Newsletter 2015 – 3

Geschichtsmanufaktur – Newsletter 3/2015

Partizipation im Museum – der Besucher als Teil der Ausstellung

„Bitte nicht berühren!“ – diese Satz ist bis heute Teil eines jeden Museums. Ob als Schild vor einem Objekt, als mahnend gesprochener Satz während eine Führung oder als erschreckter Ausruf des Aufsichtspersonals, wenn ein Gast einem Objekt zu nahe rückt. Situationen gibt es viele, in denen diese Aufforderung zum Einsatz kommt.

Doch wie steht es mit folgendem Satzes: „Bitte berühren LASSEN!“ – von der Ausstellung, einzelnen Exponaten, der Geschichte dahinter. Ist es möglich, in einer Ausstellung, in einem Museum mehr als einen Ort der Sammlung und der Information zu sehen?

In den älteren klassischen Sammlungen mag dies schwierig sein, doch werden heute neue Ausstellungen kuratiert oder Besucher in einer Führung durch das Museum begleitet, sollte diese „Berührung“, ein „an sich heran lassen“ möglich sein. Aber wie kann das gelingen?

Die meisten Museen, Kunstmuseen einmal ausgenommen, zeigen Objekte, die aus ihrem ursprünglichen Gebrauchs- oder Fundkontext heraus gelöst worden sind. Um mehr als eine Sammlung schöner Dinge zu schaffen, ist es notwendig, ihnen einen neuen Kontext zu geben. Einen Kontext, der nahe an ihrer alten Bestimmung ist und gleichzeitig auch so nah am Besucher und seiner Lebenswirklichkeit, dass er sich aktiv mit dem Gesehenen auseinander setzen kann. Dem Besucher wird keine universal geltende Bedeutung für etwas vorgeschrieben, stattdessen wird der Besucher zum aktiven Part in der Ausstellung, in dem er die Objekte mittels seines Wissens, seiner Erfahrungen interpretiert.

Verstärkt werden können diese Erlebnisse in der Ausstellung noch durch die Teilnahme an einer Führung. Vorausgesetzt, die Führung ermöglicht die Partizipation des Besuchers. Bereits seit Jahren in aller Munde ist das Schlagwort „dialogisches Führen“ – doch was heißt das eigentlich genau? Zunächst einmal beinhaltet es die Einbeziehung des Besuchers in einen Dialog, einen Austausch, der während der Führung stattfindet. Doch eine gute dialogische Führung ist mehr als ein Frage-Antwort-Spiel, eine gute Führung macht den Museumspädagogen, Führer oder Guide zum Moderator.

Moderierte Führungen gehen davon aus, dass der Besucher etwas ins Museum mitbringt: seine Erfahrungen, seine Sichtweise, seine Wirklichkeit. All dies wird zum Teil der Führung, ermöglicht spannende, neue und manchmal auch provokative Sichtweise auf die Ausstellungsstücke. Dem Moderator der Führung obliegt es nun mittels Leitfragen und Impulsen dafür zu sorgen, dass die Besucher ihre Erfahrungen abrufen, Gesehenes interpretieren, ins Gespräch kommen, sich austauschen. Dabei gibt er Gesprächsanreize, greift lenkend ein, vertieft Gesagtes, schafft Überleitungen und stellt Zusammenhänge her. Gleichzeitig wirkt er ausgleichend und entspannend in potenziellen Konfliktsituationen, ermöglicht kritische Auseinandersetzungen und schafft Platz für neue Gedankengänge.

Gelingt all dies, wird der Besucher zum aktiven Part einer Ausstellung und die Ausstellung verlässt die reine Ebene des Sammeln und Präsentierens. Die Ausstellung und die gezeigten Objekte werden ihrerseits zu einem aktiven Part im Erfahrungsschatz des Besuchers.

Und sonst?

Im Oktober und November dieses Jahres bildet die Geschichtsmanufaktur in den Städten Schmallenberg und Bad Berleburg Museumsmoderatoren für die vor Ort ansässigen Heimatmuseen aus. Finanziert wird das Projekt vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW.