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Der König ist tot – lang lebe der König!

So hieß es in vielen Monarchien – und in den meisten ist es immer noch so. Die Niederlande gehören zu den wenigen Monarchien, in der Könige bzw. Königinnen abdanken und so Platz machen für die nächste Generation. Schweden und Großbritannien handhaben das anders – wie sonst wäre ein Kronprinz zu erklären, der schon Mitte 60 ist!
Trotz mancher Unterschiede, die Zeremonie in der Niuwe Kerk am 30. April 2013 verlief ebenso nach strengem Protokoll, wie das auch für andere Königshäuser gilt – und sie endete mit der Verkündigung des Herolds „Es lebe der König.“
Überhaupt: Herold, Stallmeister und Marschall waren auch mit dabei – denn die zahlreichen Amtsbezeichnungen aus längst vergangenen Zeiten leben bis heute fort.

Womit wir bei den großen und kleinen Problemen wären, die ein strenges Protokoll mit sich bringen kann – und der Marschalldienst gehörte zu den eher schwierigen Themen im Mittelalter. Marschalldienst bedeutet, neben dem Pferd eines anderen herzulaufen, dessen Steigbügel zu halten und den Zügel zu führen. Damit ordnete man sich dem Reiter unter und wurde dessen Lehnsmann. Dieser Dienst konnte aber auch als reiner Ehrendienst ausgeführt werden und in diesem Sinne führten ihn die Könige aus, die Kaiser werden wollten. Dumm, wenn die eine Seite – in diesem Fall der Papst – den Marschalldienst (absichtlich?) falsch deutet.
Lothar III. hatte Papst Innozenz III. bei einem Treffen in Lüttich den Marschalldienst geleistet. Dieser Ehrendienst wurde im Bild festgehalten – allerdings mit der Unterschrift, dass Lothar durch den Marschalldienst zum Lehnsmann des Papstes geworden sei – was keineswegs dessen Absicht gewesen ist.
Auch ohne Yellow Press und Internet verbreitete sich die Nachricht von dem Bild und vor allem dem Text wie ein Lauffeuer. Der Skandal war da, die Bildunterschrift wurde schnell wieder getilgt, aber das Misstrauen blieb: Friedrich I. Barbarossa hatte aus dem Fehler seines Vorgängers gelernt und vollzog den Marschalldienst erst, als jede lehnsrechtliche Interpretation ausgeschlossen war. Schließlich wollte er Kaiser werden, und kein Untergebener des Papstes.
Überhaupt war das Verhältnis von Kaiser und Papst oft angespannt, denn beide sahen sich als die Nummer 1 an. Die Empfindlichkeiten zogen sich bis in den Briefwechsel hinein: Friedrich I. bestand darauf, dass sein Name vor dem des Papstes in der Briefadresse zu stehen habe und dieser stets im Singular angeredet werden solle – der Papst bestand jedoch auf die Anrede „dominus dominus“, um sich von Kaiser und anderen weltlichen Großen abzuheben.

Solche Probleme sind von dem neuen niederländischen Königspaar eher nicht zu erwarten, statt Willem IV. bleibt es beim Rufnamen Alexander – die offizielle Anrede erinnere ihn zu sehr an die Namen, die man Kühen heute gebe.
Übrigens, nicht nur in Sachen Thronwechsel läuft in den Niederlanden einiges anders, Willem-Alexander blieb das Tragen der schweren Krone erspart, niederländische Könige werden nicht gekrönt, ihnen wird gehuldigt, wenn sie ihr Amt antreten.