Archive for the ‘ Newsletter ’ Category

Newsletter 2018

Neues von der Geschichtsmanufaktur – nach langer Zeit melden wir uns mit unserem Newsletter zurück. Und einiges hat sich getan:

Neuer Mitarbeiter
Im Oktober begrüßten wir Stephan Pietsch (Kunsthistoriker) in unserem Team. Er unterstützt uns an zwei Tagen in der Woche als wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Werne up’n Patt
Im Juli 2017 haben wir die Leitung eines zweijährigen Projektes im Stadtmuseum Werne übernommen. Wir beschäftigen uns mit dem Thema Mobilität und Mobilitätswandel früher, heute und morgen. Dabei entwickeln wir spannende neue Formate, um mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen.
Seit Februar läuft im Rahmen des Projekts eine von uns kuratierte Schaufensterausstellung in fünf leerstehenden Schaufenstern der Werneraner Innenstadt. Ausstellungstitel: „Mit rasender Geschwindigkeit. Wie steuert Werne in die Zukunft?“ Unterstützung bei der Umsetzung hatten wir vom Szenografiebüro PRINZTRÄGER aus Bochum und von konter – Studio für Gestaltung aus Dortmund. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 20.5.2018. Keine Zeit zum Besuch vor Ort? Dann gibt’s hier schöne Bildchen: http://geschichtsmanufaktur.com/schaufensterausstellung-mit-rasender-geschwindigkeit-wie-steuert-werne-in-die-zukunft/

Vielfalt verortet in Unna
Seit Oktober ist unser digitaler Stadtplan zum Thema Migration nach Unna nach 1945 online. Über 80 Stationen sind im Plan enthalten. Sie erzählen von den Schicksalen der Migranten genauso wie von den Orten, die für die Migrationsgeschichte Unnas wichtig waren und noch sind. Das Besondere: Den Plan haben wir in fünf Sprachen erstellt: Deutsch, Englisch, Türkisch, Russisch und Arabisch. Zu sehen ist er unter vielfalt-verortet-in-unna.de
Die technische Umsetzung erfolgte durch zehn23 – studio für gestaltung und godesign.

Goldene Zeiten?
Schon länger betreuen wir die Restaurierung des Werdener Kruzifixes (11.Jh.). Seit vergangenem Sommer informiert nun die Ausstellung „Goldene Zeiten?“ in der Schatzkammer St. Ludgerus in Essen-Werden über die Restaurierung und die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen. Im Sommer erscheint der Begleitband zur Restaurierung.

Konzeptionsarbeiten
Für das Städtische Museum Medebach haben wir die Neukonzeption der bestehenden Dauerausstellung übernommen.
Für das neue Museum im Bahnhof Grevenbrück (Lennestadt) entwickeln wir ebenfalls die Dauerausstellung.
Und für das Besucherzentrum an den Bruchhauser Steinen gibt’s auch eine neue Dauerausstellung von uns. Wir freuen uns, nun auch im Bereich Geologie unterwegs zu sein.

Wir bei Instagram
Man kann uns nicht mehr nur bei Facebook (facebook.com/geschichtsmanufaktur) folgen, sondern nun auch bei Instagram. Besuchen Sie uns auf instagram.com/geschichtsmanufaktur. Es gibt viel Einblicke in unsere Arbeiten.

Newsletter 2016 – 1

Geschichtsmanufaktur – Newsletter 1/2016

Wir wünschen all unseren Lesern ein erfolgreiches, erfreuliches und gesundes Jahr 2016!

Neuigkeiten aus der Geschichtsmanufaktur
Wir freuen uns, dass die von uns kuratierte Ausstellung „Ausgepackt –  Die Glas- und Keramiksammlung des Emschertal-Museums“ verlängert wurde. Eigentlich sollte die Ausstellung am 17. Januar enden, nun wird sie voraussichtlich bis Mai 2016 im Emschertal-Museum im Schloss Strünkede in Herne zu sehen sein.
Seit dem Jahresbeginn arbeiten wir an einer neuen und spannenden Aufgabe: Wir haben die Projektleitung der Restaurierung des Werdener Kruzifixes übernommen.
Das Werdener Kruzifix, auch „Helmstedter Kreuz“ genannt, gehört zu den bedeutenden Bronzeplastiken des 11.Jahrhunderts. Bei einem Brand in der Schatzkammer in Essen-Werden im Jahr 2008 wurde das Kruzifix beschädigt. Nun soll es unter Einbeziehung namhafter Kunsthistoriker und Restauratoren metallurgisch untersucht und restauriert werden.
Zum Abschluss gekommen ist am 16. Januar nun endgültig die von uns durchgeführte Schulung von Museumsmoderatoren im Ländlichen Raum, genauer in den Städten Bad Berleburg und Schmallenberg. Den Abschluss bildete ein Seminar zu den Themen Sprechen und Körperhaltung. Unter Anleitung einer Kölner Diplom-Sängerin trainierten die Seminarteilnehmer ihre Stimme und übten sich in sicherem Auftreten.
Im Jahr 2017 feiert das Beckumer Kollegiatstift SS. Stephani et Sebastiani seine Gründung vor 750 Jahren. Zu diesem Anlass zeigt Stadtmuseum Beckum eine Ausstellung zur Stiftsgeschichte, die von der Geschichtsmanufaktur gemeinsam mit der Beckumer Museumsleitung entwickelt und kuratiert wird.
Die noch bis Ende Februar im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte in Dortmund gezeigte Ausstellung „Westfalen 200 Jahre. Jetzt!“ wird ab Mai 2016 in verschiedenen westfälischen Museen als Wanderausstellung zu sehen sein. Wie schon für die Ausstellung in Dortmund konzipieren wir die museumspädagogischen Begleitprogramme für die Wanderausstellung.
Weitere Neuigkeiten
Mit großer Wahrscheinlichkeit tritt zum 1.1.2017 ein neues Gesetz „zur Verhinderung des  Missbrauchs von Werkverträgen“ in Kraft. Dieses neue Gesetz könnte sich massiv auf die Arbeit der Museen oder andere Kultureinrichtungen mit Freiberuflern und Selbstständigen auswirken.
Zu diesem Gesetz plant der Bund freiberuflicher Kulturwissenschaftler (BfK) im März eine Informationsveranstaltung. Ein sachkundiger Mitarbeiter der Deutschen Rentenversicherung wird die Anwesenden über die Chancen und Risiken des Gesetzes in Kenntnis setzen. Teilnehmen können sowohl Museums- und Verwaltungsmitarbeiter als auch Freiberufler und Selbstständige.
Sollten Sie Informationen zu dieser Veranstaltung wünschen, schreiben Sie bitte eine Mail an post@geschichtsmanufaktur.com. Wir informieren Sie dann zeitnah über Veranstaltungsort und -datum.

