Archive for the ‘ Newsletter ’ Category

Newsletter 2016 – 4

Wie wir wissen, wissen wir nichts! – Das Thema Scheinselbstständigkeit ist und bleibt akut und schwer greifbar.
Bereits im Frühjahr haben wir an dieser Stelle über ein Thema berichtet, dass viele Museen und ihre freien Mitarbeiter beschäftigt: Die Scheinselbstständigkeit.
Zahlreiche Museen stehen momentan auf der Prüfliste der Deutschen Rentenversicherung. Im Blick sind vor allem die freiberuflichen Museumspädagogen, doch das könnte sich in Zukunft ändern. Denn nach Auffassung der DRV ist das Museum eine Einrichtung, in der sich jedwede freiberufliche Arbeit generell verbietet.
Was dies sowohl für die Museen als auch für die dienstleistenden Unternehmen für Folgen hätte, lässt sich ungefähr erahnen…
Doch bis heute ist jede Prüfung auf Scheinselbstständigkeit eine Einzelprüfung mit ungewissem Ausgang. So wurde das Technoseum Mannheim vom Sozialgericht dazu verurteilt, seine 87 freiberuflichen Museumspädagogen einzustellen und ihre Sozialversicherungsbeiträge nach zu zahlen. Dieses Urteil wurde jedoch in einigen Fällen vom Landessozialgericht Stuttgart in einem zweiten Prozess wieder aufgehoben. So wird von Museum zu Museum, von Gericht zu Gericht unterschiedlich entschieden und dies in Prozessen, die oft erst nach langen Jahren ein Ende finden.
Würden durch die Prüfverfahren an den Museen tatsächlich vollwertige Stellen geschaffen und besonders die nicht selten unter prekären Bedingungen arbeitenden Museumspädagogen dauerhaft angestellt, so wäre das eine positive Entwicklung. Doch die anhaltenden massiven Kürzungen im Kulturetat der Städte und Kommunen verhindern dies. Stattdessen schaffen einige Museen in der Not 10% oder 15%-Stellen, die allenfalls Leute besetzen können, die den Beruf des Museumspädagogen nicht als Beruf, sondern als Hobby ausüben.
Um eine für beide Seiten fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Museen und Freiberuflern auf Dauer zu ermöglichen, versuchen der Deutsche Museumsbund, der Bund freiberuflicher Kulturwissenschaftler und der Bundesverband der Museumspädagogen nun Verträge zu erarbeiten, die bei Auftragsvergabe zwischen Museum und Dienstleister geschlossen werden können und die eine rechtliche Absicherung beider Seiten ermöglicht. Doch so lange müssen Museen und ihre Dienstleister mit der Gewissheit klarkommen, dass auch sie in rechtlichen Grauzonen arbeiten.

Und sonst?

Im Oktober endete die von der Geschichtsmanufaktur durchgeführte „Qualifikation zum Museumsmoderator“ im Kreis Olpe. Insgesamt 13 hoch motivierte Männer und Frauen werden zukünftig die Museen des Kreises unterstützen. Bemerkenswert war das junge Alter einiger Teilnehmer: So nahmen mit großem Erfolg 14- und 15-Jährige an der Qualifikation teil.

Im November präsentiert die Geschichtsmanufaktur ihr Konzept der Museumsführerqualifikation vor der Strukturkommission der Bezirksregierung Arnsberg.

Ab November entwickelt die Geschichtsmanufaktur gemeinsam mit dem Unternehmen zehn23 eine App zum Thema „Migration in Unna seit 1945“. Außerdem soll ein Museumskoffer zum Thema „Die Stadtgeschichte Unnas“ entstehen, der sich speziell an Flüchtlinge richtet. Die Arbeiten sind Teil eines vom Fonds „Stadtgefährten“ der Kulturstiftung des Bundes unterstützen Projektes, dass u.a. auch eine Ausstellung beinhaltet.

Folgende Projekte betreut die Geschichtsmanufaktur momentan außerdem:

-          Kuratierung einer Ausstellung zum 750.jährigen Jubiläum des Stiftes Beckum
-          Projektkoordination der Restaurierung des Werdener Kruzifixes (11.Jhrd.)
-          Projektmanagement eines Audioguides und der Museumspädagogik für das entstehende „Kulturzentrum Westmünsterland“ in Vreden
-          Transkription eines Nekrologs

Wir wünschen allen unseren Lesern eine ruhige und besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Rutsch in 2017!

Newsletter 2016 – 3

 Universitäten als Förderer prekärer Arbeitsbedingungen in der Kultur?

