Newsletter 2016 – 3

 Universitäten als Förderer prekärer Arbeitsbedingungen in der Kultur?

Für viele Geschichts- und Archäologiestudenten ist es ein Traum: Die spätere Arbeit in und für Museen. Um solche Tätigkeiten nach dem Studium übernehmen zu können, bietet sich die Sammlung praktischer Erfahrungen bereits während des Studiums an. Immer mehr Universitäten setzen daher darauf, in Seminaren Ausstellungsideen zu entwickeln, die tatsächliche Umsetzung zu planen oder Ausstellungstexte zu schreiben. Besondere Freude herrscht natürlich bei allen Beteiligten, wenn es nicht bei theoretischen Überlegungen auf dem Papier bleibt, sondern die Ausstellungen dann tatsächlich in die Tat umgesetzt werden und von einem breiten Publikum betrachtet werden können.
Doch in den letzten Jahren setzt sich an den Universitäten und Fachhochschulen ein kritisch zu betrachtender Trend durch: Zu günstigen Konditionen bieten Lehrstuhlinhaber ihr Knowhow an, wenn es um die Konzeption und Umsetzung von Ausstellungen geht. Diese Konditionen können jedoch nur aus zwei Gründen gehalten werden: Zunächst wird die Leistung von einem Angestellten angeboten, der auf Nebeneinkünfte nicht angewiesen sein dürfte. Des Weiteren werden als Projektmitarbeiter in immer häufigeren Fällen Studenten heran gezogen, die wiederum auf Grund ihres Studentenstatus ein nur geringes Gehalt beziehen – wenn ihre Tätigkeit nicht im Rahmen eines Seminars stattfindet und eine Vergütung somit nicht stattfindet.
Verstehen kann man die Motivation aller Beteiligten: Die Auftraggeber leiden unter knappen Kassen und freuen sich über günstige Anbieter. Universitäre Einrichtungen auch in den Geisteswissenschaften sind immer stärker auf das Einwerben von Drittmitteln angewiesen – Mittel die sie, sollte der Auftragnehmer wie es verstärkt vorkommt, nicht noch nebenberuflich eine Agentur zur Ausstellungsplanung betreiben, so akquirieren. Und die Studenten erarbeiten sich praktische Berufserfahrung.
Doch die Nachteile der Ausstellungsvergabe an Universitäten und Lehrstuhlinhaber sind nicht von den Hand zu weisen: Dauert das Projekt länger als ein Semester, sind die mitarbeitenden Studenten oft mit anderen Aufgaben beschäftigt und können ihre Arbeit nicht gesichert zu Ende führen. Die von Studenten erstellten Texte sind oft extrem wissenschaftlich und besucherfern – beides sind Erfahrungen, die vor kurzem ein NS-Dokumentationszentrum machen musste. Für selbstständig arbeitende Kuratoren stellt sich aber ein weiteres Problem ein: Die Konditionen, die Universitäten und Lehrstühle ihren Kunden bieten, können Selbstständige und Firmen nie erfüllen, wollen sie nicht in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Studenten wird wiederum ein unrealistisches Preisgefüge in der Kulturlandschaft vermittelt. Ein Bild, von dem sie sich nach Studienabschluss nur schwer lösen können und sie dann, sollten sie als selbstständige Kuratoren arbeiten, verstärkt in prekäre Verhältnisse drängt.
Daher sollte die Auftragsvergabe an Studenten und Professoren stets von mehreren Seiten überdacht werden.

Und sonst?
Für das „Kulturhistorische Zentrum Westmünsterland“ hat die Geschichtsmanufaktur die Projektleitung der Konzeption und Umsetzung des  Audioguides übernommen. Des Weiteren erarbeiten wir die Museumspädagogik zur Dauerausstellung.
Wir freuen uns, vom LWL-Museumsamt als das Unternehmen ausgewählt worden zu sein, das in den kommenden Jahren die Museumspädagogik der Wanderausstellungen des Museumsamtes konzipiert.
Für das Landesmuseum für Archäologie in Herne entwickeln wir drei museumspädagogische Programme, die in der kommenden Sonderausstellung „Schätze der Archäologie Vietnams“ zum Einsatz kommen.
Außerdem arbeiten wir seit einiger Zeit an folgenden Projekten:

–          Projektleitung der Restaurierung des Werdener Kruzifixes (Bronzekruzifix, 11. Jhrd.)
–          Kuratierung einer Ausstellung zur 750jährigen Gründung des Stiftes Beckum
–          Ausbildung von Museummoderatoren für die Museen des Kreises Olpe