Newsletter 2015 – 3

Geschichtsmanufaktur – Newsletter 3/2015

Partizipation im Museum – der Besucher als Teil der Ausstellung

„Bitte nicht berühren!“ – diese Satz ist bis heute Teil eines jeden Museums. Ob als Schild vor einem Objekt, als mahnend gesprochener Satz während eine Führung oder als erschreckter Ausruf des Aufsichtspersonals, wenn ein Gast einem Objekt zu nahe rückt. Situationen gibt es viele, in denen diese Aufforderung zum Einsatz kommt.

Doch wie steht es mit folgendem Satzes: „Bitte berühren LASSEN!“ – von der Ausstellung, einzelnen Exponaten, der Geschichte dahinter. Ist es möglich, in einer Ausstellung, in einem Museum mehr als einen Ort der Sammlung und der Information zu sehen?

In den älteren klassischen Sammlungen mag dies schwierig sein, doch werden heute neue Ausstellungen kuratiert oder Besucher in einer Führung durch das Museum begleitet, sollte diese „Berührung“, ein „an sich heran lassen“ möglich sein. Aber wie kann das gelingen?

Die meisten Museen, Kunstmuseen einmal ausgenommen, zeigen Objekte, die aus ihrem ursprünglichen Gebrauchs- oder Fundkontext heraus gelöst worden sind. Um mehr als eine Sammlung schöner Dinge zu schaffen, ist es notwendig, ihnen einen neuen Kontext zu geben. Einen Kontext, der nahe an ihrer alten Bestimmung ist und gleichzeitig auch so nah am Besucher und seiner Lebenswirklichkeit, dass er sich aktiv mit dem Gesehenen auseinander setzen kann. Dem Besucher wird keine universal geltende Bedeutung für etwas vorgeschrieben, stattdessen wird der Besucher zum aktiven Part in der Ausstellung, in dem er die Objekte mittels seines Wissens, seiner Erfahrungen interpretiert.

Verstärkt werden können diese Erlebnisse in der Ausstellung noch durch die Teilnahme an einer Führung. Vorausgesetzt, die Führung ermöglicht die Partizipation des Besuchers. Bereits seit Jahren in aller Munde ist das Schlagwort „dialogisches Führen“ – doch was heißt das eigentlich genau? Zunächst einmal beinhaltet es die Einbeziehung des Besuchers in einen Dialog, einen Austausch, der während der Führung stattfindet. Doch eine gute dialogische Führung ist mehr als ein Frage-Antwort-Spiel, eine gute Führung macht den Museumspädagogen, Führer oder Guide zum Moderator.

Moderierte Führungen gehen davon aus, dass der Besucher etwas ins Museum mitbringt: seine Erfahrungen, seine Sichtweise, seine Wirklichkeit. All dies wird zum Teil der Führung, ermöglicht spannende, neue und manchmal auch provokative Sichtweise auf die Ausstellungsstücke. Dem Moderator der Führung obliegt es nun mittels Leitfragen und Impulsen dafür zu sorgen, dass die Besucher ihre Erfahrungen abrufen, Gesehenes interpretieren, ins Gespräch kommen, sich austauschen. Dabei gibt er Gesprächsanreize, greift lenkend ein, vertieft Gesagtes, schafft Überleitungen und stellt Zusammenhänge her. Gleichzeitig wirkt er ausgleichend und entspannend in potenziellen Konfliktsituationen, ermöglicht kritische Auseinandersetzungen und schafft Platz für neue Gedankengänge.

Gelingt all dies, wird der Besucher zum aktiven Part einer Ausstellung und die Ausstellung verlässt die reine Ebene des Sammeln und Präsentierens. Die Ausstellung und die gezeigten Objekte werden ihrerseits zu einem aktiven Part im Erfahrungsschatz des Besuchers.

Und sonst?

Im Oktober und November dieses Jahres bildet die Geschichtsmanufaktur in den Städten Schmallenberg und Bad Berleburg Museumsmoderatoren für die vor Ort ansässigen Heimatmuseen aus. Finanziert wird das Projekt vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW.

Newsletter 2015 – 2

Neue Chancen für Museen – Indoorlokalisation wird einfacher

Museen, die in der Vergangenheit bereits mit Apps gearbeitet und sich an der Lokalisation des Appnutzers in der Ausstellung versucht haben, gaben bis dato nicht selten frustriert auf: Die genaue Standortbestimmung einer Person in einem Raum war und ist oft hardware- und kostenintensiv. Deshalb griffen viele Museen auf bewährte und einfachere Methode zurück: Der Besucher tippt selbstständig die an einer Vitrine befestigte Zahlenkombination in seine App ein und erhält die Informationen zum jeweiligen Exponat.