Für viele Geschichts- und Archäologiestudenten ist es ein Traum: Die spätere Arbeit in und für Museen. Um solche Tätigkeiten nach dem Studium übernehmen zu können, bietet sich die Sammlung praktischer Erfahrungen bereits während des Studiums an. Immer mehr Universitäten setzen daher darauf, in Seminaren Ausstellungsideen zu entwickeln, die tatsächliche Umsetzung zu planen oder Ausstellungstexte zu schreiben. Besondere Freude herrscht natürlich bei allen Beteiligten, wenn es nicht bei theoretischen Überlegungen auf dem Papier bleibt, sondern die Ausstellungen dann tatsächlich in die Tat umgesetzt werden und von einem breiten Publikum betrachtet werden können.
Doch in den letzten Jahren setzt sich an den Universitäten und Fachhochschulen ein kritisch zu betrachtender Trend durch: Zu günstigen Konditionen bieten Lehrstuhlinhaber ihr Knowhow an, wenn es um die Konzeption und Umsetzung von Ausstellungen geht. Diese Konditionen können jedoch nur aus zwei Gründen gehalten werden: Zunächst wird die Leistung von einem Angestellten angeboten, der auf Nebeneinkünfte nicht angewiesen sein dürfte. Des Weiteren werden als Projektmitarbeiter in immer häufigeren Fällen Studenten heran gezogen, die wiederum auf Grund ihres Studentenstatus ein nur geringes Gehalt beziehen – wenn ihre Tätigkeit nicht im Rahmen eines Seminars stattfindet und eine Vergütung somit nicht stattfindet.
Verstehen kann man die Motivation aller Beteiligten: Die Auftraggeber leiden unter knappen Kassen und freuen sich über günstige Anbieter. Universitäre Einrichtungen auch in den Geisteswissenschaften sind immer stärker auf das Einwerben von Drittmitteln angewiesen – Mittel die sie, sollte der Auftragnehmer wie es verstärkt vorkommt, nicht noch nebenberuflich eine Agentur zur Ausstellungsplanung betreiben, so akquirieren. Und die Studenten erarbeiten sich praktische Berufserfahrung.
Doch die Nachteile der Ausstellungsvergabe an Universitäten und Lehrstuhlinhaber sind nicht von den Hand zu weisen: Dauert das Projekt länger als ein Semester, sind die mitarbeitenden Studenten oft mit anderen Aufgaben beschäftigt und können ihre Arbeit nicht gesichert zu Ende führen. Die von Studenten erstellten Texte sind oft extrem wissenschaftlich und besucherfern – beides sind Erfahrungen, die vor kurzem ein NS-Dokumentationszentrum machen musste. Für selbstständig arbeitende Kuratoren stellt sich aber ein weiteres Problem ein: Die Konditionen, die Universitäten und Lehrstühle ihren Kunden bieten, können Selbstständige und Firmen nie erfüllen, wollen sie nicht in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Studenten wird wiederum ein unrealistisches Preisgefüge in der Kulturlandschaft vermittelt. Ein Bild, von dem sie sich nach Studienabschluss nur schwer lösen können und sie dann, sollten sie als selbstständige Kuratoren arbeiten, verstärkt in prekäre Verhältnisse drängt.
Daher sollte die Auftragsvergabe an Studenten und Professoren stets von mehreren Seiten überdacht werden.

Und sonst?
Für das „Kulturhistorische Zentrum Westmünsterland“ hat die Geschichtsmanufaktur die Projektleitung der Konzeption und Umsetzung des  Audioguides übernommen. Des Weiteren erarbeiten wir die Museumspädagogik zur Dauerausstellung.
Wir freuen uns, vom LWL-Museumsamt als das Unternehmen ausgewählt worden zu sein, das in den kommenden Jahren die Museumspädagogik der Wanderausstellungen des Museumsamtes konzipiert.
Für das Landesmuseum für Archäologie in Herne entwickeln wir drei museumspädagogische Programme, die in der kommenden Sonderausstellung „Schätze der Archäologie Vietnams“ zum Einsatz kommen.
Außerdem arbeiten wir seit einiger Zeit an folgenden Projekten:

-          Projektleitung der Restaurierung des Werdener Kruzifixes (Bronzekruzifix, 11. Jhrd.)
-          Kuratierung einer Ausstellung zur 750jährigen Gründung des Stiftes Beckum
-          Ausbildung von Museummoderatoren für die Museen des Kreises Olpe

Newsletter 2016-2

Gesetz gegen den „Missbrauch von Werkverträgen und Leiharbeit“ kann für viele Museen und ihre freien Mitarbeiter zum Problem werden
Schon länger ist es Gesprächsthema in vielen Museen: Das geplante Gesetz gegen den „Missbrauch von Werkverträgen und Leiharbeit“, das Anfang 2017 in Kraft treten soll.
Das Gesetz richtet sich nicht in erster Linie an Kultureinrichtungen oder ihre Auftragnehmer, vielmehr stehen Firmen der Automobil- oder Baubranche im Focus, bei denen Leiharbeit Gang und Gebe ist. Doch auch für kommunale Einrichtungen oder Firmen, die mit Freiberuflern arbeiten, kann sich das Gesetz als Stolperfalle entpuppen. Dies hängt mit den Kriterien scheinselbstständiger Arbeit zusammen, die das Gesetz definiert. Demnach befindet sich derjenige in einem scheinselbstständigen Arbeitsverhältnis, der:

  • seine Arbeitszeit und seine geschuldete Leistung nicht frei gestalten kann
  • seine Leitungen überwiegend in den Räumen eines anderen erbringt
  • zur Leistungserbringung regelmäßig die Mittel eines anderen nutzt
  • eine Leistung in Zusammenarbeit mit Personen erbringt, die von einem anderen eingesetzt oder beauftragt sind
  • keine eigene betriebliche Organisation unterhält
  • ausschließlich oder überwiegend für einen anderen tätig ist
  • Leistungen erbringt, die nicht auf die Herstellung oder Erreichung eines bestimmten Arbeitsergebnisses oder -erfolgs gerichtet sind
  • keine Gewähr für seine Tätigkeit leistet. (Quelle: VGSD)

Die meisten dieser Kriterien treffen auf Freiberufler jeder Branche zu, in Museen ist allerdings ein Tätigkeitfeld besonders betroffen: Es sind die freiberuflich tätigen Museumspädagogen, die nahezu jedes der o.g. Merkmale erfüllen. Man darf also davon ausgehen, dass es, sollte das Gesetz in naher Zukunft tatsächlich in Kraft treten, zu einigen Änderungen in der museumspädagogischen Landschaft der Bundesrepublik kommen wird.

