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Wie ein Elefant im…in der Geschichte

Am 8. Mai vor 791 Jahren wurde in Aachen Heinrich mit dem schönen Beinamen “der Klammersiebte”, ein Sohn Kaiser Friedrichs II., vom Kölner Erzbischof Engelbert I. zum König gekrönt. Mit diesen hohen Würdenträgern wies die royale Veranstaltung drei Gäste auf, die im Laufe ihres Lebens mehr als einmal in Fettnäpfchen treten und mit dem Unmut ihrer Mitmenschen und Mitregenten zu kämpfen haben sollten.

Man muss ihnen jedoch zugestehen, dass das im Mittelalter nicht ganz schwierig war. Strenge Protokolle an Bischofs-, Königs- und Kaiserhöfen sowie das heute oft leicht exzentrisch anmutenden Standesbewusstsein des Adels führten immer wieder zu kurios anmutenden Situationen, wenn zwei Herrscher mit mächtigem Selbstbewusstsein aufeinander trafen.

Zwei sehr hohe Herren mit ebenso hohem Selbstdarstellungsdrang trafen z.B. während des II.Kreuzzuges im 12.Jahrhundert aufeinander: der deutsche König Konrad III. und der byzantinische Kaiser Manuel I. Komnenos. In Konstantinopel, dem vereinbarten Treffpunkt und Heimat Manuels, war es nun üblich, vor dem Kaiser auf die Knie zu fallen und ebenjene des Kaisers zu küssen. Konrad wollte nicht – aus verständlichen Gründen, hätte doch diese Geste eindeutig eine Unterwerfung dargestellt. Auch die Alternative, den sitzenden Manuel zu küssen, lehnte Konrad ab. Man fand einen Ausweg: Beide Männer setzte man auf ein Pferd, ließ sie auf einander zu reiten und ermöglichten ihnen so einen Kuss auf Augenhöhe.

Unglücklicher gestaltete der Normannenherrscher Rollo etwa drei Jahrhunderte vorher den Ausdruck hochherrschaftlichen Selbstbewusstseins: Nachdem er König Karl III., dem Einfältigen, die Lehenshuldigung erbracht hatte, verweigerte er dem König den üblichen Fußkuss. Diesen sollte sein Gefolgsmann durchführen. Jener Gefolgsmann jedoch sah keine Veranlassung, sich bis zum Fuße des stehenden Königs zu bücken, er nahm statt dessen das Bein des Königs und riss es stürmisch hinauf zu seinem Munde – nicht ohne den König zu Fall zu bringen und den umstehenden Herrschaften eine lustige Szene zu bieten.

Bei den oben genannten drei Herren Heinrich, Friedrich und Engelbert ging es nicht so lustig, jedoch genauso stürmisch zu: Heinrich hatte nie die Chance, selbstständig als König zu regieren. Bei der Krönung noch minderjährig stand er unter der Obhut der Reichfürsten, die stellvertretend für seinen abwesenden Vater das Reich regierten. Dies hatte der junge Heinrich jedoch irgendwann satt, fand Unterstützung bei den Städten und beim niederen Adel und opponierte offiziel gegen seinen Papa. Es sollte ihn teuer zu stehen bekommen: Friedrich schlug seine Unabhängigkeitsbemühungen nieder und demütigte ihn in aller Öffentlichkeit vor den Hohen des Reiches.  Und es endete noch übler für Heinrich: Friedrich ließ ihn einkerkern – bis zu Heinrichs frühem Tod sieben Jahre später.

Friedrich selbst war jedoch nicht weniger rebellisch – nicht gegenüber seinem Vater, gegenüber dem Papst machte er sich unbeliebt. Die spontane Krönung zum König von Jerusalem, seine Faszination für Wissenschaft und fremde Glaubensrichtungen, hinausgezögerte Kreuzzüge und Gebietsstreitigkeiten führten zu mehrfachten Exkommunikationen des Kaisers. Ja, er wurde gar vom Papst abgesetzt und mit dem Antichristen verglichen. Glück für Friedrich: vor seinem Tod versöhnte er sich mit dem Papst – im Mittelalter immerhin ein guter Startpunkt für den Einzug ins Himmelreich.

Die einzig geistliche Person in unserem Dreigestirn ist der Kölner Erzbischof Engelbert von Berg. Ein so willenstarker und selbstbewusster Herrscher, dass er es binnen weniger Jahre schaffte, sich mit sämtlichen umliegenden Fürstentümern und deren Herrschern zu überwerfen. Man stritt so unerbittlich um Gebiete, Rechtszuständigkeiten und Vorrangstellungen, dass die Adeligen aus den Gebieten des heutigen Nordrhein-Westfalens und der Niederlande sich zusammenschlossen, um Engelbert zu entführen. Eine politische Entführung, um seinen Willen dem ihren anzupassen. Die Entführung lief vollkommen aus dem Ruder: Engelbert wehrte sich erbittert gegen seine Angreifer und wurde im Eifer des Gefechts mit über 70 Schwerthieben niedergestreckt.