Eine Lösung scheint nun gefunden zu sein, denn seit einiger Zeit ist eine neue Technologie auf dem Markt, die die Lokalisation des Besuchers im Raum sehr viel einfacher macht: Es handelt sich um sogenannte Bluetooth-Beacons oder iBeacons (von Beacon [engl.] = Leuchtfeuer). Diese Beacons sind kleine Sender, die unauffällig an verschiedenen Positionen im Raum angebracht werden können. Sie senden in regelmäßigen Zeitabständen Signale aus. Kommt der Museumsbesucher mit seinem Smartphone in die Nähe des Senders, fängt dieses die Signale des Beacons auf. Vier kleine Beacons reichen, um die Position des Besuchers im Raum zu bestimmen. Kommt der Besucher nun in die unmittelbare Nähe eines in der App gelisteten Exponats, erhält er automatisch weiterführende Informationen auf sein Handy bzw. kann gezielt durch die Ausstellung geführt werden.

Die Datenübertragung geschieht via Bluetooth und ist somit mit jedem Smartphone kompatibel. Die Energiemenge, die für die Senderleistung benötigt wird ist extrem gering. Eingebaute Batterien halten also sehr lange.

Auch für Freilichtmuseen oder Häuser mit Außenanlagen ist die Technologie von Interesse. Selbstverständlich funktionieren die Beacons auch aushäusig und es gibt bereits die ersten mit Solarmodulen ausgestatteten Sender.

Und sonst?

Momentan findet im Schloss Strünkede in Herne die Ausstellung „Ausgepackt – die Glas- und Keramiksammlung des Emschertal-Museums“ statt. Sie zeigt die beeindruckende Geschichte der beiden Werkstoffe, die so viel mehr waren und sind als nur zwei Materialien zur Herstellung von Gebrauchsgegenständen. Kuratiert wurde die Ausstellung von der Geschichtsmanufaktur. Zu sehen ist sie noch bis zum 17.1.2016.

Newsletter 2015 – 1


Newsletter 1/2015

Vorbereitung auf die Realität? – Der Master-Studiengang „Public History“
Die Zeiten, in denen man als Historiker, Archäologe, Anthropologe oder, ganz allgemein gesprochen, Person mit kulturwissenschaftlichem Studienabschluss seine berufliche Zukunft als Angestellter in einem Museum, einer Gedenkstätte oder auf einer Ausgrabung vor sich sah, sind vorbei – und das erst nicht seit gestern. Der Arbeitsmarkt, auf den Studierende dieser Fächer heute strömen, ist breiter und komplexer geworden. Neben dem klassischen Berufsfeld „Lehrer“ besteht die Möglichkeit in vielen Bereichen der freien Wirtschaft einzusteigen oder den Weg in die Selbständigkeit zu nehmen.

Die Schwierigkeiten, die den Studierenden auf dem Arbeitsmarkt begegnen, waren bis vor wenigen Jahre an den Lehrstühlen der Universitäten nicht eben präsent. Die Frage: „Wie geht es weiter für die Leute, die wir ausbilden?“ stellten sich, bis auf wenige Ausnahmen, weder Professoren noch Mitarbeiter. Das ändert sich momentan! Viele Universitäten führen den Master-Studiengang „Public History“ ein, der sehr praxisnah auf den Arbeitsalltag vorbereiten soll. Die Freie Universität Berlin wirbt damit, die Studenten so besser auf ein Arbeitsleben in Museen, Gedenkstätten, Verlagen, Medien, Stiftungen und Unternehmen vorzubereiten. Das klingt gut und ist ein schöner Ansatz. Nur darf ernsthaft bezweifelt werden, dass die bis dato gestrichenen Stellen in zahlreichen der genannten Branchenfür die Absolventen plötzlich wieder vorhanden sind.

Eine Möglichkeit, diefür viele Kulturwissenschaftler immer wichtiger wird, die fachnah arbeiten möchten, lässt auch der Master „Public History“ hartnäckig außer Acht: Es ist der Schritt in die Selbständigkeit.

DieserWeg ist in vielen Köpfen als ernsthafte Möglichkeit, sich als Kulturwissenschaftler etwas aufzubauen, gar nicht vorhanden. Und das ist schade, ist doch gerade dieser Bereich einer der wenigen im kulturellen Sektor, der kontinuierlich wächst. Gerade weil dietraditionellenArbeitgeber im kulturellen Bereich immer mehr Stellen abbauen, die zu bewältigende Arbeit aber die Gleiche bleibt, hätten zukünftige Absolventen hier die Chance, sich dauerhaft eine Existenz aufzubauen.

Doch um diese Chance als solche wahrzunehmen ist vermutlich ein Mentalitätswechsel nötig. Sowohl bei Studierenden, als auch an den Universitäten und in den Institutionen, die die potenziell Selbstständigen später beauftragen: Für die Studierenden und Wissenschaftler heißt das, Selbständigkeit nicht als unseriös abzutun oder nur als Übergangslösung bis zur festen Anstellung. Für den Kultursektor und alle, die die Dienstleistungen von freiberuflichen Historikern, Archäologen, Kunsthistorikern und anderen Kulturwissenschaftlern in Anspruch nehmen, bedeutet dies aber auch, sie fair zu bezahlen. Immer wieder sorgen Honorare, die angesetzt werden müssen um von ihnen den Lebensunterhalt mit allen Nebenkosten bestreiten zu können, für großes Erstaunen, weil die Stundenlöhne eines Angestellten als Vergleich herangezogen werden. Dabei muss die Honorierung selbständiger Arbeit im Kultursektor sich vielmehr an der von Handwerkern, Juristen oder freiberuflichen Ingenieuren orientieren.

Wenn dies der Fall wäre, dann träte eine Win-Win-Situation für beide Seiten ein: Institutionen wie Museen müssen keine langfristigen Stellen schaffen, die sie sich nicht leisten können (auch wenn vielen Museen und anderen kulturellen Einrichtungen mehr fest Angestellte durchaus gut tun würden, aber das ist eine andere Diskussion). Und für die zahlreichen Universitätsabsolventen böte sich ein attraktives Betätigungsfeld mit zahlreichen Perspektiven.