Veranstaltung zur Scheinselbstständigkeit:

Der Bund freiberuflicher Kulturwissenschaftler (BfK) organisiert zum Thema Scheinselbstständigkeit im Kultursektor eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel „kulturWIRTSCHAFTLICHE Fragen“.
Am 2. Mai zwischen 17 und 20 Uhr findet im Theater im Depot in Dortmund die Auftaktveranstaltung der „kulturWIRTSCHAFTLICHEN Fragen“ statt. Der Focus liegt an diesem Abend besonders auf den Museumspädagogen und der Scheinselbstständigkeit. Eine Vertreterin von Verdi und ein Vorstandsmitglied des Landesverbandes der Museumspädagogen NRW beleuchten Chancen und Risiken des Gesetzentwurfs.
Mehr Informationen sowie die Anmeldemodalitäten dazu finden Sie auf www.b-f-k.de. Anmeldung bis zum 22. April unter anmeldung@b-f-k.de .

Und sonst?

Noch bis Mitte Mai zeigt das Emschertal-Museum in Herne die von der Geschichtsmanufaktur kuratierte Ausstellung „Ausgepackt – Die Glas- und Keramiksammlung des Emschertal-Museums“.

Für die Realschule an der Windmühle in Ennigerloh hat die Geschichtsmanufaktur ein Webprojekt konzipiert, bei dem sich Schüler der Jahrgangsstufe 10 mit verschiedenen Opfergruppen der NS-Zeit auseinandersetzen. Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt. Erste Ergebnisse werden ab Ende April im Netz zu sehen sein.

Voraussichtlich ab Anfang Juli bildet die Geschichtsmanufaktur Museumsmoderatoren für den Kreis Olpe aus. Schwerpunkt bei dieser Ausbildung liegt auf der Anwerbung junger Moderatoren ab 16 Jahren.

Newsletter 2016 – 1

Geschichtsmanufaktur – Newsletter 1/2016

Wir wünschen all unseren Lesern ein erfolgreiches, erfreuliches und gesundes Jahr 2016!

Neuigkeiten aus der Geschichtsmanufaktur
Wir freuen uns, dass die von uns kuratierte Ausstellung „Ausgepackt -  Die Glas- und Keramiksammlung des Emschertal-Museums“ verlängert wurde. Eigentlich sollte die Ausstellung am 17. Januar enden, nun wird sie voraussichtlich bis Mai 2016 im Emschertal-Museum im Schloss Strünkede in Herne zu sehen sein.
Seit dem Jahresbeginn arbeiten wir an einer neuen und spannenden Aufgabe: Wir haben die Projektleitung der Restaurierung des Werdener Kruzifixes übernommen.
Das Werdener Kruzifix, auch „Helmstedter Kreuz“ genannt, gehört zu den bedeutenden Bronzeplastiken des 11.Jahrhunderts. Bei einem Brand in der Schatzkammer in Essen-Werden im Jahr 2008 wurde das Kruzifix beschädigt. Nun soll es unter Einbeziehung namhafter Kunsthistoriker und Restauratoren metallurgisch untersucht und restauriert werden.
Zum Abschluss gekommen ist am 16. Januar nun endgültig die von uns durchgeführte Schulung von Museumsmoderatoren im Ländlichen Raum, genauer in den Städten Bad Berleburg und Schmallenberg. Den Abschluss bildete ein Seminar zu den Themen Sprechen und Körperhaltung. Unter Anleitung einer Kölner Diplom-Sängerin trainierten die Seminarteilnehmer ihre Stimme und übten sich in sicherem Auftreten.
Im Jahr 2017 feiert das Beckumer Kollegiatstift SS. Stephani et Sebastiani seine Gründung vor 750 Jahren. Zu diesem Anlass zeigt Stadtmuseum Beckum eine Ausstellung zur Stiftsgeschichte, die von der Geschichtsmanufaktur gemeinsam mit der Beckumer Museumsleitung entwickelt und kuratiert wird.
Die noch bis Ende Februar im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte in Dortmund gezeigte Ausstellung „Westfalen 200 Jahre. Jetzt!“ wird ab Mai 2016 in verschiedenen westfälischen Museen als Wanderausstellung zu sehen sein. Wie schon für die Ausstellung in Dortmund konzipieren wir die museumspädagogischen Begleitprogramme für die Wanderausstellung.
Weitere Neuigkeiten
Mit großer Wahrscheinlichkeit tritt zum 1.1.2017 ein neues Gesetz „zur Verhinderung des  Missbrauchs von Werkverträgen“ in Kraft. Dieses neue Gesetz könnte sich massiv auf die Arbeit der Museen oder andere Kultureinrichtungen mit Freiberuflern und Selbstständigen auswirken.
Zu diesem Gesetz plant der Bund freiberuflicher Kulturwissenschaftler (BfK) im März eine Informationsveranstaltung. Ein sachkundiger Mitarbeiter der Deutschen Rentenversicherung wird die Anwesenden über die Chancen und Risiken des Gesetzes in Kenntnis setzen. Teilnehmen können sowohl Museums- und Verwaltungsmitarbeiter als auch Freiberufler und Selbstständige.
Sollten Sie Informationen zu dieser Veranstaltung wünschen, schreiben Sie bitte eine Mail an post@geschichtsmanufaktur.com. Wir informieren Sie dann zeitnah über Veranstaltungsort und -datum.

Newsletter 2015 – 3

Geschichtsmanufaktur – Newsletter 3/2015

Partizipation im Museum – der Besucher als Teil der Ausstellung

„Bitte nicht berühren!“ – diese Satz ist bis heute Teil eines jeden Museums. Ob als Schild vor einem Objekt, als mahnend gesprochener Satz während eine Führung oder als erschreckter Ausruf des Aufsichtspersonals, wenn ein Gast einem Objekt zu nahe rückt. Situationen gibt es viele, in denen diese Aufforderung zum Einsatz kommt.

Doch wie steht es mit folgendem Satzes: „Bitte berühren LASSEN!“ – von der Ausstellung, einzelnen Exponaten, der Geschichte dahinter. Ist es möglich, in einer Ausstellung, in einem Museum mehr als einen Ort der Sammlung und der Information zu sehen?

In den älteren klassischen Sammlungen mag dies schwierig sein, doch werden heute neue Ausstellungen kuratiert oder Besucher in einer Führung durch das Museum begleitet, sollte diese „Berührung“, ein „an sich heran lassen“ möglich sein. Aber wie kann das gelingen?

Die meisten Museen, Kunstmuseen einmal ausgenommen, zeigen Objekte, die aus ihrem ursprünglichen Gebrauchs- oder Fundkontext heraus gelöst worden sind. Um mehr als eine Sammlung schöner Dinge zu schaffen, ist es notwendig, ihnen einen neuen Kontext zu geben. Einen Kontext, der nahe an ihrer alten Bestimmung ist und gleichzeitig auch so nah am Besucher und seiner Lebenswirklichkeit, dass er sich aktiv mit dem Gesehenen auseinander setzen kann. Dem Besucher wird keine universal geltende Bedeutung für etwas vorgeschrieben, stattdessen wird der Besucher zum aktiven Part in der Ausstellung, in dem er die Objekte mittels seines Wissens, seiner Erfahrungen interpretiert.

Verstärkt werden können diese Erlebnisse in der Ausstellung noch durch die Teilnahme an einer Führung. Vorausgesetzt, die Führung ermöglicht die Partizipation des Besuchers. Bereits seit Jahren in aller Munde ist das Schlagwort „dialogisches Führen“ – doch was heißt das eigentlich genau? Zunächst einmal beinhaltet es die Einbeziehung des Besuchers in einen Dialog, einen Austausch, der während der Führung stattfindet. Doch eine gute dialogische Führung ist mehr als ein Frage-Antwort-Spiel, eine gute Führung macht den Museumspädagogen, Führer oder Guide zum Moderator.

Moderierte Führungen gehen davon aus, dass der Besucher etwas ins Museum mitbringt: seine Erfahrungen, seine Sichtweise, seine Wirklichkeit. All dies wird zum Teil der Führung, ermöglicht spannende, neue und manchmal auch provokative Sichtweise auf die Ausstellungsstücke. Dem Moderator der Führung obliegt es nun mittels Leitfragen und Impulsen dafür zu sorgen, dass die Besucher ihre Erfahrungen abrufen, Gesehenes interpretieren, ins Gespräch kommen, sich austauschen. Dabei gibt er Gesprächsanreize, greift lenkend ein, vertieft Gesagtes, schafft Überleitungen und stellt Zusammenhänge her. Gleichzeitig wirkt er ausgleichend und entspannend in potenziellen Konfliktsituationen, ermöglicht kritische Auseinandersetzungen und schafft Platz für neue Gedankengänge.

Gelingt all dies, wird der Besucher zum aktiven Part einer Ausstellung und die Ausstellung verlässt die reine Ebene des Sammeln und Präsentierens. Die Ausstellung und die gezeigten Objekte werden ihrerseits zu einem aktiven Part im Erfahrungsschatz des Besuchers.

Und sonst?

Im Oktober und November dieses Jahres bildet die Geschichtsmanufaktur in den Städten Schmallenberg und Bad Berleburg Museumsmoderatoren für die vor Ort ansässigen Heimatmuseen aus. Finanziert wird das Projekt vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW.

Newsletter 2015 – 2

Neue Chancen für Museen – Indoorlokalisation wird einfacher

Museen, die in der Vergangenheit bereits mit Apps gearbeitet und sich an der Lokalisation des Appnutzers in der Ausstellung versucht haben, gaben bis dato nicht selten frustriert auf: Die genaue Standortbestimmung einer Person in einem Raum war und ist oft hardware- und kostenintensiv. Deshalb griffen viele Museen auf bewährte und einfachere Methode zurück: Der Besucher tippt selbstständig die an einer Vitrine befestigte Zahlenkombination in seine App ein und erhält die Informationen zum jeweiligen Exponat.

Eine Lösung scheint nun gefunden zu sein, denn seit einiger Zeit ist eine neue Technologie auf dem Markt, die die Lokalisation des Besuchers im Raum sehr viel einfacher macht: Es handelt sich um sogenannte Bluetooth-Beacons oder iBeacons (von Beacon [engl.] = Leuchtfeuer). Diese Beacons sind kleine Sender, die unauffällig an verschiedenen Positionen im Raum angebracht werden können. Sie senden in regelmäßigen Zeitabständen Signale aus. Kommt der Museumsbesucher mit seinem Smartphone in die Nähe des Senders, fängt dieses die Signale des Beacons auf. Vier kleine Beacons reichen, um die Position des Besuchers im Raum zu bestimmen. Kommt der Besucher nun in die unmittelbare Nähe eines in der App gelisteten Exponats, erhält er automatisch weiterführende Informationen auf sein Handy bzw. kann gezielt durch die Ausstellung geführt werden.

Die Datenübertragung geschieht via Bluetooth und ist somit mit jedem Smartphone kompatibel. Die Energiemenge, die für die Senderleistung benötigt wird ist extrem gering. Eingebaute Batterien halten also sehr lange.

