Newsletter 2014-2

Newsletter 2-2014

Das Ehrenamt in der Kultur – eine Beleuchtung von mehr als einer Seite
Momentan tourt die Wanderausstellung „Unser Denkmal. Wir machen mit“ zum Thema ehrenamtliches Engagement in der Denkmalpflege durch Nordrhein-Westfalen. Organisiert wurde die Ausstellung von vielen unterschiedlichen Partnern wie dem LVR und dem LWL, um nur zwei zu nennen.
Die Ausstellung spricht ein Thema an, das immer wichtiger für den Kultursektor wird. Ohne das Engagement von zahlreichen Freiwilligen könnten viele kultureller Projekte nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern in ganz Deutschland nicht realisiert werden.
Meistens bringen die ehrenamtlichen Helfer hohen Sachverstand ein und sie liefern Ergebnisse von erstaunlicher Qualität. Mit geübtem Blick entdeckte schon so manch ein Freiwilliger beim Gang über ein Feld archäologische Funde oder entzifferte alte Schriften. Und ohne die vielen jungen Leute im Bundesfreiwilligendienst würde so manches Museum in die Knie gehen. Sie alle haben sich ein Wissen angeeignet, das dem der wissenschaftlich ausgebildeten Archäologen, Historiker, Kunsthistoriker und Geologen häufig in nichts nachsteht.
Doch trotz allem lohnt ein kritischer Blick auf das Ehrenamt. Beispielsweise verzichten vielen Museen auf geschultes Personal und lassen Führungen von Freiwilligen, meist von mit didaktischem Wissen unbelasteten Rentnern durchführen. Fachlich sicher oft hervorragend, kann es so jedoch dazu kommen, dass etwa eine Schülergruppen unfreiwillig als Publikum für einen ausufernden Vortrag über das Lieblingsobjekt eines älteren Herren eingespannt wird. An solch einem Punkt stellt sich dann die Frage, ob man einen Ehrenamtler in seinem Tun auch lenken kann – immerhin stellt er sein Wissen ja kostenlos der Allgemeinheit zur Verfügung. Ist er dann trotzdem Weisungsgebunden?
Und besteht nicht auch die Gefahr, dass in ihrer Freizeit arbeitende Ehrenamtler, die auf eine Bezahlung nicht angewiesen sind, Stellen blockieren, die andere nach einer langwierigen und teuren Ausbildung zum Broterwerb benötigen?
Gerade dort, wo junge, engagierte Menschen oft nur schwer eine Beschäftigung finden, lohnt auch ein kritischer Blick auf das Ehrenamt – ohne das Können, Wissen und Engagement zu schmälern, das Freiwillige der Wissenschaft und Gesellschaft zur Verfügung stellen.

Und sonst?
Die Geschichtsmanufaktur hat in den letzten Monaten gemeinsam mit zehn23 – studio für gestaltung ein vom LeoBaeckProgramm der Stiftung „Erinnerung.Verantwortung.Zukunft“ finanziertes Projekt initiiert, bei dem Schüler der Ricarda-Huch-Realschule in Dortmund die Biographien einiger jüdischer Dortmunder erforschten, die heute auf dem Dortmunder Ostfriedhof bestattet sind. An ihren Gräbern werden im Mai QR-Codes angebracht, durch die die Besucher vor Ort die Ergebnisse des Schülerprojektes abrufen können.
Die Schülerarbeiten sind aber auch vom PC abrufbar unter www.guidyon.de

Neues aus der Forschung
Worüber lachten die alten Ägypter? Dieser Frage ist der Ägyptologe Prof. Dr. Ludwig Morenz in seiner Studie „Kleine Archäologie des ägyptischen Humors. Ein kulturgeschichtlicher Testschnitt“ nachgegangen. Dazu untersuchte er Inschriften und Bilder auf Reliefs, Papyri oder Tonscherben – und stellte dabei fest: Humor hatte im Ägypten der Pharaonen genauso seinen Platz wie noch heute bei uns.
In den Witze, die man sich im Schatten der Pyramiden erzählte, verdrehte man gerne die bekannte Realität und übersteigerte das, was man als normal wahrnahm. So finden sich etwa Tierhieroglyphen, in denen ein Nilpferd in einem Baum sitzend Feigen sammelt, während ein Spatz mühselig eine Leiter besteigt. Man machte sich aber auch ironisch über seine Mitmenschen lustig, wenn man etwa bei gewissen Berufsgruppen übertrieben die schlechten Eigenschaften herausstellte, um den eigenen Berufsstand in den allerhöchsten Tönen zu loben. Auch ihre Feinde verspotten die Ägypter gerne, eine Tonscherbe zeigt etwa einen Nubier, der vor einer Katze und einer Maus kniet und um Gnade fleht.
Überliefert ist zumeist nur der Humor der Oberschicht. Das liegt einfach daran, dass die einfachen Menschen nicht schreiben konnten und so kaum die Möglichkeit fanden, eigene Witze oder komische Szenen festzuhalten. Humor hatte dabei den gleichen Zweck wie noch heute, er schuf Gruppenzugehörigkeit und hielt die Gesellschaft zusammen. Das sich die kleinen Leute über „die da oben“ lustig machten, darf daher angenommen werden. Und manche der alten Witze wirken auch heute noch spontan. So zeigt ein Relief in einem Grab in Saqqara einen an eine Tür gelehnten Wächter – schlafend.
(Quelle: http://www3.uni-bonn.de/Pressemitteilungen/060-2014 und http://www.wdr2.de/kultur/aegyptenhumor100.html )

(Autor:Katharina Hülscher)