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Denkmalpflege – Lust und Frust

Eine Baufirma nutzt in Belize einen Maya-Tempel als Steinbruch – leider muss man sich nicht erst ins Flugzeug setzen, um ähnliche Fälle zu finden.

Schon immer war es ein harter Kampf, Orte und Gebäude von historischer und kultureller Bedeutung zu bewahren. Oftmals war deren Wichtigkeit niemandem bewusst – die Feldhofer Grotte, Fundort des berühmten Neanderthalers, wurde gesprengt. Der Rohstoff war wichtig, zumal nicht jeder der damals revolutionären und für manchen skandalösen Evolutionstheorie anhing. In vielen Städten wurden historische Bauten ausgeschlachtet, um das Material anderweitig zu verwenden. Dies ist nicht erst seit dem letzten Jahrhundert so: Bereits im Mittelalter nutzte man die Steine römischer Gebäude für den Bau neuer Häuser. Wo sich heute so oft eine Ringstraße um die Innenstadt zieht, standen einst die Wehrbauten – abgerissen, um Platz zu schaffen für den zunehmenden Verkehr und die wachsende Bevölkerung. Die Zeit wandelte also schon immer das Bild einer Stadt. Es ist schade, wenn ein mittelalterliches Stadtbild durch Erneuerungswut zerstört wird – so, wie es mit vielen Bauten, die den zweiten Weltkrieg überlebten, bei uns geschah.
Die Gefahr für Denkmäler droht überall, auch aus Gründen, die der Mensch gar nicht oder nur zu Teilen beeinflussen kann.
Wer kennt den Kölner Dom eigentlich ohne Baugerüst? Lange hat es gedauert, bis der Bau vollendet war und er für kurze Zeit in seiner ganzen Pracht erstrahlen konnte – bis die ersten Reperaturmaßnahmen nötig wurden. Seidtem kämpft die Dombauhütte einen endlosen Kampf gegen Witterungsschäden und andere Zerfallserscheinungen – verursacht vor allem durch sauren Regen.
Immerhin kämpfen die ca. 60 Mitarbeiter unermüdlich – was an anderen geschichtsträchtigen Orten aufgrund Geld- und Personalmangels leider nicht der Fall ist. Erst 2010 wurde in Pompeji der Notstand ausgerufen. Täglich 10.000 Besucher sorgen für viele Schäden, denen die Archäologen mit ihrem Team vor Ort nicht mehr Herr werden können. Zu viele Stellen wurden eingespart, die Gelder zu stark gekürzt. Die Folge: Häuser stürzten ein – bereits im November 2000 erwischte es das Haus der Gladiatoren, allerdings ohne, dass die Regierung eingeschritten wäre.
Die EU hat eine Finanzspritze von 105 Millionen Euro bewilligt, um in Pompeji zu retten, was noch zu retten ist. Doch vieles ist unwiderbringlich verloren.

Ohne Frage ist die Pflege von Denkmälern zeit- und kostenintensiv. Unter Umständen bedeutet der Erhalt eines Denkmales auch, dass man nicht den bequemsten Weg gehen kann – siehe die Waldschlösschenbrücke in Dresden oder, ganz aktuell, das Chemnitztalviadukt, das abgerissen werden soll, um eine neue, schnellere Bahnstrecke zu ermöglichen.
Pompeji, die Elbauen und die Maya-Tempel bringen aber auch Nutzen. Abgesehen von den Touristen, die Geld in die Kassen spülen halten uns diese Denkmäler auch unsere eigene Geschichte vor Augen – und was wären wir ohne Kenntnis um unsere Herkunft und wo wären wir, wenn all das Wissen, das unsere Vorfahren angehäuft haben, verloren wäre?
Es stellt sich einfach die Frage, wieviel einem die die eigene Geschichte wert ist – eine Frage, die sich gerade in NRW stellt angesichts der geplanten Streichung sämtlicher Mittel für Archäologie und Denkmalpflege. Zu diesen Plänen läuft übrigens noch eine Petition, initiiert von der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e.V.

Zur Petition:
https://www.openpetition.de/petition/online/angekuendigte-streichung-der-landeszuschuesse-fuer-die-archaeologie-und-denkmalpflege-zuruecknehmen

Zu dem zerstörten Maya-Tempel in Belize:
http://www.zeit.de/2013-05/Belize-Maya-Tempel-Zerstoerung

ICOMOS, Internationaler Rat für Denkmalpflege
http://www.icomos.de/index.php