Auch für Freilichtmuseen oder Häuser mit Außenanlagen ist die Technologie von Interesse. Selbstverständlich funktionieren die Beacons auch aushäusig und es gibt bereits die ersten mit Solarmodulen ausgestatteten Sender.

Und sonst?

Momentan findet im Schloss Strünkede in Herne die Ausstellung „Ausgepackt – die Glas- und Keramiksammlung des Emschertal-Museums“ statt. Sie zeigt die beeindruckende Geschichte der beiden Werkstoffe, die so viel mehr waren und sind als nur zwei Materialien zur Herstellung von Gebrauchsgegenständen. Kuratiert wurde die Ausstellung von der Geschichtsmanufaktur. Zu sehen ist sie noch bis zum 17.1.2016.

Newsletter 2015 – 1


Newsletter 1/2015

Vorbereitung auf die Realität? – Der Master-Studiengang „Public History“
Die Zeiten, in denen man als Historiker, Archäologe, Anthropologe oder, ganz allgemein gesprochen, Person mit kulturwissenschaftlichem Studienabschluss seine berufliche Zukunft als Angestellter in einem Museum, einer Gedenkstätte oder auf einer Ausgrabung vor sich sah, sind vorbei – und das erst nicht seit gestern. Der Arbeitsmarkt, auf den Studierende dieser Fächer heute strömen, ist breiter und komplexer geworden. Neben dem klassischen Berufsfeld „Lehrer“ besteht die Möglichkeit in vielen Bereichen der freien Wirtschaft einzusteigen oder den Weg in die Selbständigkeit zu nehmen.

Die Schwierigkeiten, die den Studierenden auf dem Arbeitsmarkt begegnen, waren bis vor wenigen Jahre an den Lehrstühlen der Universitäten nicht eben präsent. Die Frage: „Wie geht es weiter für die Leute, die wir ausbilden?“ stellten sich, bis auf wenige Ausnahmen, weder Professoren noch Mitarbeiter. Das ändert sich momentan! Viele Universitäten führen den Master-Studiengang „Public History“ ein, der sehr praxisnah auf den Arbeitsalltag vorbereiten soll. Die Freie Universität Berlin wirbt damit, die Studenten so besser auf ein Arbeitsleben in Museen, Gedenkstätten, Verlagen, Medien, Stiftungen und Unternehmen vorzubereiten. Das klingt gut und ist ein schöner Ansatz. Nur darf ernsthaft bezweifelt werden, dass die bis dato gestrichenen Stellen in zahlreichen der genannten Branchenfür die Absolventen plötzlich wieder vorhanden sind.

Eine Möglichkeit, diefür viele Kulturwissenschaftler immer wichtiger wird, die fachnah arbeiten möchten, lässt auch der Master „Public History“ hartnäckig außer Acht: Es ist der Schritt in die Selbständigkeit.

DieserWeg ist in vielen Köpfen als ernsthafte Möglichkeit, sich als Kulturwissenschaftler etwas aufzubauen, gar nicht vorhanden. Und das ist schade, ist doch gerade dieser Bereich einer der wenigen im kulturellen Sektor, der kontinuierlich wächst. Gerade weil dietraditionellenArbeitgeber im kulturellen Bereich immer mehr Stellen abbauen, die zu bewältigende Arbeit aber die Gleiche bleibt, hätten zukünftige Absolventen hier die Chance, sich dauerhaft eine Existenz aufzubauen.

Doch um diese Chance als solche wahrzunehmen ist vermutlich ein Mentalitätswechsel nötig. Sowohl bei Studierenden, als auch an den Universitäten und in den Institutionen, die die potenziell Selbstständigen später beauftragen: Für die Studierenden und Wissenschaftler heißt das, Selbständigkeit nicht als unseriös abzutun oder nur als Übergangslösung bis zur festen Anstellung. Für den Kultursektor und alle, die die Dienstleistungen von freiberuflichen Historikern, Archäologen, Kunsthistorikern und anderen Kulturwissenschaftlern in Anspruch nehmen, bedeutet dies aber auch, sie fair zu bezahlen. Immer wieder sorgen Honorare, die angesetzt werden müssen um von ihnen den Lebensunterhalt mit allen Nebenkosten bestreiten zu können, für großes Erstaunen, weil die Stundenlöhne eines Angestellten als Vergleich herangezogen werden. Dabei muss die Honorierung selbständiger Arbeit im Kultursektor sich vielmehr an der von Handwerkern, Juristen oder freiberuflichen Ingenieuren orientieren.

Wenn dies der Fall wäre, dann träte eine Win-Win-Situation für beide Seiten ein: Institutionen wie Museen müssen keine langfristigen Stellen schaffen, die sie sich nicht leisten können (auch wenn vielen Museen und anderen kulturellen Einrichtungen mehr fest Angestellte durchaus gut tun würden, aber das ist eine andere Diskussion). Und für die zahlreichen Universitätsabsolventen böte sich ein attraktives Betätigungsfeld mit zahlreichen Perspektiven.

Und sonst?
Unser Newsletter im Januar ist ausgefallen und das nicht ohne Grund. Denn wir sind umgezogen! Seit Anfang des Jahres befindet sich das Büro der Geschichtsmanufaktur im ehemaligen Dortmunder Straßenbahndepot (www.depotdortmund.de) an der Immermannstraße 29 in 44147 Dortmund. Telefon: 0231/17754356.

