Newsletter 2014-4

Newsletter 4/2014

Spaten raus und graben! – Hobbygräber als Schrecken der Archäologie?

Dieser Tage ist es überall in der Presse zu lesen: Ein Hobbyforscher aus Schottland hat einen riesigen Wikingerhort entdeckt. Wunderschöne, kostbare Stücke aus dem 9. und 10. Jahrhundert entdeckte er, als er mit einem Metalldetektor unterwegs war. Es war nicht der erste Fund des Schotten, bereits im vergangenen Jahr hatte er eine große Anzahl mittelalterlicher Münzen aufgespürt – ebenfalls mit dem Metalldetektor. Beim aktuellen Fund war der Rentner nicht auf gut Glück unterwegs gewesen. Experten hatten die Fundstelle bereits vorher als für die Archäologie interessanten Ort ausgemacht. Bei diesem Fund scheint sofort das National Museum of Scotland eingeschaltet worden zu sein, zumindest konnte der Hort von diesem Museum begutachtet werden.

Leider ist dies nicht immer der Fall. Viel zu oft machen sich Schatzsucher mit Metalldetektoren auf die Suche nach archäologischen Artefakten. Ohne Sicherung des Fundortes werden die Gegenstände aus der Erde geholt, der Fundzusammenhang wird vollkommen zerstört, die Geschichte des Stücks ist unwiederbringlich verloren. Die Motivation dieser Raubgräber ist ganz unterschiedlich: Bei einen ist es die reine Unwissenheit, die sie Fundstellen zerstören lässt, bei anderen sind es kriminelle Machenschaften oder die Faszination an Militaria vor allem aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Ergebnis ist jedoch das Gleiche: Potenzielles Wissen über die Vergangenheit wird zerstört.

Aber ist das wirklich immer so? Bei jedem Hobbyarchäologen? Ganz sicher nicht. Tatsache ist, dass es in der Archäologie ohne Hobbyforscher, die mit viel Idealismus und durchaus nach wissenschaftlichen Standards graben, so manchen Fund nicht gegeben hätte. Viele Männer und Frauen opfern ihre Freizeit, um nach möglichen Fundstellen Ausschau zu halten. Sie graben nicht unkoordiniert drauf los, sondern arbeiten Hand in Hand mit den Archäologen, Historikern und Restauratoren vor Ort – und wissen meist mehr über die Funde und Fundstätten ihrer Heimat als so mancher Profi. Viele Bodendenkmalämter arbeiten offiziell mit Ehrenamtlichen zusammen und können so trotz nahezu leerer Kassen mehr als nur Notgrabungen leisten. Werden alle wissenschaftlichen und rechtlichen Richtlinien befolgt, stellen Hobbyforscher für alle Fachbereiche der Geschichtswissenschaften eine unschätzbare Bereicherung dar!

Und sonst?

Auf den Spuren der Geschichte kann man natürlich nicht nur unter der Erdoberfläche wandern, sondern auch darauf, zu Fuß. Was man dort mancherorts sehen kann, wenn man den Blick nach unten richtet, sind kleine goldene Quadrate – eingelassen in das Gehwegpflaster. Diese kleinen Unterbrechungen des grau-in-grau des Untergrunds sind „Stolpersteine“. Sie werden vor Wohnhäusern verlegt, deren Bewohner Opfer des NS-Regimes geworden sind. Namen auf den Steinen machen es möglich, die Ermordeten genau zu benennen. In Dortmund gibt es inzwischen weit über 200 dieser Stolpersteine. Die Geschichtsmanufaktur fügt nun die GPS-Daten von 100 dieser Steine und die jeweils zugehörigen Kurzbiographien der Opfer in die App der „Mahn- und Gedenkstätte Steinwache Dortmund“ ein. Abgeschlossen sein wird dieses Projekt Anfang 2015.

Neues aus der Forschung“ weicht heute einem Glückwunsch

Der Glückwunsch geht an Thor Heyerdahl zu seinem 100. Geburtstag! Am 6. Oktober erinnerte der WDR mit einem „Zeitzeichen“ an den engagierten und wagemutigen Forscher. Zu hören und zum Download bereit ist er momentan noch auf der Webseite des WDR „Zeitzeichen“. http://www1.wdr.de/radio/podcasts/wdr3/zeitzeichen244_pcp-2.html

Dies ist der letzte Newsletter im Jahr 2014. Wir wünschen allen unseren Lesern eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch in 2015.