps, die sich auf seine Exponate beziehen. Hier die Apps über das Rijksmuseum.
Ob jedoch in absehbarer Zeit auch deutsche Museen sich zu Open Source-Projekten samt Hackathon  hinreissen lassen, wage ich zu bezweifeln.

Auch wenn die meisten vorgestellten Projekte in Kunstmuseen angesiedelt waren (die Archäologie kam gar nicht vor, historische Themen waren zwei Mal vertreten: Jüdisches Leben in Berlin und mehrere Projekte zum Ersten Weltkrieg), es gab jede Menge Anregungen: Warum nicht das Format des Bildpaten, wie es das Museum Kunstpalast erstmals zur Ausstellung „El Greco und die Moderne“ ausprobiert hat, auf eine kulturgeschichtliche Ausstellung übertragen: Paten wählen sich ein Exponat aus, über das sie berichten und das sie promoten – ausgestattet mit jeder Menge Hintergrundinfos und dem Recht, auch hinter die Kulissen zu schauen.

Neben dem Länderschwerpunkt feierte auch die Twitterwall ihre Premiere auf der Mai-Tagung – für Externe eine super Möglichkeit, dabei zu sein. Mich persönlich lenkte sie auch mal zu sehr ab von einem Vortrag, auch kamen kaum Impulse aus dem Tweetup für die laufende Diskussion.
Für die „Nachlese“ habe ich die tweets jedenfalls gerne genutzt – schließlich ergänzten sie die Vorträge mit Links und Literaturtipps.

Einige Fragen bleiben offen: Wollen Besucher lieber ihre eigenen Smartphones nutzen oder erwarten Sie Leih-Geräte? Lieber QR-Codes, Web-App oder native App? Wie kann man den Nutzen von tweetups evaluieren? Wie entwickeln sich die vorgestellten Projekte weiter?

Aber dafür gibt es ja die nächste Mai-Tagung…

 

Wer der Tagung noch einmal folgen möchte, hier sind die Tweets:
http://storify.com/TanjaNeumann/mai-tagung-2013
http://storify.com/TanjaNeumann/mai-tagung-2013-tag-2

Denkmalpflege – Lust und Frust

Eine Baufirma nutzt in Belize einen Maya-Tempel als Steinbruch – leider muss man sich nicht erst ins Flugzeug setzen, um ähnliche Fälle zu finden.

Schon immer war es ein harter Kampf, Orte und Gebäude von historischer und kultureller Bedeutung zu bewahren. Oftmals war deren Wichtigkeit niemandem bewusst – die Feldhofer Grotte, Fundort des berühmten Neanderthalers, wurde gesprengt. Der Rohstoff war wichtig, zumal nicht jeder der damals revolutionären und für manchen skandalösen Evolutionstheorie anhing. In vielen Städten wurden historische Bauten ausgeschlachtet, um das Material anderweitig zu verwenden. Dies ist nicht erst seit dem letzten Jahrhundert so: Bereits im Mittelalter nutzte man die Steine römischer Gebäude für den Bau neuer Häuser. Wo sich heute so oft eine Ringstraße um die Innenstadt zieht, standen einst die Wehrbauten – abgerissen, um Platz zu schaffen für den zunehmenden Verkehr und die wachsende Bevölkerung. Die Zeit wandelte also schon immer das Bild einer Stadt. Es ist schade, wenn ein mittelalterliches Stadtbild durch Erneuerungswut zerstört wird – so, wie es mit vielen Bauten, die den zweiten Weltkrieg überlebten, bei uns geschah.
Die Gefahr für Denkmäler droht überall, auch aus Gründen, die der Mensch gar nicht oder nur zu Teilen beeinflussen kann.
Wer kennt den Kölner Dom eigentlich ohne Baugerüst? Lange hat es gedauert, bis der Bau vollendet war und er für kurze Zeit in seiner ganzen Pracht erstrahlen konnte – bis die ersten Reperaturmaßnahmen nötig wurden. Seidtem kämpft die Dombauhütte einen endlosen Kampf gegen Witterungsschäden und andere Zerfallserscheinungen – verursacht vor allem durch sauren Regen.
Immerhin kämpfen die ca. 60 Mitarbeiter unermüdlich – was an anderen geschichtsträchtigen Orten aufgrund Geld- und Personalmangels leider nicht der Fall ist. Erst 2010 wurde in Pompeji der Notstand ausgerufen. Täglich 10.000 Besucher sorgen für viele Schäden, denen die Archäologen mit ihrem Team vor Ort nicht mehr Herr werden können. Zu viele Stellen wurden eingespart, die Gelder zu stark gekürzt. Die Folge: Häuser stürzten ein – bereits im November 2000 erwischte es das Haus der Gladiatoren, allerdings ohne, dass die Regierung eingeschritten wäre.
Die EU hat eine Finanzspritze von 105 Millionen Euro bewilligt, um in Pompeji zu retten, was noch zu retten ist. Doch vieles ist unwiderbringlich verloren.

Ohne Frage ist die Pflege von Denkmälern zeit- und kostenintensiv. Unter Umständen bedeutet der Erhalt eines Denkmales auch, dass man nicht den bequemsten Weg gehen kann – siehe die Waldschlösschenbrücke in Dresden oder, ganz aktuell, das Chemnitztalviadukt, das abgerissen werden soll, um eine neue, schnellere Bahnstrecke zu ermöglichen.
Pompeji, die Elbauen und die Maya-Tempel bringen aber auch Nutzen. Abgesehen von den Touristen, die Geld in die Kassen spülen halten uns diese Denkmäler auch unsere eigene Geschichte vor Augen – und was wären wir ohne Kenntnis um unsere Herkunft und wo wären wir, wenn all das Wissen, das unsere Vorfahren angehäuft haben, verloren wäre?
Es stellt sich einfach die Frage, wieviel einem die die eigene Geschichte wert ist – eine Frage, die sich gerade in NRW stellt angesichts der geplanten Streichung sämtlicher Mittel für Archäologie und Denkmalpflege. Zu diesen Plänen läuft übrigens noch eine Petition, initiiert von der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e.V.

Zur Petition:
https://www.openpetition.de/petition/online/angekuendigte-streichung-der-landeszuschuesse-fuer-die-archaeologie-und-denkmalpflege-zuruecknehmen

Zu dem zerstörten Maya-Tempel in Belize:
http://www.zeit.de/2013-05/Belize-Maya-Tempel-Zerstoerung

ICOMOS, Internationaler Rat für Denkmalpflege
http://www.icomos.de/index.php

Wie ein Elefant im…in der Geschichte

Am 8. Mai vor 791 Jahren wurde in Aachen Heinrich mit dem schönen Beinamen „der Klammersiebte“, ein Sohn Kaiser Friedrichs II., vom Kölner Erzbischof Engelbert I. zum König gekrönt. Mit diesen hohen Würdenträgern wies die royale Veranstaltung drei Gäste auf, die im Laufe ihres Lebens mehr als einmal in Fettnäpfchen treten und mit dem Unmut ihrer Mitmenschen und Mitregenten zu kämpfen haben sollten.

Man muss ihnen jedoch zugestehen, dass das im Mittelalter nicht ganz schwierig war. Strenge Protokolle an Bischofs-, Königs- und Kaiserhöfen sowie das heute oft leicht exzentrisch anmutenden Standesbewusstsein des Adels führten immer wieder zu kurios anmutenden Situationen, wenn zwei Herrscher mit mächtigem Selbstbewusstsein aufeinander trafen.

Zwei sehr hohe Herren mit ebenso hohem Selbstdarstellungsdrang trafen z.B. während des II.Kreuzzuges im 12.Jahrhundert aufeinander: der deutsche König Konrad III. und der byzantinische Kaiser Manuel I. Komnenos. In Konstantinopel, dem vereinbarten Treffpunkt und Heimat Manuels, war es nun üblich, vor dem Kaiser auf die Knie zu fallen und ebenjene des Kaisers zu küssen. Konrad wollte nicht – aus verständlichen Gründen, hätte doch diese Geste eindeutig eine Unterwerfung dargestellt. Auch die Alternative, den sitzenden Manuel zu küssen, lehnte Konrad ab. Man fand einen Ausweg: Beide Männer setzte man auf ein Pferd, ließ sie auf einander zu reiten und ermöglichten ihnen so einen Kuss auf Augenhöhe.

Unglücklicher gestaltete der Normannenherrscher Rollo etwa drei Jahrhunderte vorher den Ausdruck hochherrschaftlichen Selbstbewusstseins: Nachdem er König Karl III., dem Einfältigen, die Lehenshuldigung erbracht hatte, verweigerte er dem König den üblichen Fußkuss. Diesen sollte sein Gefolgsmann durchführen. Jener Gefolgsmann jedoch sah keine Veranlassung, sich bis zum Fuße des stehenden Königs zu bücken, er nahm statt dessen das Bein des Königs und riss es stürmisch hinauf zu seinem Munde – nicht ohne den König zu Fall zu bringen und den umstehenden Herrschaften eine lustige Szene zu bieten.

Bei den oben genannten drei Herren Heinrich, Friedrich und Engelbert ging es nicht so lustig, jedoch genauso stürmisch zu: Heinrich hatte nie die Chance, selbstständig als König zu regieren. Bei der Krönung noch minderjährig stand er unter der Obhut der Reichfürsten, die stellvertretend für seinen abwesenden Vater das Reich regierten. Dies hatte der junge Heinrich jedoch irgendwann satt, fand Unterstützung bei den Städten und beim niederen Adel und opponierte offiziel gegen seinen Papa. Es sollte ihn teuer zu stehen bekommen: Friedrich schlug seine Unabhängigkeitsbemühungen nieder und demütigte ihn in aller Öffentlichkeit vor den Hohen des Reiches.  Und es endete noch übler für Heinrich: Friedrich ließ ihn einkerkern – bis zu Heinrichs frühem Tod sieben Jahre später.

Friedrich selbst war jedoch nicht weniger rebellisch – nicht gegenüber seinem Vater, gegenüber dem Papst machte er sich unbeliebt. Die spontane Krönung zum König von Jerusalem, seine Faszination für Wissenschaft und fremde Glaubensrichtungen, hinausgezögerte Kreuzzüge und Gebietsstreitigkeiten führten zu mehrfachten Exkommunikationen des Kaisers. Ja, er wurde gar vom Papst abgesetzt und mit dem Antichristen verglichen. Glück für Friedrich: vor seinem Tod versöhnte er sich mit dem Papst – im Mittelalter immerhin ein guter Startpunkt für den Einzug ins Himmelreich.

Die einzig geistliche Person in unserem Dreigestirn ist der Kölner Erzbischof Engelbert von Berg. Ein so willenstarker und selbstbewusster Herrscher, dass er es binnen weniger Jahre schaffte, sich mit sämtlichen umliegenden Fürstentümern und deren Herrschern zu überwerfen. Man stritt so unerbittlich um Gebiete, Rechtszuständigkeiten und Vorrangstellungen, dass die Adeligen aus den Gebieten des heutigen Nordrhein-Westfalens und der Niederlande sich zusammenschlossen, um Engelbert zu entführen. Eine politische Entführung, um seinen Willen dem ihren anzupassen. Die Entführung lief vollkommen aus dem Ruder: Engelbert wehrte sich erbittert gegen seine Angreifer und wurde im Eifer des Gefechts mit über 70 Schwerthieben niedergestreckt.

Newsletter 2013-2

Newsletter 2/2013

Apps im Baukastensystem – praktische Lösungen für Museen mit kleinem Geldbeutel

Immer mehr Museen überlegen, ergänzend zum Führungsprogramm eine App entwickeln zu lassen, mit der sich der Besucher ohne Führung, aber dennoch geführt durch die Ausstellung bewegen kann. Viele große Museen haben eine solche App bereits. Kleinere, vor allem kommunale Museen scheuen diese Investition jedoch oft: Der Entwicklungsaufwand ist nicht zu unterschätzen, das Einpflegen der Inhalte nimmt ebenfalls Zeit in Anspruch und etwaige Änderungen zu späteren Zeitpunkten können sich als kostenintensiv erweisen.