Neues aus der Forschung“
36.000 Jahre alte Kunst aus Beton und Kunstharz kann man ab dem 25. April in Frankreich besichtigen. Für 55 Mio. Euro hat man in Südfrankreich die Chauvet-Grotten nachgebaut, die zahlreiche altsteinzeitliche Höhlenmalereien beherbergen. Aus konservatorischen Gründen konnten diese der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemachtwerden. So fand man eine elegante Lösung, die Kunst der Steinzeit in der Gegenwart sichtbar zu machen.

Newsletter 2014-4

Newsletter 4/2014

Spaten raus und graben! – Hobbygräber als Schrecken der Archäologie?

Dieser Tage ist es überall in der Presse zu lesen: Ein Hobbyforscher aus Schottland hat einen riesigen Wikingerhort entdeckt. Wunderschöne, kostbare Stücke aus dem 9. und 10. Jahrhundert entdeckte er, als er mit einem Metalldetektor unterwegs war. Es war nicht der erste Fund des Schotten, bereits im vergangenen Jahr hatte er eine große Anzahl mittelalterlicher Münzen aufgespürt – ebenfalls mit dem Metalldetektor. Beim aktuellen Fund war der Rentner nicht auf gut Glück unterwegs gewesen. Experten hatten die Fundstelle bereits vorher als für die Archäologie interessanten Ort ausgemacht. Bei diesem Fund scheint sofort das National Museum of Scotland eingeschaltet worden zu sein, zumindest konnte der Hort von diesem Museum begutachtet werden.

Leider ist dies nicht immer der Fall. Viel zu oft machen sich Schatzsucher mit Metalldetektoren auf die Suche nach archäologischen Artefakten. Ohne Sicherung des Fundortes werden die Gegenstände aus der Erde geholt, der Fundzusammenhang wird vollkommen zerstört, die Geschichte des Stücks ist unwiederbringlich verloren. Die Motivation dieser Raubgräber ist ganz unterschiedlich: Bei einen ist es die reine Unwissenheit, die sie Fundstellen zerstören lässt, bei anderen sind es kriminelle Machenschaften oder die Faszination an Militaria vor allem aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Ergebnis ist jedoch das Gleiche: Potenzielles Wissen über die Vergangenheit wird zerstört.

Aber ist das wirklich immer so? Bei jedem Hobbyarchäologen? Ganz sicher nicht. Tatsache ist, dass es in der Archäologie ohne Hobbyforscher, die mit viel Idealismus und durchaus nach wissenschaftlichen Standards graben, so manchen Fund nicht gegeben hätte. Viele Männer und Frauen opfern ihre Freizeit, um nach möglichen Fundstellen Ausschau zu halten. Sie graben nicht unkoordiniert drauf los, sondern arbeiten Hand in Hand mit den Archäologen, Historikern und Restauratoren vor Ort – und wissen meist mehr über die Funde und Fundstätten ihrer Heimat als so mancher Profi. Viele Bodendenkmalämter arbeiten offiziell mit Ehrenamtlichen zusammen und können so trotz nahezu leerer Kassen mehr als nur Notgrabungen leisten. Werden alle wissenschaftlichen und rechtlichen Richtlinien befolgt, stellen Hobbyforscher für alle Fachbereiche der Geschichtswissenschaften eine unschätzbare Bereicherung dar!

Und sonst?

Auf den Spuren der Geschichte kann man natürlich nicht nur unter der Erdoberfläche wandern, sondern auch darauf, zu Fuß. Was man dort mancherorts sehen kann, wenn man den Blick nach unten richtet, sind kleine goldene Quadrate – eingelassen in das Gehwegpflaster. Diese kleinen Unterbrechungen des grau-in-grau des Untergrunds sind „Stolpersteine“. Sie werden vor Wohnhäusern verlegt, deren Bewohner Opfer des NS-Regimes geworden sind. Namen auf den Steinen machen es möglich, die Ermordeten genau zu benennen. In Dortmund gibt es inzwischen weit über 200 dieser Stolpersteine. Die Geschichtsmanufaktur fügt nun die GPS-Daten von 100 dieser Steine und die jeweils zugehörigen Kurzbiographien der Opfer in die App der „Mahn- und Gedenkstätte Steinwache Dortmund“ ein. Abgeschlossen sein wird dieses Projekt Anfang 2015.

Neues aus der Forschung“ weicht heute einem Glückwunsch

Der Glückwunsch geht an Thor Heyerdahl zu seinem 100. Geburtstag! Am 6. Oktober erinnerte der WDR mit einem „Zeitzeichen“ an den engagierten und wagemutigen Forscher. Zu hören und zum Download bereit ist er momentan noch auf der Webseite des WDR „Zeitzeichen“. http://www1.wdr.de/radio/podcasts/wdr3/zeitzeichen244_pcp-2.html

Dies ist der letzte Newsletter im Jahr 2014. Wir wünschen allen unseren Lesern eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch in 2015.

Newsletter 2014-3

Die neuen Absolventen: Jünger, schneller – besser?

Bereits seit Anfang des Jahrtausends bemüht man sich in Deutschland mit den neu eingeführten Bachelor- und Masterstudiengänge das Universitätsstudium zu verkürzen. Wo es früher möglich war, neben seinen eigentlichen Studienfächern auch mal den Blick nach links und rechts zu wagen, sich in ganz anderen Fachbereichen umzutun, wurde nun das Prinzip eingeführt, ein Studium möglichst ohne Halt in wenigen Semestern zu absolvieren. Im Idealfall, so die Vorstellung, sollten die Studenten die Universität bereits nach dem Bachelor verlassen. Im NRW verschärfte sich im vergangenen Jahr die Situation noch durch die Einführung des G8-Abiturs: Die nun an die Unis strömenden Studenten sind zwischen 17 und 18 Jahren alt und beenden ihr Studium, wenn sie nach dem Bachelor die Uni verlassen, mit etwa 22 Jahren. Was hat man nun von diesen doch sehr jungen Leuten zu erwarten?