Und sonst?
Unser Newsletter im Januar ist ausgefallen und das nicht ohne Grund. Denn wir sind umgezogen! Seit Anfang des Jahres befindet sich das Büro der Geschichtsmanufaktur im ehemaligen Dortmunder Straßenbahndepot (www.depotdortmund.de) an der Immermannstraße 29 in 44147 Dortmund. Telefon: 0231/17754356.

Neues aus der Forschung“
36.000 Jahre alte Kunst aus Beton und Kunstharz kann man ab dem 25. April in Frankreich besichtigen. Für 55 Mio. Euro hat man in Südfrankreich die Chauvet-Grotten nachgebaut, die zahlreiche altsteinzeitliche Höhlenmalereien beherbergen. Aus konservatorischen Gründen konnten diese der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemachtwerden. So fand man eine elegante Lösung, die Kunst der Steinzeit in der Gegenwart sichtbar zu machen.

Newsletter 2014-4

Newsletter 4/2014

Spaten raus und graben! – Hobbygräber als Schrecken der Archäologie?

Dieser Tage ist es überall in der Presse zu lesen: Ein Hobbyforscher aus Schottland hat einen riesigen Wikingerhort entdeckt. Wunderschöne, kostbare Stücke aus dem 9. und 10. Jahrhundert entdeckte er, als er mit einem Metalldetektor unterwegs war. Es war nicht der erste Fund des Schotten, bereits im vergangenen Jahr hatte er eine große Anzahl mittelalterlicher Münzen aufgespürt – ebenfalls mit dem Metalldetektor. Beim aktuellen Fund war der Rentner nicht auf gut Glück unterwegs gewesen. Experten hatten die Fundstelle bereits vorher als für die Archäologie interessanten Ort ausgemacht. Bei diesem Fund scheint sofort das National Museum of Scotland eingeschaltet worden zu sein, zumindest konnte der Hort von diesem Museum begutachtet werden.

Leider ist dies nicht immer der Fall. Viel zu oft machen sich Schatzsucher mit Metalldetektoren auf die Suche nach archäologischen Artefakten. Ohne Sicherung des Fundortes werden die Gegenstände aus der Erde geholt, der Fundzusammenhang wird vollkommen zerstört, die Geschichte des Stücks ist unwiederbringlich verloren. Die Motivation dieser Raubgräber ist ganz unterschiedlich: Bei einen ist es die reine Unwissenheit, die sie Fundstellen zerstören lässt, bei anderen sind es kriminelle Machenschaften oder die Faszination an Militaria vor allem aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Ergebnis ist jedoch das Gleiche: Potenzielles Wissen über die Vergangenheit wird zerstört.

Aber ist das wirklich immer so? Bei jedem Hobbyarchäologen? Ganz sicher nicht. Tatsache ist, dass es in der Archäologie ohne Hobbyforscher, die mit viel Idealismus und durchaus nach wissenschaftlichen Standards graben, so manchen Fund nicht gegeben hätte. Viele Männer und Frauen opfern ihre Freizeit, um nach möglichen Fundstellen Ausschau zu halten. Sie graben nicht unkoordiniert drauf los, sondern arbeiten Hand in Hand mit den Archäologen, Historikern und Restauratoren vor Ort – und wissen meist mehr über die Funde und Fundstätten ihrer Heimat als so mancher Profi. Viele Bodendenkmalämter arbeiten offiziell mit Ehrenamtlichen zusammen und können so trotz nahezu leerer Kassen mehr als nur Notgrabungen leisten. Werden alle wissenschaftlichen und rechtlichen Richtlinien befolgt, stellen Hobbyforscher für alle Fachbereiche der Geschichtswissenschaften eine unschätzbare Bereicherung dar!

Und sonst?

Auf den Spuren der Geschichte kann man natürlich nicht nur unter der Erdoberfläche wandern, sondern auch darauf, zu Fuß. Was man dort mancherorts sehen kann, wenn man den Blick nach unten richtet, sind kleine goldene Quadrate – eingelassen in das Gehwegpflaster. Diese kleinen Unterbrechungen des grau-in-grau des Untergrunds sind „Stolpersteine“. Sie werden vor Wohnhäusern verlegt, deren Bewohner Opfer des NS-Regimes geworden sind. Namen auf den Steinen machen es möglich, die Ermordeten genau zu benennen. In Dortmund gibt es inzwischen weit über 200 dieser Stolpersteine. Die Geschichtsmanufaktur fügt nun die GPS-Daten von 100 dieser Steine und die jeweils zugehörigen Kurzbiographien der Opfer in die App der „Mahn- und Gedenkstätte Steinwache Dortmund“ ein. Abgeschlossen sein wird dieses Projekt Anfang 2015.

Neues aus der Forschung“ weicht heute einem Glückwunsch

Der Glückwunsch geht an Thor Heyerdahl zu seinem 100. Geburtstag! Am 6. Oktober erinnerte der WDR mit einem „Zeitzeichen“ an den engagierten und wagemutigen Forscher. Zu hören und zum Download bereit ist er momentan noch auf der Webseite des WDR „Zeitzeichen“. http://www1.wdr.de/radio/podcasts/wdr3/zeitzeichen244_pcp-2.html

Dies ist der letzte Newsletter im Jahr 2014. Wir wünschen allen unseren Lesern eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch in 2015.

Newsletter 2014-3

Die neuen Absolventen: Jünger, schneller – besser?