Unser Partner, eine Dortmunder Softwarefirma, hat jetzt jedoch ein System entwickelt, das Abhilfe schaffen kann: Aus verschiedenen vorprogrammierten Bausteinen kann sich das Museum die Bestandteile der App selbst auswählen, das Design wird an das jeweilige Haus angepasst und das Einpflegen der Texte und Bilder ist mit einem Klick möglich. Durch die vorprogrammierten Elemente erübrigt sich die ständige Neuentwicklung für jedes Museum, was der App einen großen Kostenvorteil verschafft. Sollen auch Außenbereiche eingebunden werden – z.B. Archäologische Parks und Lehrpfade, Kunstpfade etc – ist die Ortung und Leitung der Besucher per GPS ein bereits in der App integrierter Bestandteil. Darüber hinaus kann jedes Museum selbstständig Änderungen an den Inhalten vornehmen, wodurch die Folgekosten erheblich reduziert werden. Damit ebnet sich der Weg zu einer App auch für Museen, die nur ein kleines Budget aufbringen können.

Projekte

Das Deutsche Klingenmuseum in Solingen eröffnet am 1.6.2013 seine Ausstellung „Klein… Kinder-, Spielzeug- und Miniaturbestecke“, die sich mit der vielfältigen und bunten Welt der Bestecke befasst, die eben ein bisschen kleiner sind als die alltäglichen Löffel, Messer und Gabeln. Die Geschichtsmanufaktur hat dazu zahlreiche Mitmachstationen und ein ausstellungsbegleitendes Heft entwickelt, die junge und ältere Besucher auf Entdeckungsreise durch die Besteckwelt schicken. http://www.klingenmuseum.de/_deutsch/dkm/ausstellungen/ausstellungsvorschau.html

Und sonst?

Wir planen, Burgen, Schlösser und andere historische Gebäude mit QR-Codes auszurüsten. Man kennt es ja von sich selbst: Man kommt bei einem Spaziergang ganz zufällig an einem interessanten Gebäude vorbei, sei es nun eine Burgruine, ein noch bewohntes Schloss oder ein spannendes Bauwerk in einer Stadt – unwillkürlich fragt man sich, welche Geschichte hinter diesem Bau steckt. Hier möchte die Geschichtsmanufaktur Antworten bieten. Mit Hilfe kleiner QR-Codes, aufgebracht auf Metall- oder Plexiglasplatten, kann sich der interessierte Spaziergänger über die Geschichte des Ortes informieren. Einfach abgescannt mit dem Smartphone kommt die Information direkt aufs Handy. Gerade für die vielen bewohnten Schlösser und Herrenhäuser eine praktische Lösung.

Neues aus der Forschung:

Seltsame Dinge entdecken Archäologen immer wieder in allen Teilen der Erde, die den Forschern Rätsel aufgeben. Das gilt auch für einen großen Steinkegel von 10m Höhe und 70m Durchmesser, den Forscher bereits 2003 per Echolot im See Genezareth entdeckten. Erst in diesem Frühjahr wurde die seltsame Formation allerdings vermessen. Es scheint, als sei der Kegel vor etwa 4000 Jahren von Menschenhand errichtet worden. Weshalb und zu welchem Zweck kann zum jetzigen Zeitpunkt nur vermutet werden. Vielleicht handelt es sich um einen Grabhügel, der erst in späteren Jahrhunderten von den Fluten des Sees bedeckt wurde.

 

In guter Gesellschaft – Benedikt XVI. ist nicht der erste Papst, der zurücktritt.

Viele werden es gerade gehört und mit Verwunderung aufgenommen haben: Papst Benedikt XVI. hat verkündet, dass er sein Amt zum 28. Februar 2013 niederlegen werde. Ein ungewöhnlicher Schritt, den viele nicht erwartet hätten, mit dem Benedikt jedoch nicht allein in der Geschichte des Papsttums steht.

Gerade in den ersten Jahrhunderten des Papsttums kam es zu mehr oder weniger freiwilligen Rücktritten:

Im Jahre 235 wurde Papst Pontianus von Kaiser Maximinus nach Sardinien verbannt, wo er seinen Ruhestand jedoch nicht genießen konnte, sondern in Erzbergwerken zu schuften hatte. 537 trat dann Papst Silverius zurück, der immerhin zweimal verbannt worden war: einmal nach Partara (heutige Türkei) und das zweite Mal nach Ponza.

Knapp 500 Jahre später war das Papsttum schon wesentlich gefestigter, Rücktritte kamen jedoch noch immer vor: 1009 trat Johannes XVIII. zurück – zumindest nimmt man dies an, denn genaue Informationen zu seinem Rücktritt sind nicht überliefert. Er starb jedoch zurückgezogen als Mönch im Kloster St.Paolo fuori le mura.