Im Bereich der Geisteswissenschaften könnte der Schluss naheliegen, dass es doch eigentlich nicht ausschlaggebend sei, ob nun jemand mit Anfang oder Ende 20 in das Arbeitsleben einsteigt. Schaut man jedoch auf die Betätigungsfelder, in denen sich die jungen Leute eine Arbeitsstelle suchen, tun sich ganz neue Probleme und Fragestellungen auf, denn neben den immer jünger werdenden Absolventen wird auch das Studium an sich grundlegend verändert: Museen und andere Kulturbetriebe stehen auf einmal vor der Frage, wie genau sie nun einen Absolventen beschäftigen sollen, der während seines Studiums kaum Zeit hatte, sein Handwerk richtig zu erlernen. Dieser an die Museumstüren klopfende Absolvent ist heute noch meist Historiker, Kunsthistoriker oder Archäologe. In wenigen Jahren wird er durch den nicht so recht greifbaren „Kulturwissenschaftler“ abgelöst werden. Neben Kultureinrichtungen sind Geisteswissenschaftler in vielen Bereichen der freien Wirtschaft wegen ihrer „soft skills“ sehr beliebt. Komplexe Zusammenhänge können erkannt und auf den Punkt gebracht werden, das „Um-die-Ecke-Denken“ ist eine der großen Stärken der Geisteswissenschaftler. Doch mit Anfang 20 sind diese Fähigkeiten bei den meisten noch nicht wirklich ausgeprägt, an der Uni können sie schließlich auch aus Zeitmangel kaum noch vermittelt werden.

Was soll mit den zahlreichen jungen Absolventen also geschehen, die die Universitäten in immer mehr Fällen nach dem Bachelor, also quasi nach dem ehemaligen Grundstudium verlassen? Das wird eine der Fragen sein, mit denen sich Kultur, Wirtschaft und Politik in den kommenden Jahren verstärkt auseinandersetzen müssen. Denn sonst stehen immer mehr junge Leute ohne Job und immer mehr Kulturbetriebe und Unternehmen ohne qualifizierte Arbeitnehmer da. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die neuen generalisierenden Studiengänge wie Kulturwissenschaften oder Medienwissenschaften tatsächlich ein Fortschritt sind, oder ob eine Spezialisierung auf ein Fach nicht sinnvoller ist.

Und sonst?

Die Kulturbüros in den Städten Schmallenberg (Hochsauerlandkreis) und Bad Berleburg (Kreis Siegen-Wittgenstein) haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt: für zahlreiche Heimatmuseen vor Ort möchte man neue Museumsführer ausbilden. Wie viele Heimatvereine leiden auch die Vereine im Sauerland an starker Überalterung und es ist abzusehen, dass in den kommenden Jahrzehnten der Führungsbetrieb mit den bestehenden Mitgliedern nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Im Idealfall sollen jüngere Menschen unter 60 nachrücken, die die Führungsaufgaben übernehmen. Diese neuen Museumsführer werden von der Geschichtsmanufaktur ausgebildet. Die Ausbildung setzt auf einen umfassenden theoretischen Teil, der die Teilnehmer in Führungsaufbau und -konzeption schult, sowie auf einen großen praktischen Anteil. Hier erfahren die angehenden Museumsführer, was eine Führung eigentlich für alle Beteiligten spannend und lehrreich macht. Start der Ausbildung ist vermutlich im Frühjahr 2015. In einem ersten Schritt wurde zunächst für alle teilnehmenden Museen ausgelotet, welche museumspädagogischen Formate sich für die jeweiligen Häuser anbieten.

Neues aus der Forschung

Da man bekanntlich im Sommer auf genügend Flüssigkeitszufuhr achten soll, dreht sich der heutige Beitrag zur Forschung im das Thema Trinken. Es geht jedoch wie so oft in der Geschichte nicht um Wasser, sondern um Alkohol. Bereits Anfang des Jahres fanden US-Forscher heraus, was man in Kreisen der Nordmänner gern zu sich nahm. Es handelte sich nicht etwa um schnödes Bier, sondern um einen Cocktail aus Beeren, Honig, Kräutern und Getreide. Wenn erhältlich, mischte man ihn auch gern mit Weinen aus dem Mittelmeerraum – und das bereits um 1100 v.Chr. Getrunken wurde dieses Gebräu nicht nur aus Genuss, sondern auch aus medizinischen Gründen. Gern nahm man es aus großen und schön gestalteten Gefäßen zu sich. Wer möchte nicht prachtvolles Glas besitzen, denkt man sich bis heute und so dachte man auch in der Renaissance. Aus dieser Zeit stammen die so genannten „Passgläser“, von denen eines u.a. bei Ausgrabungen im ostwestfälischen Spenge gefunden wurde. Diese Passgläser nutze man zu Trinkspielen: In das Glas mit einem Fassungsvermögen von 0,8 Litern waren vier Ringe eingelassen. Bis zu einem der Ringe musste man es leeren. Geschah dies nicht auf den Millimeter genau, musste man das Glas in einem Zuge leeren. Das Ende eine solchen Spielchens kann man sich unschwer vorstellen.