Bereits seit Anfang des Jahrtausends bemüht man sich in Deutschland mit den neu eingeführten Bachelor- und Masterstudiengänge das Universitätsstudium zu verkürzen. Wo es früher möglich war, neben seinen eigentlichen Studienfächern auch mal den Blick nach links und rechts zu wagen, sich in ganz anderen Fachbereichen umzutun, wurde nun das Prinzip eingeführt, ein Studium möglichst ohne Halt in wenigen Semestern zu absolvieren. Im Idealfall, so die Vorstellung, sollten die Studenten die Universität bereits nach dem Bachelor verlassen. Im NRW verschärfte sich im vergangenen Jahr die Situation noch durch die Einführung des G8-Abiturs: Die nun an die Unis strömenden Studenten sind zwischen 17 und 18 Jahren alt und beenden ihr Studium, wenn sie nach dem Bachelor die Uni verlassen, mit etwa 22 Jahren. Was hat man nun von diesen doch sehr jungen Leuten zu erwarten?

Im Bereich der Geisteswissenschaften könnte der Schluss naheliegen, dass es doch eigentlich nicht ausschlaggebend sei, ob nun jemand mit Anfang oder Ende 20 in das Arbeitsleben einsteigt. Schaut man jedoch auf die Betätigungsfelder, in denen sich die jungen Leute eine Arbeitsstelle suchen, tun sich ganz neue Probleme und Fragestellungen auf, denn neben den immer jünger werdenden Absolventen wird auch das Studium an sich grundlegend verändert: Museen und andere Kulturbetriebe stehen auf einmal vor der Frage, wie genau sie nun einen Absolventen beschäftigen sollen, der während seines Studiums kaum Zeit hatte, sein Handwerk richtig zu erlernen. Dieser an die Museumstüren klopfende Absolvent ist heute noch meist Historiker, Kunsthistoriker oder Archäologe. In wenigen Jahren wird er durch den nicht so recht greifbaren „Kulturwissenschaftler“ abgelöst werden. Neben Kultureinrichtungen sind Geisteswissenschaftler in vielen Bereichen der freien Wirtschaft wegen ihrer „soft skills“ sehr beliebt. Komplexe Zusammenhänge können erkannt und auf den Punkt gebracht werden, das „Um-die-Ecke-Denken“ ist eine der großen Stärken der Geisteswissenschaftler. Doch mit Anfang 20 sind diese Fähigkeiten bei den meisten noch nicht wirklich ausgeprägt, an der Uni können sie schließlich auch aus Zeitmangel kaum noch vermittelt werden.

Was soll mit den zahlreichen jungen Absolventen also geschehen, die die Universitäten in immer mehr Fällen nach dem Bachelor, also quasi nach dem ehemaligen Grundstudium verlassen? Das wird eine der Fragen sein, mit denen sich Kultur, Wirtschaft und Politik in den kommenden Jahren verstärkt auseinandersetzen müssen. Denn sonst stehen immer mehr junge Leute ohne Job und immer mehr Kulturbetriebe und Unternehmen ohne qualifizierte Arbeitnehmer da. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die neuen generalisierenden Studiengänge wie Kulturwissenschaften oder Medienwissenschaften tatsächlich ein Fortschritt sind, oder ob eine Spezialisierung auf ein Fach nicht sinnvoller ist.

Und sonst?

Die Kulturbüros in den Städten Schmallenberg (Hochsauerlandkreis) und Bad Berleburg (Kreis Siegen-Wittgenstein) haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt: für zahlreiche Heimatmuseen vor Ort möchte man neue Museumsführer ausbilden. Wie viele Heimatvereine leiden auch die Vereine im Sauerland an starker Überalterung und es ist abzusehen, dass in den kommenden Jahrzehnten der Führungsbetrieb mit den bestehenden Mitgliedern nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Im Idealfall sollen jüngere Menschen unter 60 nachrücken, die die Führungsaufgaben übernehmen. Diese neuen Museumsführer werden von der Geschichtsmanufaktur ausgebildet. Die Ausbildung setzt auf einen umfassenden theoretischen Teil, der die Teilnehmer in Führungsaufbau und -konzeption schult, sowie auf einen großen praktischen Anteil. Hier erfahren die angehenden Museumsführer, was eine Führung eigentlich für alle Beteiligten spannend und lehrreich macht. Start der Ausbildung ist vermutlich im Frühjahr 2015. In einem ersten Schritt wurde zunächst für alle teilnehmenden Museen ausgelotet, welche museumspädagogischen Formate sich für die jeweiligen Häuser anbieten.

Neues aus der Forschung

Da man bekanntlich im Sommer auf genügend Flüssigkeitszufuhr achten soll, dreht sich der heutige Beitrag zur Forschung im das Thema Trinken. Es geht jedoch wie so oft in der Geschichte nicht um Wasser, sondern um Alkohol. Bereits Anfang des Jahres fanden US-Forscher heraus, was man in Kreisen der Nordmänner gern zu sich nahm. Es handelte sich nicht etwa um schnödes Bier, sondern um einen Cocktail aus Beeren, Honig, Kräutern und Getreide. Wenn erhältlich, mischte man ihn auch gern mit Weinen aus dem Mittelmeerraum – und das bereits um 1100 v.Chr. Getrunken wurde dieses Gebräu nicht nur aus Genuss, sondern auch aus medizinischen Gründen. Gern nahm man es aus großen und schön gestalteten Gefäßen zu sich. Wer möchte nicht prachtvolles Glas besitzen, denkt man sich bis heute und so dachte man auch in der Renaissance. Aus dieser Zeit stammen die so genannten „Passgläser“, von denen eines u.a. bei Ausgrabungen im ostwestfälischen Spenge gefunden wurde. Diese Passgläser nutze man zu Trinkspielen: In das Glas mit einem Fassungsvermögen von 0,8 Litern waren vier Ringe eingelassen. Bis zu einem der Ringe musste man es leeren. Geschah dies nicht auf den Millimeter genau, musste man das Glas in einem Zuge leeren. Das Ende eine solchen Spielchens kann man sich unschwer vorstellen.

