Newsletter 2016 – 4

Wie wir wissen, wissen wir nichts! – Das Thema Scheinselbstständigkeit ist und bleibt akut und schwer greifbar.
Bereits im Frühjahr haben wir an dieser Stelle über ein Thema berichtet, dass viele Museen und ihre freien Mitarbeiter beschäftigt: Die Scheinselbstständigkeit.
Zahlreiche Museen stehen momentan auf der Prüfliste der Deutschen Rentenversicherung. Im Blick sind vor allem die freiberuflichen Museumspädagogen, doch das könnte sich in Zukunft ändern. Denn nach Auffassung der DRV ist das Museum eine Einrichtung, in der sich jedwede freiberufliche Arbeit generell verbietet.
Was dies sowohl für die Museen als auch für die dienstleistenden Unternehmen für Folgen hätte, lässt sich ungefähr erahnen…
Doch bis heute ist jede Prüfung auf Scheinselbstständigkeit eine Einzelprüfung mit ungewissem Ausgang. So wurde das Technoseum Mannheim vom Sozialgericht dazu verurteilt, seine 87 freiberuflichen Museumspädagogen einzustellen und ihre Sozialversicherungsbeiträge nach zu zahlen. Dieses Urteil wurde jedoch in einigen Fällen vom Landessozialgericht Stuttgart in einem zweiten Prozess wieder aufgehoben. So wird von Museum zu Museum, von Gericht zu Gericht unterschiedlich entschieden und dies in Prozessen, die oft erst nach langen Jahren ein Ende finden.
Würden durch die Prüfverfahren an den Museen tatsächlich vollwertige Stellen geschaffen und besonders die nicht selten unter prekären Bedingungen arbeitenden Museumspädagogen dauerhaft angestellt, so wäre das eine positive Entwicklung. Doch die anhaltenden massiven Kürzungen im Kulturetat der Städte und Kommunen verhindern dies. Stattdessen schaffen einige Museen in der Not 10% oder 15%-Stellen, die allenfalls Leute besetzen können, die den Beruf des Museumspädagogen nicht als Beruf, sondern als Hobby ausüben.
Um eine für beide Seiten fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Museen und Freiberuflern auf Dauer zu ermöglichen, versuchen der Deutsche Museumsbund, der Bund freiberuflicher Kulturwissenschaftler und der Bundesverband der Museumspädagogen nun Verträge zu erarbeiten, die bei Auftragsvergabe zwischen Museum und Dienstleister geschlossen werden können und die eine rechtliche Absicherung beider Seiten ermöglicht. Doch so lange müssen Museen und ihre Dienstleister mit der Gewissheit klarkommen, dass auch sie in rechtlichen Grauzonen arbeiten.

Und sonst?

Im Oktober endete die von der Geschichtsmanufaktur durchgeführte „Qualifikation zum Museumsmoderator“ im Kreis Olpe. Insgesamt 13 hoch motivierte Männer und Frauen werden zukünftig die Museen des Kreises unterstützen. Bemerkenswert war das junge Alter einiger Teilnehmer: So nahmen mit großem Erfolg 14- und 15-Jährige an der Qualifikation teil.

Im November präsentiert die Geschichtsmanufaktur ihr Konzept der Museumsführerqualifikation vor der Strukturkommission der Bezirksregierung Arnsberg.

Ab November entwickelt die Geschichtsmanufaktur gemeinsam mit dem Unternehmen zehn23 eine App zum Thema „Migration in Unna seit 1945“. Außerdem soll ein Museumskoffer zum Thema „Die Stadtgeschichte Unnas“ entstehen, der sich speziell an Flüchtlinge richtet. Die Arbeiten sind Teil eines vom Fonds „Stadtgefährten“ der Kulturstiftung des Bundes unterstützen Projektes, dass u.a. auch eine Ausstellung beinhaltet.

Folgende Projekte betreut die Geschichtsmanufaktur momentan außerdem:

–          Kuratierung einer Ausstellung zum 750.jährigen Jubiläum des Stiftes Beckum
–          Projektkoordination der Restaurierung des Werdener Kruzifixes (11.Jhrd.)
–          Projektmanagement eines Audioguides und der Museumspädagogik für das entstehende „Kulturzentrum Westmünsterland“ in Vreden
–          Transkription eines Nekrologs

Wir wünschen allen unseren Lesern eine ruhige und besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Rutsch in 2017!