In guter Gesellschaft – Benedikt XVI. ist nicht der erste Papst, der zurücktritt.

Viele werden es gerade gehört und mit Verwunderung aufgenommen haben: Papst Benedikt XVI. hat verkündet, dass er sein Amt zum 28. Februar 2013 niederlegen werde. Ein ungewöhnlicher Schritt, den viele nicht erwartet hätten, mit dem Benedikt jedoch nicht allein in der Geschichte des Papsttums steht.

Gerade in den ersten Jahrhunderten des Papsttums kam es zu mehr oder weniger freiwilligen Rücktritten:

Im Jahre 235 wurde Papst Pontianus von Kaiser Maximinus nach Sardinien verbannt, wo er seinen Ruhestand jedoch nicht genießen konnte, sondern in Erzbergwerken zu schuften hatte. 537 trat dann Papst Silverius zurück, der immerhin zweimal verbannt worden war: einmal nach Partara (heutige Türkei) und das zweite Mal nach Ponza.

Knapp 500 Jahre später war das Papsttum schon wesentlich gefestigter, Rücktritte kamen jedoch noch immer vor: 1009 trat Johannes XVIII. zurück – zumindest nimmt man dies an, denn genaue Informationen zu seinem Rücktritt sind nicht überliefert. Er starb jedoch zurückgezogen als Mönch im Kloster St.Paolo fuori le mura.

Auf dem Konstanzer Konzil (1414-1418) kam es geradezu zu einer Rücktrittswelle: Es war die Zeit des Abendländischen Schismas, als erst zwei, später drei Personen Anspruch auf den Papstthron erhoben. Papst Johannes XXIII., Gregor IX. und Benedikt XIII. gingen während des Konzils ihres Amtes verlustig: Gregor und Benedikt traten zurück, Johannes floh um der Amtsenthebung zu entgehen. Genützt hat es ihm nichts, das Konzil wählte Martin V. zum Papst.

Doch es gab auch mindestens eine freiwillige Amtsaufgabe: 1294 verzichtet Papst Coelestin V. auf sein Amt, das er nur kurze Zeit inne hatte. Eigentlich als Einsiedler lebend, war Coelestin, der den bürgerlichen Namen Peter de Murrone trug, auf Betreiben des Königs Karl II. von Neapel als 80-jähriger zum Papst gewählt worden – nachdem man sich zwei Jahre nicht auf einen Kandidaten hatte einigen können. Der entsetzte Coelestin wurde gezwungen, das Amt anzunehmen, geriet schnell unter den Einfluss Karls von Neapel und musste seinen Amtssitz nach Neapel verlegen. Coelestin erkannte, dass er weder seinen päpstlichen Aufgaben noch den Ränkespielen an der päpstlichen Kurie gewachsen war und trat schließlich von seinem Amt zurück. Ein juristisch nicht eindeutig geregelter Akt, denn bekanntlich reicht man seine Kündigung stets beim Vorgesetzten ein… Die nächste Instanz über dem Papst jedoch reagiert selten eindeutig auf Kündigungsschreiben.

Coelestin war sich dieses Dilemmas durchaus bewusst und floh nach seiner Amtsaufgabe nach Apulien. Auch sein Nachfolger Bonifazius VIII. – der als Kardinal Coelestin in seinen Gedanken der Amtsaufgabe immer bestärkt hatte – sah das Problem und befürchtete einen erneuten Griff des ehemaligen Papstes nach der Tiara. Um dies zu vermeiden ließ er Colestin gefangen nehmen und bis zu seinem Lebensende in einer Festung bei Rom einkerkern.Coelestin verstarb wenig später in der Festung. Bis heute verstummen die Gerüchte bezüglich einer Ermordung durch Bonifazius VIII. nicht. Im  14. Jahrhundert wurde Coelestin schließlich heilig gesprochen.

Heute ist der päpstliche Rücktritt rechtlich geregelt: Kanon 332 des Codex Iuris Canonici sieht vor, dass der Papst zu jeder Zeit, ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen zurücktreten kann. Ein noch recht neues Gesetz, dass erst 1983 bei der Neufassung des Kirchenrechts unter Johannes Paul II. in den Codex aufgenommen wurde…damals tatsächlich im Gedenken an Coelestin V.