Quellen:
http://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Raue_Gesellen_mit_feiner_Zunge__Was_war_drin_im_Grog_der_Wikinger_1771015589468.html http://www.ruhrnachrichten.de/leben-und-erleben/kultur-muensterland/Archaeologen-tagen-in-Muenster-Schon-unsere-Ahnen-tranken-viel-und-wuest;art2551,2315089

Newsletter 2014-2

Newsletter 2-2014

Das Ehrenamt in der Kultur – eine Beleuchtung von mehr als einer Seite
Momentan tourt die Wanderausstellung „Unser Denkmal. Wir machen mit“ zum Thema ehrenamtliches Engagement in der Denkmalpflege durch Nordrhein-Westfalen. Organisiert wurde die Ausstellung von vielen unterschiedlichen Partnern wie dem LVR und dem LWL, um nur zwei zu nennen.
Die Ausstellung spricht ein Thema an, das immer wichtiger für den Kultursektor wird. Ohne das Engagement von zahlreichen Freiwilligen könnten viele kultureller Projekte nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern in ganz Deutschland nicht realisiert werden.
Meistens bringen die ehrenamtlichen Helfer hohen Sachverstand ein und sie liefern Ergebnisse von erstaunlicher Qualität. Mit geübtem Blick entdeckte schon so manch ein Freiwilliger beim Gang über ein Feld archäologische Funde oder entzifferte alte Schriften. Und ohne die vielen jungen Leute im Bundesfreiwilligendienst würde so manches Museum in die Knie gehen. Sie alle haben sich ein Wissen angeeignet, das dem der wissenschaftlich ausgebildeten Archäologen, Historiker, Kunsthistoriker und Geologen häufig in nichts nachsteht.
Doch trotz allem lohnt ein kritischer Blick auf das Ehrenamt. Beispielsweise verzichten vielen Museen auf geschultes Personal und lassen Führungen von Freiwilligen, meist von mit didaktischem Wissen unbelasteten Rentnern durchführen. Fachlich sicher oft hervorragend, kann es so jedoch dazu kommen, dass etwa eine Schülergruppen unfreiwillig als Publikum für einen ausufernden Vortrag über das Lieblingsobjekt eines älteren Herren eingespannt wird. An solch einem Punkt stellt sich dann die Frage, ob man einen Ehrenamtler in seinem Tun auch lenken kann – immerhin stellt er sein Wissen ja kostenlos der Allgemeinheit zur Verfügung. Ist er dann trotzdem Weisungsgebunden?
Und besteht nicht auch die Gefahr, dass in ihrer Freizeit arbeitende Ehrenamtler, die auf eine Bezahlung nicht angewiesen sind, Stellen blockieren, die andere nach einer langwierigen und teuren Ausbildung zum Broterwerb benötigen?
Gerade dort, wo junge, engagierte Menschen oft nur schwer eine Beschäftigung finden, lohnt auch ein kritischer Blick auf das Ehrenamt – ohne das Können, Wissen und Engagement zu schmälern, das Freiwillige der Wissenschaft und Gesellschaft zur Verfügung stellen.

Und sonst?
Die Geschichtsmanufaktur hat in den letzten Monaten gemeinsam mit zehn23 – studio für gestaltung ein vom LeoBaeckProgramm der Stiftung „Erinnerung.Verantwortung.Zukunft“ finanziertes Projekt initiiert, bei dem Schüler der Ricarda-Huch-Realschule in Dortmund die Biographien einiger jüdischer Dortmunder erforschten, die heute auf dem Dortmunder Ostfriedhof bestattet sind. An ihren Gräbern werden im Mai QR-Codes angebracht, durch die die Besucher vor Ort die Ergebnisse des Schülerprojektes abrufen können.
Die Schülerarbeiten sind aber auch vom PC abrufbar unter www.guidyon.de

Neues aus der Forschung
Worüber lachten die alten Ägypter? Dieser Frage ist der Ägyptologe Prof. Dr. Ludwig Morenz in seiner Studie „Kleine Archäologie des ägyptischen Humors. Ein kulturgeschichtlicher Testschnitt“ nachgegangen. Dazu untersuchte er Inschriften und Bilder auf Reliefs, Papyri oder Tonscherben – und stellte dabei fest: Humor hatte im Ägypten der Pharaonen genauso seinen Platz wie noch heute bei uns.
In den Witze, die man sich im Schatten der Pyramiden erzählte, verdrehte man gerne die bekannte Realität und übersteigerte das, was man als normal wahrnahm. So finden sich etwa Tierhieroglyphen, in denen ein Nilpferd in einem Baum sitzend Feigen sammelt, während ein Spatz mühselig eine Leiter besteigt. Man machte sich aber auch ironisch über seine Mitmenschen lustig, wenn man etwa bei gewissen Berufsgruppen übertrieben die schlechten Eigenschaften herausstellte, um den eigenen Berufsstand in den allerhöchsten Tönen zu loben. Auch ihre Feinde verspotten die Ägypter gerne, eine Tonscherbe zeigt etwa einen Nubier, der vor einer Katze und einer Maus kniet und um Gnade fleht.
Überliefert ist zumeist nur der Humor der Oberschicht. Das liegt einfach daran, dass die einfachen Menschen nicht schreiben konnten und so kaum die Möglichkeit fanden, eigene Witze oder komische Szenen festzuhalten. Humor hatte dabei den gleichen Zweck wie noch heute, er schuf Gruppenzugehörigkeit und hielt die Gesellschaft zusammen. Das sich die kleinen Leute über „die da oben“ lustig machten, darf daher angenommen werden. Und manche der alten Witze wirken auch heute noch spontan. So zeigt ein Relief in einem Grab in Saqqara einen an eine Tür gelehnten Wächter – schlafend.
(Quelle: http://www3.uni-bonn.de/Pressemitteilungen/060-2014 und http://www.wdr2.de/kultur/aegyptenhumor100.html )

(Autor:Katharina Hülscher)

Newsletter 2014-1

Geschichtsmanufaktur

Newsletter 1/2014

Wir wünschen den Lesern unseres Newsletters ein schönes und erfolgreiches 2014!