In guter Gesellschaft – Benedikt XVI. ist nicht der erste Papst, der zurücktritt.

Viele werden es gerade gehört und mit Verwunderung aufgenommen haben: Papst Benedikt XVI. hat verkündet, dass er sein Amt zum 28. Februar 2013 niederlegen werde. Ein ungewöhnlicher Schritt, den viele nicht erwartet hätten, mit dem Benedikt jedoch nicht allein in der Geschichte des Papsttums steht.

Gerade in den ersten Jahrhunderten des Papsttums kam es zu mehr oder weniger freiwilligen Rücktritten:

Im Jahre 235 wurde Papst Pontianus von Kaiser Maximinus nach Sardinien verbannt, wo er seinen Ruhestand jedoch nicht genießen konnte, sondern in Erzbergwerken zu schuften hatte. 537 trat dann Papst Silverius zurück, der immerhin zweimal verbannt worden war: einmal nach Partara (heutige Türkei) und das zweite Mal nach Ponza.

Knapp 500 Jahre später war das Papsttum schon wesentlich gefestigter, Rücktritte kamen jedoch noch immer vor: 1009 trat Johannes XVIII. zurück – zumindest nimmt man dies an, denn genaue Informationen zu seinem Rücktritt sind nicht überliefert. Er starb jedoch zurückgezogen als Mönch im Kloster St.Paolo fuori le mura.

Auf dem Konstanzer Konzil (1414-1418) kam es geradezu zu einer Rücktrittswelle: Es war die Zeit des Abendländischen Schismas, als erst zwei, später drei Personen Anspruch auf den Papstthron erhoben. Papst Johannes XXIII., Gregor IX. und Benedikt XIII. gingen während des Konzils ihres Amtes verlustig: Gregor und Benedikt traten zurück, Johannes floh um der Amtsenthebung zu entgehen. Genützt hat es ihm nichts, das Konzil wählte Martin V. zum Papst.

Doch es gab auch mindestens eine freiwillige Amtsaufgabe: 1294 verzichtet Papst Coelestin V. auf sein Amt, das er nur kurze Zeit inne hatte. Eigentlich als Einsiedler lebend, war Coelestin, der den bürgerlichen Namen Peter de Murrone trug, auf Betreiben des Königs Karl II. von Neapel als 80-jähriger zum Papst gewählt worden – nachdem man sich zwei Jahre nicht auf einen Kandidaten hatte einigen können. Der entsetzte Coelestin wurde gezwungen, das Amt anzunehmen, geriet schnell unter den Einfluss Karls von Neapel und musste seinen Amtssitz nach Neapel verlegen. Coelestin erkannte, dass er weder seinen päpstlichen Aufgaben noch den Ränkespielen an der päpstlichen Kurie gewachsen war und trat schließlich von seinem Amt zurück. Ein juristisch nicht eindeutig geregelter Akt, denn bekanntlich reicht man seine Kündigung stets beim Vorgesetzten ein… Die nächste Instanz über dem Papst jedoch reagiert selten eindeutig auf Kündigungsschreiben.

Coelestin war sich dieses Dilemmas durchaus bewusst und floh nach seiner Amtsaufgabe nach Apulien. Auch sein Nachfolger Bonifazius VIII. – der als Kardinal Coelestin in seinen Gedanken der Amtsaufgabe immer bestärkt hatte – sah das Problem und befürchtete einen erneuten Griff des ehemaligen Papstes nach der Tiara. Um dies zu vermeiden ließ er Colestin gefangen nehmen und bis zu seinem Lebensende in einer Festung bei Rom einkerkern.Coelestin verstarb wenig später in der Festung. Bis heute verstummen die Gerüchte bezüglich einer Ermordung durch Bonifazius VIII. nicht. Im  14. Jahrhundert wurde Coelestin schließlich heilig gesprochen.

Heute ist der päpstliche Rücktritt rechtlich geregelt: Kanon 332 des Codex Iuris Canonici sieht vor, dass der Papst zu jeder Zeit, ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen zurücktreten kann. Ein noch recht neues Gesetz, dass erst 1983 bei der Neufassung des Kirchenrechts unter Johannes Paul II. in den Codex aufgenommen wurde…damals tatsächlich im Gedenken an Coelestin V.