Newsletter 2013-4

Geschichtsmanufaktur Newsletter 4/2013

Volles Haus! – Plädoyer für eine Reglementierung der Besucherzahlen bei Ausstellungen

Gut besuchte Ausstellungen sind immer ein Grund zur Freude. So sollte man zumindest meinen. Für Ausstellungskuratoren sind sie es sicherlich meistens, doch nicht ganz so rosig gestalten sich sie Situation für diejenigen, die tagtäglich in der Ausstellung arbeiten bzw. für die Besucher selbst. Je nach Räumlichkeiten eines Hauses kann der Aufenthalt in der Ausstellung, ob für Museumspädagogen, Aufsichtspersonal oder Besucher, schnell zu Anstrengung und Stress werden:

Einzelbesucher werden von geführten Gruppen immer wieder von den Vitrinen vertrieben, die Gruppen wiederum bekommen nur sehr wenige Exponate genau zu Gesicht, werden oft hektisch an den Vitrinen vorbei geschleust. Gruppen, Einzelbesucher und Museumspädagogen kommen den ausgestellten Objekten zu nahe, was dem Sicherheitspersonal die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Kommen nun noch geführte Schulklassen hinzu, wird die Situation ganz vertrackt. Oft genug werden Schüler von Erwachsenen nicht als gleichwertige Museumsbesucher akzeptiert und von den Vitrinen verdrängt. Schnell kommt man so in eine Situation der allgemeinen Unzufriedenheit: Die Eintritt zahlenden Besucher möchten zu Recht einige Minuten vor den Objekten verweilen können, ohne von einer geführten Gruppe eingekesselt und systematisch verdrängt zu werden. Geführte Gruppen wiederum möchten die Exponate, über die berichtet wird, auch zu Gesicht bekommen und nicht aus mehreren Metern Entfernung darüber unterrichtet werden, dass dort hinten theoretisch etwas Spannendes zu sehen sei – gleiches wünschen sich auch die Museumspädagogen. Und auch Schüler möchten die Möglichkeit zur ruhigen und ungestörten Objektbetrachtung bekommen.

Dabei könnte man die Situation mit einfachen Mitteln entschärfen: Zeitkarten reglementieren die Anzahl der Besucher in den Ausstellungsräumen. Wie in einigen Museen heute bereits üblich kann der Besucher bei der Buchung des Tickets ein Zeitfenster angeben, in dem er die Ausstellung betreten möchte. Die Dauer des Aufenthalts in der Ausstellung ist dann unbegrenzt. So hat das Museum die Möglichkeit zu kontrollieren, wann wie viele Personen die Ausstellung betreten und kann die Besucheranzahl von vorn herein auf ein angemessenes und somit auch angenehmes Maß reglementieren. So hat man vielleicht etwas weniger Besucher, diese sind jedoch zufrieden und kommen bestimmt gern ein zweites oder drittes Mal vorbei.

vergangenes verorten

Die Geschichte der Stadt Dortmund reicht weit in die Vergangenheit zurück. Weiter jedenfalls als die häufig propagierte Vergangenheit aus Kohle und Stahl vermuten lässt. Den meisten Besuchern der Stadt ist das gar nicht bewusst, den meisten Dortmundern selbst auch nicht. Da möchte die Geschichtsmanufaktur Abhilfe schaffen. Gemeinsam mit Dipl.-Designerin Heike Kollakowski haben wir das Projekt „vergangenes verorten“ ins Leben gerufen. Wir möchten historisch interessante Gebäude und Plätze mit QR-Codes ausstatten und via Smartphone über die Vergangenheit des Ortes berichten – sei sie nun noch sichtbar oder in der Vergangenheit verschwunden. Dazu haben wir jetzt das Dortmunder TechnologieZentrum mit QR-Codes ausgestattet. Drei Codes berichten über die Vergangenheit des Standortes an der Universität Dortmund, von der Bronzezeit über das Mittelalter bis heute. Einsehbar ist die Geschichte auch via Computer: http://vergangenes-verorten.de/dortmund

Wir möchten allerdings nicht allein Dortmund in der Geschichte verorten. Auch andere Städte sind uns herzlich willkommen. Ziel ist es, umfassende Datenbanken für die Geschichte(n) verschiedener Orte anzulegen.

Und sonst?

Vom 3.11.2013 bis zum 21.4.2014 zeigt das LWL-Museum für Archäologie in Herne eine Sonderausstellung mit dem Titel „Uruk – 5000 Jahre Megacity“. Die Ausstellung wurde anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der deutschen Ausgrabungen in Uruk (heute Irak) von verschiedenen renommierten Museen und Instituten konzipiert. Im Berliner Pergamonmuseum konnte sie über 400.000 Besucher in fünf Monaten verzeichnen.

Ab Januar 2014 hat die Steinwache in Dortmund eine eigene App. Mit Hilfe dieser informiert das Haus über seine Geschichte, Veranstaltungen und Öffnungszeiten. Daran angeschlossen ist ein GPS-basierter Stadtführer, der Interessierte zur 15 Orten auf Dortmunder Stadtgebiet lotst, die während der NS-Zeit eine bedeutende Rolle spielten. Konzipiert und entwickelt wird die App von der Geschichtsmanufaktur und Geomobile.

Neues aus der Forschung:

Spannende und bahnbrechende Entdeckungen gab es in der Hagener Blätterhöhle. Seit im Jahr 2004 dort Skelettreste mehrere Individuen entdeckt wurden, wird die Höhle in zahlreichen Grabungskampagnen erschlossen. Die neuesten Entdeckungen gleichen einer Sensation: Nahm man bis lang an, dass die hier lebenden Jäger und Sammler von einwandernden Ackerbauern verdrängt worden seien, zeigten Funde aus der Blätterhöhle, dass beide Subsistenzweisen über 2000 Jahre lang gemeinsam existiert haben müssen. Gruppen von Ackerbauern und Jägern und Sammlern nutzen gemeinsam die Blätterhöhle als Begräbnisplatz, vermutlich vermischten sie sich sogar miteinander.