Crowdfunding – eine Alternative für die Kultur?

In anderen Ländern schon weit verbreitet, ist das Crowdfunding in Deutschland noch für viele unbekanntes Terrain. Dabei bietet die „Finanzierung durch den Schwarm“ neue und vielfältige Finanzierungsmöglichkeiten in zahlreichen Gebieten. Vor allem die mit immer weniger Geldmitteln ausgestattetet Kulturbranche könnte profitieren. Aber was ist Crowdfunding überhaupt?

Wie die direkte Übersetzung aus dem Englischen (Schwarmfinanzierung) schon vermuten lässt, werden für Projekte Gelder von einer Menschenmenge zur Verfügung gestellt. Das funktioniert vor allem über das Internet:
Auf einer Crowdfunding-Plattform (startnext.de oder kickstarter.de sind die Bekanntesten in Deutschland) wird ein Projekt mit seinen Initiatoren ausführlich vorgestellt. Jedes Projekt beginnt mit der sogenannten „Startphase“: Es werden zunächst Befürworter des Projekts gesammelt, die nichts weiter tun müssen, als durch einen einfachen „Klick“ zu bekunden, dass sie diese eine Idee für unterstützenswert halten. Diese Startphase dauert vier Wochen, die Anzahl der mindestens zu erreichenden Fans richtet sich nach der Höhe der Geldsumme, die man über das Crowdfunding einnehmen möchte. Wird die geforderte Fananzahl nicht erreicht, endet das Crowdfunding.
Ist der Monat jedoch um und es sind genügend Fans vorhanden, kommt man in die sogenannte Finanzierungsphase: Nun geht es darum, sein Projekt publik zu machen, und in einem Zeitraum von ein bis maximal drei Monaten die vorher festgelegte Summe zu akquirieren. Die Spender, die ein Projekt unterstützen, wählen selbst die Höhe ihres Beitrags. Sie gehen dabei kein Risiko ein: Kommt die angestrebte Summe nicht zusammen, erhält jeder Spender sein Geld zurück.
Ist nach spätestens drei Monaten das Fundingziel erreicht, erhält jeder Unterstützer eine kleine Gegenleistung. Diese Gegenleistungen sind meist kleine Geschenke symbolischer Natur, die in engem Zusammenhang mit dem finanzierten Projekt stehen. Bei sehr großen Projekten, die große Geldsummen akquirieren, kann dieses Geschenk auch als finanzielle Gewinnausschüttung nach erfolgreichem Projektabschluss ausfallen.
Ein bekanntes Projekt, dass über Crowdfunding finanziert wurde, ist die Website „stoersender.tv“, unterstützt vom kürzlich verstorbenen Dieter Hildebrand. Dank der prominenten Unterstützung konnten innerhalb eines kurzen Zeitraums über 125.000€ gesammelt werden.
Gerade für die notorisch unterfinanzierte Kultur kann Crowdfunding eine Möglichkeit der Co-Finanzierung darstellen. Dort, wo aus Mangel an Geldmitteln viele Projekte von Anfang an zum Scheitern verurteilt scheinen, kann Crowdfunding eine Anstoß- oder Teilfinanzierung bieten. Ein Freibrief, die Gelder für kulturelle Vorhaben noch weiter zu kürzen, darf Crowdfunding jedoch nicht werden.
Auch wir haben eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen.
Für unser Gemeinschaftsprojekt „vergangenes verorten – QR-Codes für die Stadtgeschichte“ mit Dipl.-Designerin Heike Kollakowski von „zehn23 – studio für gestaltung“ suchen wir momentan eine Crowd, die sich an der Finanzierung von mindestens zwei QR-Codes an historisch-interessanten Gräbern auf dem Dortmunder Ostfriedhof beteiligt.
Informieren Sie sich unter www.startnext.de/vergangenes-verorten

Und sonst?
Am 28. Januar 814 starb Kaiser Karl der Große in Aachen. Sein Todestag jährt sich in diesem Monat zum 1200. Mal.
Die Stadt Aachen nimmt dieses Datum zum Anlass, eine große Ausstellung über das Leben und Wirken Karls des Großen zu zeigen. Zu sehen ist die Ausstellung vom 20.6. bis zum 21.9.2014 an drei Orten in Aachen: Im Krönungssaal des Rathauses, im Centre Charlemagne und in der Domschatzkammer.
Und noch ein besonderes Ereigniss findet dieses Jahr in Aachen statt: vom 20.6.-29.6. werden vier Stoffreliquien dem Marienschrein entnommen, die sogenannte „Heiligtumsfahrt“ findet statt.  Seit dem Jahr 1349 findet dieses Ereigniss alle sieben Jahre statt und zieht zahlreiche Besucher in die Stadt.

2014 ist jedoch nicht nur ein bedeutendes Jahr für Aachen, sondern für ganz Europa: Im August 1914 begann der erste Weltkrieg. Der LWL hat aus diesem Jahr gemeinsam mit zahlreichen Museen aus der Region Westfalen-Lippe eine Wanderausstellung zum Thema „Heimatfront“ ins Leben gerufen. Sie beginnt im Februar im Mindener Museum.
Die Geschichtsmanufaktur entwickelt für diese Ausstellung ein Museumspädagogisches Programm für die Sekundarstufe I.

Für die Mahn- und Gedenkstätte Steinwache in Dortmund habt die Geschichtsmanufaktur gemeinsam mit Geomobile eine App entwickelt, die sowohl als Informationstool für die Steinwache, als auch als Reiseführer durch Dortmund dient: Via GPS wird der Nutzer an 15 Orte in Dortmund geleitet, die für die Geschichte des Nationalsozialismus von Bedeutung sind.