Quellen:
http://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Raue_Gesellen_mit_feiner_Zunge__Was_war_drin_im_Grog_der_Wikinger_1771015589468.html http://www.ruhrnachrichten.de/leben-und-erleben/kultur-muensterland/Archaeologen-tagen-in-Muenster-Schon-unsere-Ahnen-tranken-viel-und-wuest;art2551,2315089

Newsletter 2014-2

Newsletter 2-2014

Das Ehrenamt in der Kultur – eine Beleuchtung von mehr als einer Seite
Momentan tourt die Wanderausstellung “Unser Denkmal. Wir machen mit” zum Thema ehrenamtliches Engagement in der Denkmalpflege durch Nordrhein-Westfalen. Organisiert wurde die Ausstellung von vielen unterschiedlichen Partnern wie dem LVR und dem LWL, um nur zwei zu nennen.
Die Ausstellung spricht ein Thema an, das immer wichtiger für den Kultursektor wird. Ohne das Engagement von zahlreichen Freiwilligen könnten viele kultureller Projekte nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern in ganz Deutschland nicht realisiert werden.
Meistens bringen die ehrenamtlichen Helfer hohen Sachverstand ein und sie liefern Ergebnisse von erstaunlicher Qualität. Mit geübtem Blick entdeckte schon so manch ein Freiwilliger beim Gang über ein Feld archäologische Funde oder entzifferte alte Schriften. Und ohne die vielen jungen Leute im Bundesfreiwilligendienst würde so manches Museum in die Knie gehen. Sie alle haben sich ein Wissen angeeignet, das dem der wissenschaftlich ausgebildeten Archäologen, Historiker, Kunsthistoriker und Geologen häufig in nichts nachsteht.
Doch trotz allem lohnt ein kritischer Blick auf das Ehrenamt. Beispielsweise verzichten vielen Museen auf geschultes Personal und lassen Führungen von Freiwilligen, meist von mit didaktischem Wissen unbelasteten Rentnern durchführen. Fachlich sicher oft hervorragend, kann es so jedoch dazu kommen, dass etwa eine Schülergruppen unfreiwillig als Publikum für einen ausufernden Vortrag über das Lieblingsobjekt eines älteren Herren eingespannt wird. An solch einem Punkt stellt sich dann die Frage, ob man einen Ehrenamtler in seinem Tun auch lenken kann – immerhin stellt er sein Wissen ja kostenlos der Allgemeinheit zur Verfügung. Ist er dann trotzdem Weisungsgebunden?
Und besteht nicht auch die Gefahr, dass in ihrer Freizeit arbeitende Ehrenamtler, die auf eine Bezahlung nicht angewiesen sind, Stellen blockieren, die andere nach einer langwierigen und teuren Ausbildung zum Broterwerb benötigen?
Gerade dort, wo junge, engagierte Menschen oft nur schwer eine Beschäftigung finden, lohnt auch ein kritischer Blick auf das Ehrenamt – ohne das Können, Wissen und Engagement zu schmälern, das Freiwillige der Wissenschaft und Gesellschaft zur Verfügung stellen.

Und sonst?
Die Geschichtsmanufaktur hat in den letzten Monaten gemeinsam mit zehn23 – studio für gestaltung ein vom LeoBaeckProgramm der Stiftung “Erinnerung.Verantwortung.Zukunft” finanziertes Projekt initiiert, bei dem Schüler der Ricarda-Huch-Realschule in Dortmund die Biographien einiger jüdischer Dortmunder erforschten, die heute auf dem Dortmunder Ostfriedhof bestattet sind. An ihren Gräbern werden im Mai QR-Codes angebracht, durch die die Besucher vor Ort die Ergebnisse des Schülerprojektes abrufen können.
Die Schülerarbeiten sind aber auch vom PC abrufbar unter www.guidyon.de

Neues aus der Forschung
Worüber lachten die alten Ägypter? Dieser Frage ist der Ägyptologe Prof. Dr. Ludwig Morenz in seiner Studie „Kleine Archäologie des ägyptischen Humors. Ein kulturgeschichtlicher Testschnitt“ nachgegangen. Dazu untersuchte er Inschriften und Bilder auf Reliefs, Papyri oder Tonscherben – und stellte dabei fest: Humor hatte im Ägypten der Pharaonen genauso seinen Platz wie noch heute bei uns.
In den Witze, die man sich im Schatten der Pyramiden erzählte, verdrehte man gerne die bekannte Realität und übersteigerte das, was man als normal wahrnahm. So finden sich etwa Tierhieroglyphen, in denen ein Nilpferd in einem Baum sitzend Feigen sammelt, während ein Spatz mühselig eine Leiter besteigt. Man machte sich aber auch ironisch über seine Mitmenschen lustig, wenn man etwa bei gewissen Berufsgruppen übertrieben die schlechten Eigenschaften herausstellte, um den eigenen Berufsstand in den allerhöchsten Tönen zu loben. Auch ihre Feinde verspotten die Ägypter gerne, eine Tonscherbe zeigt etwa einen Nubier, der vor einer Katze und einer Maus kniet und um Gnade fleht.
Überliefert ist zumeist nur der Humor der Oberschicht. Das liegt einfach daran, dass die einfachen Menschen nicht schreiben konnten und so kaum die Möglichkeit fanden, eigene Witze oder komische Szenen festzuhalten. Humor hatte dabei den gleichen Zweck wie noch heute, er schuf Gruppenzugehörigkeit und hielt die Gesellschaft zusammen. Das sich die kleinen Leute über „die da oben“ lustig machten, darf daher angenommen werden. Und manche der alten Witze wirken auch heute noch spontan. So zeigt ein Relief in einem Grab in Saqqara einen an eine Tür gelehnten Wächter – schlafend.
(Quelle: http://www3.uni-bonn.de/Pressemitteilungen/060-2014 und http://www.wdr2.de/kultur/aegyptenhumor100.html )

(Autor:Katharina Hülscher)