Newsletter 2014-3

Die neuen Absolventen: Jünger, schneller – besser?

Bereits seit Anfang des Jahrtausends bemüht man sich in Deutschland mit den neu eingeführten Bachelor- und Masterstudiengänge das Universitätsstudium zu verkürzen. Wo es früher möglich war, neben seinen eigentlichen Studienfächern auch mal den Blick nach links und rechts zu wagen, sich in ganz anderen Fachbereichen umzutun, wurde nun das Prinzip eingeführt, ein Studium möglichst ohne Halt in wenigen Semestern zu absolvieren. Im Idealfall, so die Vorstellung, sollten die Studenten die Universität bereits nach dem Bachelor verlassen. Im NRW verschärfte sich im vergangenen Jahr die Situation noch durch die Einführung des G8-Abiturs: Die nun an die Unis strömenden Studenten sind zwischen 17 und 18 Jahren alt und beenden ihr Studium, wenn sie nach dem Bachelor die Uni verlassen, mit etwa 22 Jahren. Was hat man nun von diesen doch sehr jungen Leuten zu erwarten?

Im Bereich der Geisteswissenschaften könnte der Schluss naheliegen, dass es doch eigentlich nicht ausschlaggebend sei, ob nun jemand mit Anfang oder Ende 20 in das Arbeitsleben einsteigt. Schaut man jedoch auf die Betätigungsfelder, in denen sich die jungen Leute eine Arbeitsstelle suchen, tun sich ganz neue Probleme und Fragestellungen auf, denn neben den immer jünger werdenden Absolventen wird auch das Studium an sich grundlegend verändert: Museen und andere Kulturbetriebe stehen auf einmal vor der Frage, wie genau sie nun einen Absolventen beschäftigen sollen, der während seines Studiums kaum Zeit hatte, sein Handwerk richtig zu erlernen. Dieser an die Museumstüren klopfende Absolvent ist heute noch meist Historiker, Kunsthistoriker oder Archäologe. In wenigen Jahren wird er durch den nicht so recht greifbaren „Kulturwissenschaftler“ abgelöst werden. Neben Kultureinrichtungen sind Geisteswissenschaftler in vielen Bereichen der freien Wirtschaft wegen ihrer „soft skills“ sehr beliebt. Komplexe Zusammenhänge können erkannt und auf den Punkt gebracht werden, das „Um-die-Ecke-Denken“ ist eine der großen Stärken der Geisteswissenschaftler. Doch mit Anfang 20 sind diese Fähigkeiten bei den meisten noch nicht wirklich ausgeprägt, an der Uni können sie schließlich auch aus Zeitmangel kaum noch vermittelt werden.

Was soll mit den zahlreichen jungen Absolventen also geschehen, die die Universitäten in immer mehr Fällen nach dem Bachelor, also quasi nach dem ehemaligen Grundstudium verlassen? Das wird eine der Fragen sein, mit denen sich Kultur, Wirtschaft und Politik in den kommenden Jahren verstärkt auseinandersetzen müssen. Denn sonst stehen immer mehr junge Leute ohne Job und immer mehr Kulturbetriebe und Unternehmen ohne qualifizierte Arbeitnehmer da. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die neuen generalisierenden Studiengänge wie Kulturwissenschaften oder Medienwissenschaften tatsächlich ein Fortschritt sind, oder ob eine Spezialisierung auf ein Fach nicht sinnvoller ist.

Und sonst?

Die Kulturbüros in den Städten Schmallenberg (Hochsauerlandkreis) und Bad Berleburg (Kreis Siegen-Wittgenstein) haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt: für zahlreiche Heimatmuseen vor Ort möchte man neue Museumsführer ausbilden. Wie viele Heimatvereine leiden auch die Vereine im Sauerland an starker Überalterung und es ist abzusehen, dass in den kommenden Jahrzehnten der Führungsbetrieb mit den bestehenden Mitgliedern nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Im Idealfall sollen jüngere Menschen unter 60 nachrücken, die die Führungsaufgaben übernehmen. Diese neuen Museumsführer werden von der Geschichtsmanufaktur ausgebildet. Die Ausbildung setzt auf einen umfassenden theoretischen Teil, der die Teilnehmer in Führungsaufbau und -konzeption schult, sowie auf einen großen praktischen Anteil. Hier erfahren die angehenden Museumsführer, was eine Führung eigentlich für alle Beteiligten spannend und lehrreich macht. Start der Ausbildung ist vermutlich im Frühjahr 2015. In einem ersten Schritt wurde zunächst für alle teilnehmenden Museen ausgelotet, welche museumspädagogischen Formate sich für die jeweiligen Häuser anbieten.

Neues aus der Forschung

Da man bekanntlich im Sommer auf genügend Flüssigkeitszufuhr achten soll, dreht sich der heutige Beitrag zur Forschung im das Thema Trinken. Es geht jedoch wie so oft in der Geschichte nicht um Wasser, sondern um Alkohol. Bereits Anfang des Jahres fanden US-Forscher heraus, was man in Kreisen der Nordmänner gern zu sich nahm. Es handelte sich nicht etwa um schnödes Bier, sondern um einen Cocktail aus Beeren, Honig, Kräutern und Getreide. Wenn erhältlich, mischte man ihn auch gern mit Weinen aus dem Mittelmeerraum – und das bereits um 1100 v.Chr. Getrunken wurde dieses Gebräu nicht nur aus Genuss, sondern auch aus medizinischen Gründen. Gern nahm man es aus großen und schön gestalteten Gefäßen zu sich. Wer möchte nicht prachtvolles Glas besitzen, denkt man sich bis heute und so dachte man auch in der Renaissance. Aus dieser Zeit stammen die so genannten „Passgläser“, von denen eines u.a. bei Ausgrabungen im ostwestfälischen Spenge gefunden wurde. Diese Passgläser nutze man zu Trinkspielen: In das Glas mit einem Fassungsvermögen von 0,8 Litern waren vier Ringe eingelassen. Bis zu einem der Ringe musste man es leeren. Geschah dies nicht auf den Millimeter genau, musste man das Glas in einem Zuge leeren. Das Ende eine solchen Spielchens kann man sich unschwer vorstellen.

Quellen:
http://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Raue_Gesellen_mit_feiner_Zunge__Was_war_drin_im_Grog_der_Wikinger_1771015589468.html http://www.ruhrnachrichten.de/leben-und-erleben/kultur-muensterland/Archaeologen-tagen-in-Muenster-Schon-unsere-Ahnen-tranken-viel-und-wuest;art2551,2315089