Auf dem Konstanzer Konzil (1414-1418) kam es geradezu zu einer Rücktrittswelle: Es war die Zeit des Abendländischen Schismas, als erst zwei, später drei Personen Anspruch auf den Papstthron erhoben. Papst Johannes XXIII., Gregor IX. und Benedikt XIII. gingen während des Konzils ihres Amtes verlustig: Gregor und Benedikt traten zurück, Johannes floh um der Amtsenthebung zu entgehen. Genützt hat es ihm nichts, das Konzil wählte Martin V. zum Papst.

Doch es gab auch mindestens eine freiwillige Amtsaufgabe: 1294 verzichtet Papst Coelestin V. auf sein Amt, das er nur kurze Zeit inne hatte. Eigentlich als Einsiedler lebend, war Coelestin, der den bürgerlichen Namen Peter de Murrone trug, auf Betreiben des Königs Karl II. von Neapel als 80-jähriger zum Papst gewählt worden – nachdem man sich zwei Jahre nicht auf einen Kandidaten hatte einigen können. Der entsetzte Coelestin wurde gezwungen, das Amt anzunehmen, geriet schnell unter den Einfluss Karls von Neapel und musste seinen Amtssitz nach Neapel verlegen. Coelestin erkannte, dass er weder seinen päpstlichen Aufgaben noch den Ränkespielen an der päpstlichen Kurie gewachsen war und trat schließlich von seinem Amt zurück. Ein juristisch nicht eindeutig geregelter Akt, denn bekanntlich reicht man seine Kündigung stets beim Vorgesetzten ein… Die nächste Instanz über dem Papst jedoch reagiert selten eindeutig auf Kündigungsschreiben.

Coelestin war sich dieses Dilemmas durchaus bewusst und floh nach seiner Amtsaufgabe nach Apulien. Auch sein Nachfolger Bonifazius VIII. – der als Kardinal Coelestin in seinen Gedanken der Amtsaufgabe immer bestärkt hatte – sah das Problem und befürchtete einen erneuten Griff des ehemaligen Papstes nach der Tiara. Um dies zu vermeiden ließ er Colestin gefangen nehmen und bis zu seinem Lebensende in einer Festung bei Rom einkerkern.Coelestin verstarb wenig später in der Festung. Bis heute verstummen die Gerüchte bezüglich einer Ermordung durch Bonifazius VIII. nicht. Im  14. Jahrhundert wurde Coelestin schließlich heilig gesprochen.

Heute ist der päpstliche Rücktritt rechtlich geregelt: Kanon 332 des Codex Iuris Canonici sieht vor, dass der Papst zu jeder Zeit, ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen zurücktreten kann. Ein noch recht neues Gesetz, dass erst 1983 bei der Neufassung des Kirchenrechts unter Johannes Paul II. in den Codex aufgenommen wurde…damals tatsächlich im Gedenken an Coelestin V.

App und QR-Code – Ein Vergleich

Wir haben einen QR-Code!

Versuchen Sie doch mal, unsere Website auf Ihrem Smartphone über unseren QR-Code einzugeben. Unsere Website ist selbstverständlich auch mobil und daher also auf einem Smartphone gut lesbar.

QR-Code der Geschichtsmanufaktur

QR-Codes werden auch für Museen immer interessanter. Neben Apps bieten sich die kleinen schwarz-weißen Rechtecke für Museen und Ausstellungen eine kostengünstige Möglichkeit zur multimedialen Kommunikation mit den Besuchern.

Doch wo genau liegen die Unterschiede zwischen Apps und QR-Codes? Darüber informiert in einfachen Worten die folgende Auflistung

 