(Autor:Katharina Hülscher)

Newsletter 2013-4

Geschichtsmanufaktur Newsletter 4/2013

Volles Haus! – Plädoyer für eine Reglementierung der Besucherzahlen bei Ausstellungen

Gut besuchte Ausstellungen sind immer ein Grund zur Freude. So sollte man zumindest meinen. Für Ausstellungskuratoren sind sie es sicherlich meistens, doch nicht ganz so rosig gestalten sich sie Situation für diejenigen, die tagtäglich in der Ausstellung arbeiten bzw. für die Besucher selbst. Je nach Räumlichkeiten eines Hauses kann der Aufenthalt in der Ausstellung, ob für Museumspädagogen, Aufsichtspersonal oder Besucher, schnell zu Anstrengung und Stress werden:

Einzelbesucher werden von geführten Gruppen immer wieder von den Vitrinen vertrieben, die Gruppen wiederum bekommen nur sehr wenige Exponate genau zu Gesicht, werden oft hektisch an den Vitrinen vorbei geschleust. Gruppen, Einzelbesucher und Museumspädagogen kommen den ausgestellten Objekten zu nahe, was dem Sicherheitspersonal die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Kommen nun noch geführte Schulklassen hinzu, wird die Situation ganz vertrackt. Oft genug werden Schüler von Erwachsenen nicht als gleichwertige Museumsbesucher akzeptiert und von den Vitrinen verdrängt. Schnell kommt man so in eine Situation der allgemeinen Unzufriedenheit: Die Eintritt zahlenden Besucher möchten zu Recht einige Minuten vor den Objekten verweilen können, ohne von einer geführten Gruppe eingekesselt und systematisch verdrängt zu werden. Geführte Gruppen wiederum möchten die Exponate, über die berichtet wird, auch zu Gesicht bekommen und nicht aus mehreren Metern Entfernung darüber unterrichtet werden, dass dort hinten theoretisch etwas Spannendes zu sehen sei – gleiches wünschen sich auch die Museumspädagogen. Und auch Schüler möchten die Möglichkeit zur ruhigen und ungestörten Objektbetrachtung bekommen.

Dabei könnte man die Situation mit einfachen Mitteln entschärfen: Zeitkarten reglementieren die Anzahl der Besucher in den Ausstellungsräumen. Wie in einigen Museen heute bereits üblich kann der Besucher bei der Buchung des Tickets ein Zeitfenster angeben, in dem er die Ausstellung betreten möchte. Die Dauer des Aufenthalts in der Ausstellung ist dann unbegrenzt. So hat das Museum die Möglichkeit zu kontrollieren, wann wie viele Personen die Ausstellung betreten und kann die Besucheranzahl von vorn herein auf ein angemessenes und somit auch angenehmes Maß reglementieren. So hat man vielleicht etwas weniger Besucher, diese sind jedoch zufrieden und kommen bestimmt gern ein zweites oder drittes Mal vorbei.

vergangenes verorten

Die Geschichte der Stadt Dortmund reicht weit in die Vergangenheit zurück. Weiter jedenfalls als die häufig propagierte Vergangenheit aus Kohle und Stahl vermuten lässt. Den meisten Besuchern der Stadt ist das gar nicht bewusst, den meisten Dortmundern selbst auch nicht. Da möchte die Geschichtsmanufaktur Abhilfe schaffen. Gemeinsam mit Dipl.-Designerin Heike Kollakowski haben wir das Projekt „vergangenes verorten“ ins Leben gerufen. Wir möchten historisch interessante Gebäude und Plätze mit QR-Codes ausstatten und via Smartphone über die Vergangenheit des Ortes berichten – sei sie nun noch sichtbar oder in der Vergangenheit verschwunden. Dazu haben wir jetzt das Dortmunder TechnologieZentrum mit QR-Codes ausgestattet. Drei Codes berichten über die Vergangenheit des Standortes an der Universität Dortmund, von der Bronzezeit über das Mittelalter bis heute. Einsehbar ist die Geschichte auch via Computer: http://vergangenes-verorten.de/dortmund

Wir möchten allerdings nicht allein Dortmund in der Geschichte verorten. Auch andere Städte sind uns herzlich willkommen. Ziel ist es, umfassende Datenbanken für die Geschichte(n) verschiedener Orte anzulegen.

Und sonst?

Vom 3.11.2013 bis zum 21.4.2014 zeigt das LWL-Museum für Archäologie in Herne eine Sonderausstellung mit dem Titel „Uruk – 5000 Jahre Megacity“. Die Ausstellung wurde anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der deutschen Ausgrabungen in Uruk (heute Irak) von verschiedenen renommierten Museen und Instituten konzipiert. Im Berliner Pergamonmuseum konnte sie über 400.000 Besucher in fünf Monaten verzeichnen.

Ab Januar 2014 hat die Steinwache in Dortmund eine eigene App. Mit Hilfe dieser informiert das Haus über seine Geschichte, Veranstaltungen und Öffnungszeiten. Daran angeschlossen ist ein GPS-basierter Stadtführer, der Interessierte zur 15 Orten auf Dortmunder Stadtgebiet lotst, die während der NS-Zeit eine bedeutende Rolle spielten. Konzipiert und entwickelt wird die App von der Geschichtsmanufaktur und Geomobile.

Neues aus der Forschung:

Spannende und bahnbrechende Entdeckungen gab es in der Hagener Blätterhöhle. Seit im Jahr 2004 dort Skelettreste mehrere Individuen entdeckt wurden, wird die Höhle in zahlreichen Grabungskampagnen erschlossen. Die neuesten Entdeckungen gleichen einer Sensation: Nahm man bis lang an, dass die hier lebenden Jäger und Sammler von einwandernden Ackerbauern verdrängt worden seien, zeigten Funde aus der Blätterhöhle, dass beide Subsistenzweisen über 2000 Jahre lang gemeinsam existiert haben müssen. Gruppen von Ackerbauern und Jägern und Sammlern nutzen gemeinsam die Blätterhöhle als Begräbnisplatz, vermutlich vermischten sie sich sogar miteinander.