Kriterium QR-Code App
Umfang Website, ausgestattet mit zahlreichen Unterseiten für die jeweiligen Exponate. Einheitliches Programm, installiert auf dem jeweilgen Smartphone/Tablet-PC des Besuchers.
Internet Wird benötigt, da der Besucher durch das Abscannen der Codes auf eine Website geleitet wird. Die Einwahl erfolgt entweder über UMTS (wenn im Haus ausreichend) oder über ein im Museum installiertes W-LAN-Netz. Nicht nötig, das Programm wird vor dem Besuch auf dem Smartphone installiert und läuft dann ohne Internetzugang.
Nutzung außerhalb Da die QR-Codes webbasiert sind, ist es problemlos möglich, die Informationen auch durch Eingabe der URL vom heimischen PC aus abzurufen. Die App ist fest auf dem Smartphone/Tablet-PC des Besuchers installiert und kann jederzeit von diesem genutzt werden.
Verschlüsselung Daten und Informationen zu Exponaten o.ä., die der Besucher nur im Museum erhalten soll, sind verschlüsselbar. So wird gewährleistet, dass die Expoante nicht nur vor dem heimischen PC betrachtet werden, sondern ein Museumsbesuch erfolgen muss, um alle Informationen zu erhalten. Auch hier ist es möglich, Informationen zu Exponaten erst im Museum zugänglich zu machen. Die App kann so als “Appetizer” funktionieren, die den Besucher in die Ausstellung lockt.
Ankündigungen Ankündigungen sind auf der mobilen Website problemlos aufführbar, Informationen dazu erhält der Nutzer jedoch nicht automatisch. Der App-Nutzer wird über jede Änderung der App informiert. Praktisch heißt das, dass der Nutzer z.B. immer bei einem neuen Eintrag im Veranstaltungskalender der App über die anstehende Veranstaltung informiert wird.
Anforderungen an den Nutzer Der Nutzer muss bei jedem QR-Code selbst in Aktion treten und den Code einscannen. Im Gegenzug muss er jedoch nichts auf sein Telefon herunterladen, Speicherplatz wird also nicht in Anspruch genommen. Die App muss heruntergeladen werden. In der Ausstellung muss der Besucher die Informationen zum jeweiligen Exponat z.B. per Zahleneingabe abrufen. Eine Ausstattung der Ausstellung mit einem internetbasierten Leitsystem, das dem Nutzer automatisch die Informationen zu Objekten in seiner Umgebung anzeigt ist möglich, jedoch sehr kostenintensiv und störungsanfällig.  Informationen zu Veranstaltungen und Neuerungen erhält der Nutzer automatisch.
Anbindung an äußere Begebenheiten Die Website kann Informationen zu den umliegenden Gebäuden enthalten, die ebenfalls mit QR-Codes ausgestattet werden können. So kann das Museum vor den historischen Hintergrund der Stadt betrachtet und weitere Punkte in der Umgebung einbezogen werden. Gleiches gilt für die App.
GPS (interessant, wenn auch aushäusige Bereiche einbezogen werden sollen) Eine GPS-Anbindung ist nicht möglich, dementsprechend fehlt die Navigationsfunktion zu den nächsten interessanten und mit QR-Codes ausgestatteten Punkten in Minden. Es können jedoch problemlos Wegbeschreibungen zu den jeweiligen Punkten auf der Website hinterlegt werden, die dem Nutzer Weghinweise geben. So ist die Installierung eines Rundweges durch Minden möglich, jedoch ohne direktes Leitsystem für den Nutzer. Eine GPS-Anbindung ist möglich, die App funktioniert in diesem Fall auch als Navigationsgerät. So kann der Besucher außerhalb des Museums zu interessanten Punkten in Minden geleitet werden. Er erhält dazu von seinem Smartphone/Tablet-PC die genauen Wegbeschreibungen von seinem jeweiligen Standpunkt aus. Steht er also vor einem in der App enthaltenen Gebäude, erhält er unmittelbar den Hinweis, wo sich der nächste Punkt befindet, und wird dorthin geleitet.
Erweiterungen Wenn gewünscht, können im Laufe der Zeit mehr Exponate eingepflegt werden. Ebenso bei einer App
Sonderausstellungen Im Bereich der Website kann ein graphisches Grundgerüst für Sonderausstellungen errichtet werden, in das die Informationen zu den jeweiligen Exponaten bei Bedarf eingepflegt werden. Dieses Grundgerüst ist immer wieder verwendbar. Gleiches gilt auch für eine App.
Wartungsintensität (Texte) Die Wartung kann durch die Museumsmitarbeiter erfolgen. Da die Website CMS-basiert ist, können diese neue Texte eingepfelgen. Neue Texte bzw. Textänderungen sind leicht und schnell möglich, jedoch müssen sie durch den Appentwickler in den Quellcode die App eingegeben werden.